Willkommen, lieber Mai!
Willkommen, lieber Mai!

01.05.2022

 

Seit heute steht unsere Wanderritt-Tour durch den Schwarzwald nach Baierbronn. Alle Stationen und Übernachtungen für uns und die Pferde sind gebucht, die Routen geplant, unser Sattel ist gecheckt, der Beschlagstermin für Willi vereinbart. 

 

05.06. Langensteinbach - Pfaffenrot: 15 km, ca. 280 Höhenmeter

06.06. Pfaffenrot - Loffenau: 18 km, ca. 630 Höhenmeter

07.06. Loffenau - Christophshof: 22 km, ca. 740 Höhenmeter

08.06. Christophshof - Besenfeld, 20 km, ca. 720 Höhenmeter

09.06. Besenfeld - Baiersbronn, 22 km, ca. 140 Höhenmeter

Ergo: rund 100 km und 2.500 Höhenmeter

 

Und damit nicht nur das Pferdchen fit ist, laufe ich heute mit Gerret eine 12 km lange Rundtour durchs schöne Pfinztal und erklimme hierbei auch 280 Höhenmeter. ;-) Die Rösser haben Pause. Es sind ohnehin zu viele Leute unterwegs. 

 

Willi hat seit gestern komische krustige Stellen. Sie sind ca. 0,5 cm groß, am Hals, am Unterkiefer, am Bauch und - ganz komisch - direkt am Ansatz vom Schopf. Gerade hinsichtlich dieser Stelle bezweifle ich ein wenig, daß es sich um Fliegenbisse handelt. Ich trage überall Betaisadona auf. 

Belohnung nach der Reiteinheit: grasen
Belohnung nach der Reiteinheit: grasen

02.05.2022

 

Das Wetter, das seit gestern Nachmittag schon deutlich aufgeklart hat, hat sich weiter gemacht: in meiner Mittagspause ist der Himmel weitgehend blau, es ist sogar richtig warm. 

 

Ich gehe mit dem Schwarzen für eine halbe Stunde auf die Reitwiese. Nach dem obligatorischen Aufwärmen an der Hand und unter dem Sattel gehts im Trab auf den Zirkel. Willi ist etwas träge, was sich nach einigen Runden Zirkelverkleinern und wieder -vergrößern gibt. Durch diese Lektion wird er reaktiver am Bein und ich behalte ihn besser am äußeren Zügel. Ich freue mich, daß wir zwischenzeitlich soweit sind, daß Willi schon einige Runden konstant am Zügel schön durchs Genick gehen kann. Ich schaffe es durch ständige, klitzekleine Korrekturen, ihn immer wieder abzuholen. 

 

Danach gehts an die Seitengänge. Wir versuchen uns am Schultervor auf dem Zirkel im Trab, was für wenige Tritte gelingt. Danach gehts aus Volten bei C und A wieder auf die Mittellinie, zunächst im Schulterherein, bei X wird zum Travers umgestellt. Das klappt rechte Hand besser als links. 

Weidegang
Weidegang

Den späten Nachmittag genieße ich ebenso am Stall: es ist ruhig, keiner ist da, die Vögel zwitschern, die Sonne hat ein wundervoll warmes Licht. Amor und Willi dürfen ab sofort morgens und abends während der Stallarbeit immer auf die Weide. Avalon wird nach seinem Kontroll-Röntgentermin, der nun leider erst am Mittwoch stattfinden kann, hoffentlich bald wieder dazu stoßen. Wir müssen zunächst Weide Nr. 4, die Winterweide, beweiden, auf der sich nach wie vor das Berufkraut breit macht. *soifzt* Hatte ich ja im letzten Jahr schon gedacht, wir hätten einigermaßen die Kurve bekommen, sieht das beim Gang über die Weide leider ganz anders aus. Also: noch bevor er aussamt, muß gemäht werden. 

 

Der beste aller Ehemänner macht sich am Abend dann noch erstmals daran, die Weidezäune ein Stück weit freizusensen, währenddessen ich das Mörchen enthaare. Der Senior genießt das in vollen Zügen und bleibt dazu unangebunden bei mir stehen. 

 

Willis krustige Stellen wasche ich heute mit Wasser sauber und trage ein Öl auf, das gegen Juckreiz auch Fliegen hilft. 

03.05.2022

 

Die neuen - gebraucht gekauften - Hufschuhe sind da: ein Paar Old Mac 2 in Gr. 11. Am Himmel ziehen sich zwar langsam Gewitterwolken zusammen, aber für eine kurze Runde dürfte es reichen, zumal meine Wetter-App erst in ca. einer Stunde Regen ansagt. Ich hole den Schwarzen von der Weide; Amor darf dort bleiben. Dem tut ein wenig Gras zusätzlich zu den Heucobs immer gut. 

 

Die Hufschuhe lassen sich einfach anziehen und sitzen gut. Der innere Riemen ist ein wenig kurz, läßt sich aber gerade noch so festkletten. Auch die äußeren Flügel mit Klettverschluß sitzen etwas knäpplich, aber darüber kommt ja nochmals ein Riemen mit einer Schnalle. So kann eigentlich nichts rutschen. So behufschuht zuckeln wir ins Gelände und sind dort heute ziemlich flott unterwegs. Wir träbeln und galoppieren gast genauso lange, wie wir Schritt gehen. ;-) Willi kommt ins Schwitzen, ist aber munter und geht auch im Schritt zügig vorwärts. Der Galopp fühlt sich gut und flüssig an, sogar mit viel Vorwärts. Ob das nun von den Hufschuhen kommt, kann ich aber nicht genau sagen. So sind wir jedenfalls in nicht einmal einer Stunde 5,7 km unterwegs mit 6,5 km/h! Toll! 

 

Wieder am Stall begutachte ich Willis Hufe und vor allem die Fesseln, um die ja der innere Riemen läuft. Es hat nichts gescheuert oder gerieben. Gut! Wenn das unsere Lösung ist, um barhuf bleiben zu können, wäre das ja prima! :-) 

04.05.2022

 

Gerret mäht am Vormittag nochmals die restlichen Zäune frei. Währenddessen futtern sich Willi und Amor über die Weide. Ergebnis am Abend: man ist vom Vormittag so vollgefressen, daß das ansonsten normal angebotene Heu kaum angerührt wurde. ;-) 

 

Willis krustige Stellen heilen ab, es sind auch keine neuen hinzugekommen.

Unser neues Gespann
Unser neues Gespann
Angekommen in Oberotterbach
Angekommen in Oberotterbach

06.05.2022

 

Nachdem wir endlich unser Dachzelt auf dem Auto montiert haben, kann es heute losgehen: wir fahren mit Willi in die Pfalz nach Oberotterbach in der Nähe von Bad Bergzabern. Dort werden wir übers Wochenenende an einem Kurs "Extrem-Trail" unter Leitung von Julia Gossen auf der Heldenmühle (s. www.heldenmuehle.de) teilnehmen. Willi steigt wie immer alleine artig ins Pferdetaxi und bezieht nach der gut einstündigen Fahrt am Ortsrand von Oberotterbach in einem schönen Tal direkt am Otterbach gelegen in einen großzügigen Paddock, den er sich übers Wochenende mit Wanderritt-Kumpel Artali teilen wird, der auch noch am heutigen Abend anreist.

 

Wir dürfen auf dem kleinen Reitplatz parken und dort unser Dachzelt aufschlagen. Am Abend wird gegrillt, und während die Jungs den Paddock abknabbern und das auf drei Haufen aufgeschüttelte Heu komplett verschmähen, lassen wir den Abend mit einer Flasche Wein am Lagerfeuer ausklingen. 

Beim Frühstück
Beim Frühstück

07.05.2022

 

Wir haben im Dachzelt sehr gut geschlafen. Ich bin restlos begeistert von meinem neuen Schlafsack mit Ärmeln, in den man sich richtig schön reinkuscheln kann. ;-) Auch die Jungs haben die Nacht gut verbracht, das Heu aber nicht angerührt. Willi hat etwas geschwollene Ohrspeicheldrüsen vom Grasknabbern, was aber im Laufe des Tages wieder nachläßt. Da es unheimlich viele Fliegen hat, wird Willi den ganzen Tag seine Fliegenmaske tragen.

 

Nach dem Frühstück starten wir um 09.00 Uhr mit allen Teilnehmern zu einer kurzen Besprechung. Wir sind insgesamt sechs Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Pferden: Isländer, Connemara, zwei Vollblüter, Freiberger und mein Kaltblut. Eine tolle Mischung.

 

Über Baumstämme
Über Baumstämme

 

Eingeteilt in zwei Dreier-Gruppen gehts nacheinander zunächst mit den Pferden an der Hand auf den auf einer Wiese aufgebauten Extrem-Trail mit seinen zahlreichen Hindernissen: 

 

Slalom um kurze Baumstämme, Brücke, Übersteigen von diversen Baumstamm-Formationen, Podeste aus mit Schotter aufgefüllten Autoreifen in unterschiedlicher Größe, Stangen-Stern, Baum-Mikado, Wassergraben, Baumstämme zum Springen, lange Äste als Trabstangen oder zum seitlichen Weichenlassen, usw. 

 

Wir beginnen mit einem aus dicken Ästen gelegten Quadrat, das die Pferde durchlaufen sollen. Dabei führen wir sie in der Form eines Kleeblatts, so daß wir das Quadrat aus allen Richtungen durchqueren müssen - für ein Pferd sieht das ja u. U. von jeder Seite ein wenig anders aus. 

 

Danach geht es weiter an ein Hindernis, bei dem drei dicke kurze Baumstämme in kurzen Abständen hintereinander liegen. Die Pferde müssen achtsam ihre Beine setzen und diese vor allem auch hoch heben. 

Über schrägliegende Äste
Über schrägliegende Äste

Alle Pferde unserer Gruppe durchlaufen die Hindernisse nacheinander, so daß die jeweils Wartenden zuschauen und die Pferde derweil zur Belohnung etwas Gras knabbern können. Pausen sind während dieser Lektionen immer sehr wichtig. Neben der Koordination fragen die Übungen natürlich auch viel Konzentration ab. 

 

Auch mit dem anschließenden Slalom hat Willi keinerlei Probleme. Ich kann auch auf einer Seite der Baumstämme entlang laufen und ihn nur auf Körpersprache hin, notfalls etwas korrigiert mit der Gerte, durch die doch für ihn recht eng stehenden Gassen lotsen. Toll! :-) 

 

Weiter gehts es mit unterschiedlich hoch liegenden Ästen. Willi schaut, überquert aber auch diese ohne anzustoßen. Mein Wald-Pferd halt. ;-) Trotzdem lasse ich ihm immer ausreichend Zeit und den Führstrick relativ lose und lang, damit er die Aufgaben selbst meistern kann. 

Am Podest
Am Podest

Kaum wenden wir uns aber Hindernissen zu, die nichts mehr mit Baumstämmen zu tun haben, wirds für Willi kniffliger. *grins* Von der aus einer großen Palette bestehenden Brücke, von der ein kleiner weiterführender Steg abgeht, tritt Willi zunächst auf dem Steg zweimal seitlich herunter. Der ist für ihn natürlich aber auch schon recht eng. Trotzdem gibt er sich viel Mühe und schaut, wo er hintreten muß. Natürlich gibts dafür auch immer wieder viel, viel Lob, sobald der erste richtige Ansatz da ist. 

 

Auch die verschiedenen Podeste müssen wir uns erst ein wenig erarbeiten. Der Schwarze tritt, da auch sie teilweise recht schmal sind, anfangs etwas darüber hinaus und läuft darüber hinweg, anstatt mit den Vorderbeinen darauf stehen zu bleiben. Aber mit Geduld und Spucke, vielen Keksen und vor allem Ruhe bekommen wir das schon hin. 

Pause
Pause

Dann hat unsere Gruppe erst einmal Pause. Willi und Artali erholen sich auf ihrem Paddock, wir schauen bei der anderen Gruppe zu. 

 

Nach ca. einer Stunde geht es weiter an die nächsten Hindernisse. Daß es da zunächst wieder viel um Baumstämme geht, findet das Schwarztier klasse. ;-) 

 

Am Stangen-Stern erarbeiten wir uns das Longieren vom Podest in der Mitte aus, indem wir die Pferde zunächst wie im Zirkel-Verkleinern von außen nach innen führen und dann schließlich selbst auf dem Podest stehenbleiben, während das Pferd weiter über die Stangen tritt. Hierbei kann man den Zirkel auch wieder vergrößern, das Pferd anhalten oder auch eine Wendung zum Richtungswechsel gehen lassen. 

 

Beim Stangen-Mikado ist zunächst einmal meine eigene Trittsicherheit gefragt, denn wir sollen selbst im Dreieck darauf herumlaufen und erst dann die Pferde von allen Richtungen durch das Hindernis lotsen. 

Auf dem großen Podest
Auf dem großen Podest

Dann wirds für Willi nochmals knifflig: er soll aufs große Podest steigen. Das besteht aus drei großen Traktorreifen, die wie eine Treppe angeordnet sind. Das fordert ihn unheimlich, denn er muß dabei auch sein langes Fahrgestell -> seine Hinterhand koordinieren - und die ist halt doch ziemlich weit vom Kopf entfernt. Dreimal geht er lieber vom ersten Traktorreifen wieder seitlich herunter, bevor er weiter nach vorne auf die zwei übereinander gestapelten klettern kann und dazu natürlich auch die Hinterhand mitnehmen muß. Aber dafür gibts dann wieder viel Lob und Kekse. :o) Und vor allem: Mittagspause!

 

Wir Menschen vespern gemütlich, bevor wir uns am Nachmittag wieder in unseren Gruppen auf dem Trail-Gelände treffen. Birgit und ich möchten den Trail gerne auch reiten, weshalb wir Artali und Willi bereits satteln. Bevor es aber ans Reiten geht, schauen wir uns den kleinen Wassergraben an, den Otterbach, der durch die Weiden fließt. Willi hat da bekanntlich keine Berührungsängste, geht recht schnell ins frische Naß und fängt an zu plantschen. Ich kann ihn auch von der Brücke aus trockenen Fußes durch den Bach schicken oder sogar im Kreis über die Brücke und wieder in den Bach longieren. 

Am Wassergraben
Am Wassergraben

Dann steigen wir auf und reiten den Trail für uns alleine ab. Fazit auch hier: alles, was mit Baumstämmen zu tun hat, liegt dem Schwarztier einfach im Blut. Das ist völlig easy und gehört zur Basis-Ausstattung. Das Podest ist wieder etwas schwieriger zu meistern, aber grundsätzlich auch kein Problem. Es fehlt nur noch etwas das Selbstverständnis. 

 

Zum Abschluß reiten wir auch durch den Otterbach und lassen es damit auch gut sein für heute. Das war schon viel an Input für die Pferde. 

 

Während wir uns in der Outdoor-Dusche frisch machen und anschließend zum Essen ins nahegelegene Schützenhaus wandern, entspannen sich Artali und Willi wieder auf ihrem Paddock. Auch heute sitzen wir anschließend noch lange zusammen und klönen, bevor Gerret und ich wieder hoch ins Dachzelt krabbeln. 

Hast Du noch Frühstück?
Hast Du noch Frühstück?

08.05.2022

 

Mit einem nachts Baumstämme sägenden Ehemann (Willi wäre begeistert... *augenroll*) neben mir habe ich die letzte Nacht nicht mehr ganz so gut geschlafen, bin aber fit. Die Jungs haben endlich ihr Heu angerührt, denn viel Gras steht nun nicht mehr auf der Wiese. ;-) Gerret macht sich einen schönen Tag in der nahegelegenen Therme in Bad Bergzabern, während wir uns in unseren bisherigen Gruppierungen wieder zum Trail-Gelände aufmachen. 

 

Zunächst steht eine eigenständige Wiederholung der Hindernisse von gestern auf dem Programm, anschließend gehts ans Eingemachte: den großen, flutbaren Wassergraben auf Julias Hof. 

 

Ich wiederhole mit Willi alle Hindernisse nochmals in Ruhe an der Hand, lasse ihm vor allem am großen Podest viel Zeit, auf das er heute auch schon im zweiten Versuch gleich ganz hochklettert! Prima! 

Im großen Wassergraben
Im großen Wassergraben

Am kleinen Wassergraben übe ich nochmals das Schicken und Longieren von Willi durch den Bach auf Abstand, denn ich habe keine Gummistiefel dabei und will später keine nassen Füße bekommen. 

 

Dann sind wir dran. Birgit und ich wandern über einen Trailweg am Waldrand entlang und über Baumstämme hinweg in den Hof der Heldenmühle. Dort befindet sich der flutbare Wassergraben, gespeist durch den Otterbach. 

 

Zunächst führe ich Willi zweimal bei ganz niedrigem Wasserstand hindurch. Dann läßt Julia den Wassergraben langsam fluten. Auch hierbei führe ich Willi noch ein paarmal hindurch, allerdings jetzt schon von der oberen Kante aus. Der Schwarze ist zufrieden und plantscht. ;-) Eigentlich findet er das zwischenzeitlich sogar schon etwas langweilig. Also führe ich ihn noch ein letztes Mal hinein, lasse ihn anhalten und steige auf. Ohne Sattel, nur mit Stallhalfter und Führstrick in der Hand. ;-) Artig läßt sich Willi durch den Wassergraben dirigieren und steigt nach kurzer Zeit am anderen Ende wieder aus. Soooo ein Toller! 

 

Das war genug für den Vormittag, zumal am Nachmittag noch ein dreistündiger Ausritt durch den Pfälzerwald ansteht. Also kommen Artali und Willi wieder auf ihren Paddock und Birgit und ich vespern. 

Unterwegs im Pfälzerwald
Unterwegs im Pfälzerwald

Um 14.30 Uhr sind wir dann abrittbereit. Willi trägt seine neuen Hufschuhe. Ich hoffe, daß diese halten. Wir sind zu sechst unterwegs, Julia übernimmt die Rittführung. 

 

Wir führen zunächst ein Stück, steigen erst später auf. Dann gehts an den ersten Aufstieg. Die Wege sind gut und nicht allzu schottrig. Notfalls sucht sich der Schwarze am Rand seinen Weg. 

 

Die Gruppe groovt sich schnell ein und überraschenderweise kann ich Willi sogar eher vorne mitlaufen lassen. Er ist wirklich fit und hält gut mit Artali und dem Vollblüter vor uns mit, wenngleich er wie üblich recht schnell ins Schwitzen kommt. Es geht einen netten Trampelpfad entlang, den wir abwärts führen und aus der Senke wieder einen noch schöneren wieder hoch. Den wäre ich zu Hause sogar geritten, obwohl er teilweise ziemlich schmal ist. Allerdings wußten wir vorher ja nicht, was uns erwartet, vor allem hinsichtlich Willis Brustbreite. ;-) Zweimal traben wir und galöppeln auch etwas. Da kann sogar mein Schwarztier mal ein wenig Gas geben. :-))) 

 

Nach gut 3/4 der Strecke lassen wir die Pferde an einer Wiese 15 Minuten grasen, bevor wir an einem schönen Rastplatz mit vielen geschnitzten Figuren selbst etwas pausieren. Es sind auch keine Osterhasen dabei, so daß weder Willi noch Artali ängstlich, sondern vielmehr neugierig sind. ;-) Dann gehts wieder zurück zur Heldenmühle. Die letzten 500 m führen wir und lockern sachte die Sattelgurte. 

 

Insgesamt waren wir 3,5 Stunden auf 12,6 km unterwegs, davon eine reine Reitzeit von knapp 2,5 Stunden. Das ist ein Schnitt von 5,4 km/h in Bewegung, was prima ist. Unsere Hufschuhe haben auch gehalten. 

 

Als alles geputzt und aufgeräumt ist und wir etwas verschnauft haben, machen wir uns auf den Heimweg. Wieder zu Hause darf Willi mit dem Mörchen auf die Weide und sich noch ein wenig die Füße vertreten. 

 

Fazit: Toller, toller Kurs mit super-netter Anleitung. Julia war jederzeit bei uns, gab Tipps, legte Wert auf kleine Schritte, viel Lob und Ruhe und lenkte unsere Aufmerksamkeit auch immer wieder darauf, wenn etwas besonders gut gelungen war. Das werden wir gerne einmal wiederholen. 

09.05.2022

 

Ein richtiger Sommertag: Sonne satt, hin und wieder ein wenig Wind. Amor und Willi dürfen ab sofort den ganzen Vormittag auf Weide Nr. 4 verbringen. Die weist leider noch immer einen deutlichen Bestand an Berufkraut aus. Somit muß die Weide nochmals vor der Blüte gemäht werden, um ein weiteres Aussamen zu vermeiden. Damit wir den Ertrag dieses Weidestücks nicht ganz verlieren, dürfen die Jungs also jetzt schon länger aufs Grün. 

 

Am frühen Nachmittag kommt nochmals die Hufpfleger-Vertretung und schneidet beiden Buben die Hufe aus. Willis Hornspalt ist weiter herunter gewachsen. Auch ansonsten sehen die Hufe gut aus. 

 

Was sich schon unterschwellig angekündigt hat, ist nun eingetroffen: der Tinker wird uns kurzfristig wieder verlassen. Leider hat er sich als nicht sonderlich herdenverträglich erwiesen. Vermutlich hat er in den letzten zwei Jahren schon zu oft den Stall gewechselt, als daß eine normale Integration möglich wäre. Nachdem von der Besitzerin auch vorab konkret besprochene Absprachen nun doch nicht eingehalten werden können, macht es keinen großen Sinn, die Integration weiter zu versuchen. Da wir die Möglichkeit haben, eine externe Stallhilfe zur Kompensierung der Stallarbeit heranzuziehen, ist das aber auch nicht tragisch und insoweit auch wesentlich entspannter. Sollten wir also jemanden finden, der zu uns paßt, ist es ok - wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. ;-) Mir tut es nur für Amor und Willi leid, daß ich ihnen mit der mißglückten Integration soviel Streß zugemutet habe. 

Hufschuhe umnähen
Hufschuhe umnähen

10.05.2022

 

Am Nachmittag kommt der Pferdezahnarzt zum jährlichen Termin. Ich nutze die Wartezeit bis zum Eintreffen und verlängere die Fesselriemen von Willis neuen Hufschuhen. Das ist wie immer mangels richtigem Werkzeug etwas mühselig, aber es funzt. 

 

Mit nur einer halben Stunde Verspätung kommt der Zahndoc. Ich hole zunächst den Senior von der Weide, damit dieser als erster wieder nach der Sedierung wach ist. Der Tierarzt lobt ausdrücklich Amors guten Futter- und Trainingszustand, und ich bekomme einmal mehr bescheinigt, daß der Senior nicht wie 28 aussieht. Er bekommt heute nur eine niedrige Sedierung. Der Backenzahn oben vorne rechts, der im letzten Jahr schon locker war, hat sich zwar nicht weiter gelockert, sollte aber doch entfernt werden. Das ist auch schnell erledigt - das Mörchen ist absolut artig. 

Das Mörchen beim Zahnarzt
Das Mörchen beim Zahnarzt

Während der dann seinen kleinen Rausch ausschläft, hole ich den Schwarzen von der Weide. Auch hier gibts Lob für die schneidige Figur. Da bei Willi nur äußerst wenig gemacht werden muß, möchte der Tierarzt gerne auf eine Sedierung verzichten. Sobald die Feile an ist, hält der Schwarze artig still und läßt sich die Kanten der Backenzähne raspeln. Auch die Schneidezähne sollten begradigt werden - so ohne Sedierung sei das nach der Pflicht nun die Kür, meint der Tierarzt. Aber auch hier: mein braves Schwarztier hält artig den Kopf still. Toll! :-) 

 

Nach einer halben Stunde ist schon alles erledigt. Sollte Amor wider Erwarten wegen des gezogenen Zahnes Probleme beim Fressen zeigen, soll ich mich nochmals melden. Ansonsten ist unser Folgetermin in einem Jahr ausreichend. 

11.05.2022

 

Das Mörchen ist munter und frißt zumindest die Heucobs, seinen pelletierten Leinsamentrester, Gras und Heu (letztere natürlich mit Wickeln) normal, nur Möhren mag er derzeit keine ganzen fressen. Wenn ich sie ihm in kleinere Stücke schneide, vertilgt er aber auch diese. Der gezogene Zahn scheint ihn also nicht so sehr zu behindern. 

 

Als ich am Abend Willi vom Stall aus von der Weide abrufe, haben wir mal wieder unseren kleinen "Black-Beatuy-Moment": Willi reißt den Kopf hoch, wiehert und kommt angaloppiert. 😍😍😍 Nicht zu bezahlen! 

 

Dann gehen Sarah mit Amor und ich mit Willi jeweils an der Longe auf die frisch gemähte Reitwiese. Willi muß ich etwas zu einem adäquaten Schritt motivieren, dann läuft er artig vorwärts. Wir schlängeln uns mit vielen wandernden Volten ganze Bahn auf jeder Hand warm und wiederholen das dann auch im Trab. Er läßt sich leicht stellen. Dann gehts auf einen größeren Zirkel für die Trab-Galopp-Übergänge. Nach einigen Wiederholungen auf jeder Hand mache ich dann aber auch schon Schluß, weil sich das Schwarztier wirklich toll Mühe gegeben hat. 

 

Ich bin happy, daß heute einmal wieder Erfolge unserer nun schon jahrelangen Arbeiten zu sehen sind: der Schwarze fällt nicht mehr wie früher von einem Bein aufs andere, sondern schwingt, schnaubt immer wieder ab und sucht alleine die Dehnungshaltung. Diese darf ich aber nicht zu tief werden lassen, sondern achte darauf, daß sein Maul sich nicht unter Buggelenkshöhe befindet, korrigiere ansonsten mit leichten Aufwärtsarrêts. 

Ab in den Wald
Ab in den Wald

12.05.2022

 

Abends sattle ich Willi und ziehe ihm die neuen Hufschuhe an. Das innere Fesselband habe ich ausreichend verlängert und kann es sogar nochmals deutlich kürzen. Der Schwarze trägt außerdem sein neuen Fliegenmützchen mit Bändeln vor den Augen. 

 

Schon als wir losreiten, finde ich sein Tempo außerordentlich flott, zumal es heute ja mit gut 25° schon wieder recht warm ist. Das setzt sich im Wald fort. Auch der Trab ist zügig und kraftvoll. Wow! Ich glaube, so langsam haben wir wirklich einen guten Trainingszustand. *freu* Sogar den Galopp hält Willi auf 300 m mit 17,3 km/h locker durch. Dann bummeln wir gemütlich durch den Wald und freuen uns über die Stille, die nur durch Vogelgezwitscher unterbrochen wird. Herrlich! :-)

 

Nach einer starken Stunde und 6,6 km sind wir wieder am Stall. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,1 km/h. Krass! Wie toll! Und Willi ist noch immer fit und munter. 

 

Mit der anschließenden Auswertung von Equilab ist ersichtlich, daß wir heute erstmals immer und ausschließlich mit einem Schritttempo von mindestens 5 km/h unterwegs waren, in Spitze sogar mit 5,7 km/h! Das ist eine deutliche Verbesserung zu noch vor einem halben Jahr. 

Fahrstunde mit Brigitte
Fahrstunde mit Brigitte

13.05.2022

 

Am Abend geht Gerret mit Willi mal wieder auf Kutschfahrt unter Anleitung von Fahrtrainerin Brigitte. 

 

Ich gehe derweil mit Sarah und dem Mörchen auf die Reitwiese und gebe ihnen eine Reitstunde. Amor ist heute nicht ganz so schön locker wie sonst. Die letzte Reiteinheit ist auch schon wieder eine Weile her. Wir schauen uns zum Lösen das Schenkelweichen, für eine engagiertere Hinterhand und Nachgiebigkeit im Genick Schritt-Trab-Übergänge und hieraus erarbeitet Übergänge innerhalb des Trabes und zuletzt die Aufgabe von innerem Schenkel und äußeren Zügel über das Zirkelverkleinern und wieder -vergrößern an. 

14.05.2022

 

Über die sozialen Medien habe ich Simone kennengelernt. Wir haben uns heute für einen rund dreistündigen Ausritt in Simones normalem Ausreitgelände verabredet. Um 09.00 Uhr fahren wir mit dem Pferdetaxi am Stall los und kommen pünktlich um 09.30 Uhr außerhalb von Weingarten im Mauertal am vereinbarten Treffpunkt an. Simone kommt mit Isländer Fengur auch gerade den Weg entlang. Der Schwarze wird gesattelt und behufschuht, dann geht es los. 

 

Die beiden Jungs grooven sich relativ schnell ein. Anfangs muß ich Willi etwas motivieren, mit dem zügigen Isländer Schritt zu halten. Nach dem ersten Trab ist das aber kein Problem mehr. 

 

Es geht eine wunderbare Tour zwischen Weingarten, Werrabronn, Grötzingen und Berghausen entlang, die immer wieder weite Ausblicke in die tolle Landschaft in Richtung Pfälzerwald bietet. Insgesamt erklimmen wir dabei rund 210 Höhenmeter (wobei ich aufgrund der vielen Steigungen eigentlich deutlich mehr erwartet hätte). Insgesamt sind wir 3 Stunden und 20 Minuten unterwegs und nehmen in einer reinen Reitzeit von 2 Stunden und 40 Minuten 14,7 km unter die Hufe. 

Im Tal zwischen Berghausen und Jöhlingen
Im Tal zwischen Berghausen und Jöhlingen

Zwischendurch gibts immer mal kurze oder längere Strecken, die wir aufgrund des Geläufs (Schotter, betoniert, bergab) führen und die Pferde auch einmal etwas grasen lassen. Fengur und Willi können auch ohne Probleme sofort dicht nebeneinander grasen. :-) 

 

Das Wetter ist herrlich, sommerlich warm mit einem knallblauen Himmel, im Wald aber noch angenehm. Hin und wieder kommen wir schöne Trampelpfade entlang, wo auch einmal auf den Weg geachtet werden muß. Und wenn das Schwarztier hier einmal nicht aufpaßt und lieber nach dem in Maulhöhe wachsenden Gras hapst, stolpert es eben auch einmal. *augenroll* ;-) 

 

Wir kommen u. a. auch am Berghausener Fraunhofer Institut und dem dortigen Windrad vorbei. Zum Abschluß werden wir mit einem wunderherrlichen Ausblick über die Rheinebene vom Pfälzerwald bis zum Weingartener Sallenbusch und Jöhlingen belohnt. Phantastisch! 

Wir kommen schließlich an Fengurs Stall vorbei, wo sich unsere Wege trennen und ich mit Willi zurück zum Hängerparkplatz laufe, wo uns Gerret, der derweil eine Radtour unternommen hat, empfängt. Willi darf noch etwas zum Herunterkommen grasen und steigt dann wieder artig in den Hänger. Seine Fitness ist inzwischen so gut, daß er auch nach längeren Trabphasen oder Höhenmetern innerhalb von nicht einmal 10 Minuten wieder eine normale Atemfrequenz hat. Zu Hause gibts noch eine erfrischende Dusche, um den Schweiß aus dem Fell zu waschen. Denn gehts husch-husch auf die Weide zum Mörchen, der dort schon den Vormittag verbracht hat. 

 

Schön wars! Simone ist eine sehr nette Ausreitpartnerin, die Pferde haben vom Tempo her gut harmoniert. Das werden wir sicherlich einmal wiederholen. 

Ein neues Schwalbennest
Ein neues Schwalbennest

15.05.2022

 

Die Pferde haben mal wieder einige überstehende Zweige vom Mirabellengebüsch im Viereck angeboten bekommen und das gleich freudig zerpflückt. ;-) Ansonsten freuen sie sich über das Gras auf der Weide und verschmähen gleichzeitig das über Nacht angebotene Heu. 

 

Ansonsten ist heute bei knapp 30° nicht wirklich was zu tun. 

 

Unsere Schwalben haben sich daran gemacht, im Stall gegenüber dem bereits vorhandenen ein neues Nest zu bauen! Vielleicht ist das ja der Nachwuchs der letzten Jahre, der wieder zu uns zurück gekehrt ist. 

16.05.2022

 

In meiner Mittagspause enthaare ich den Senior und gehe mit ihm am Kappzaum auf die Reitwiese zum Longieren. Amor ist hypermotiviert und sofort bei der Sache. Wir laufen uns wie gewohnt mit den vielen wandernden Volten auf jeder Hand warm und sind, nachdem der Hafi endlich schön losgelassen läuft, gerade dabei, das im Trab zu wiederholen, als unser Verpächter vorbei schaut, um mit mir kurz die demnächst anstehende Weidepflege zu besprechen. Das ist wichtig, weil wir ja noch immer dieses elendige Berufkraut auf einem Stück haben. 

 

Danach ist aber von der Losgelassenheit wieder nix mehr übrig, und wir fangen nochmals an. Da sich Amor aber nicht mehr so recht auf mich konzentrieren mag (wer kann es ihm verdenken, ich habe das Training ja auch einfach unterbrochen), gehe ich auf den kleinen Zirkel und frage Übergänge ab. Linke Hand geht er gleich schön in Stellung, gibt nach und ist locker in der Longenhand. Rechts hält er allerdings ziemlich dagegen. Ich löse das durch einige schnelle Handwechsel durch den Zirkel mit max. einer Zirkelrunde am Stück. Das lockert den Hafi, so daß er dann auch rechts schön in Stellung gehen kann. Damit bin ich dann heute auch schon zufrieden. 

 

Insgesamt macht mir Amor einen deutlich unterforderten Eindruck. Ich muß mir da selbst die Ohren langziehen. Durch das ganze Wanderritt-Training mit Willi ist der Senior in letzter Zeit leider etwas ins Hintertreffen geraten.