Aprilwetter: trüb und trist
Aprilwetter: trüb und trist

01.04.2022

 

Heute regnet es fast den ganzen Tag. Es ist trüb und trist. Willi hat zwei Bißwunden von Avalon; eine am Hals und eine im Schulterbereich. Nichts Dramatisches, es ist nur leicht geschwollen. Der stolze Ire möchte immer noch nicht so weichen, wie der Schwarze das von ihm erwartet. Selbst, wenn Willi mit deutlich angelegten Ohren und tief getragenem Kopf auf ihn zugeht, opportuniert er zunächst ein wenig, wenngleich er dann doch weicht. Gleichzeitig geht Willi aber auch sofort dazwischen, wenn Amor zu sehr herumstänkert - etwas, was mich wirklich überrascht, was ich so nicht erwartet hätte und ich gar nicht vom Senior kenne. Aber gut: nachdem wir vier Jahre lang eine absolut beständige Herde hatten, kann ein Neuzugang nicht gleich darauf hoffen, daß alle begeistert sind. 

 

Meine einzige Tätigkeit neben der Stallarbeit liegt heute im Einkürzen und Beschneiden meiner Heckensträucher direkt neben der Benjeshecke. Sie haben die Anpflanzung im letzten Herbst und den Winter gut überstanden, treiben zwischenzeitlich deutlich aus und zeigen das erste Grün bzw. Weiß. Wenn man im Freundeskreis schon eine professionelle Landschaftsgärtnerin hat, ist das ganz praktisch: Birgit gibt mir Tipps fürs Beschneiden, und so schneide ich alle fünf Sträucher um gut 2/3 zurück. Die besonders dicken und schon angeblühten Ruten stecke ich rund um die Benjeshecke tief in den Boden. Vielleicht überlebt ja der ein oder andere Trieb und begrünt die Hecke auch dort. 

Unterwegs im Winterwald
Unterwegs im Winterwald

02.04.2022

 

Da lief ich Anfang der Woche noch im T-Shirt bei knapp unter 20° am Stall herum - und heute bin ich froh, daß ich weder meine Winterjacke, noch meine Winterreitstiefel oder die ganzen Mützen bereits weggeräumt habe: es schneit! Man sollte sich wie bei den Winterreiten an die "O bis O"-Regel halten: von Oktober bis Ostern. 

 

Am Nachmittag unternehme ich daher mit dem Mörchen als Handpferd einen wunderschönen 1,5-stündigen Ritt auf dem Schwarztier durch den Winterwald. Die Jungs sind mega-artig; ich war wegen der nur eingeschränkten Bespaßung während dieser Woche und den heutigen Temperaturen um nur noch 0° eigentlich auf etwas gefaßt. Aber weit gefehlt: die beiden laufen zwar sehr zügig, aber völlig relaxed daher. So sind wir 1,5 Stunden und 8,1 km in 5,4 km/h unterwegs - richtig flott! :-) 

 

Lediglich auf dem Heimweg wird es dann mal kurz eklig, als uns ein heftiger Schneegraupel-Schauer direkt von vorne trifft. Wieder am Stall bin ich froh über die Bewegung bei der Stallarbeit und freue mich letzten Endes auf eine warme Wanne zu Hause. 

 

Interessant war heute an der Auswertung unserer über Equilab getrackten Strecke, Dauer und Geschwindigkeit, daß Willi nunmehr schon von Anfang an ein absolut zügiges Tempo im Schritt von 5 km/h zeigte - ohne, daß ich ihn dazu angehalten hätte! - und daß sich das aber für mich während des Ausritts wesentlich langsamer anfühlte. Das zeigt, daß er nunmehr schon kontinuierlich besser und von alleine losgelassen durch den gesamten Körper schwingen kann und nicht erst zu Anfang einer Einheit kurz tritt. Ich habe während des heutigen Ausritts einfach mal nur den schönen Schnee und das Zusammensein mit den Jungs genossen und wenn, dann nur über meinen Sitz das Durchschwingen der Hinterhand gefördert. Das Ergebnis zeigt mir wieder einmal: weniger ist einfach immer mehr! Mir fällt bei solchen Erkenntnissen gerne ein, wie sehr ich ganz, ganz, ganz früher in jungen Reiterjahren z. B. mit dem Schenkelweichen richtiggehend "gekämpft", mich wie ein Schraubstock auf dem Pferd verdreht habe, damit es irgendwie seitwärts ging. Wie soll ein Pferd eine Lektion dann aber zeigen können? Vor allem freudig und losgelassen? Ich musste erst lernen, so einem riesigen und schweren Pferdekörper zu vertrauen und zuzugestehen, daß er auch auf feine, leichte Hilfen meine Bitte umsetzen kann. Das war für mich der schwerste Knackpunkt, an dem ich aber auch heute noch oft genug feilen muß. 

Webinar zum Wanderreiten
Webinar zum Wanderreiten

04.04.2022

 

Die letzte Nacht war mit einigen Grad unter Null recht frisch. Tagsüber bleibt es ausnahmsweise einmal trocken, aber sehr windig. 

 

Als ich am späten Nachmittag zum Stall komme, hat sich der Schwarze eine außergewöhnliche Stelle ausgesucht, um sich zwischen Avalon, der an der Heukiste frißt, und Amor, der sich im Paddock beim Weidezelt herumtreibt, zu positionieren: er steht mit den Vorderbeinen völlig gechillt auf dem Podest. ;-) 

 

Mein sonst so zurückhaltender Senior hat sich in letzter Zeit zu einem kleinen Stinkstiefel entwickelt, der immer deutlich in Richtung Tinker giftet, ihn notfalls auch einmal wegschickt. Willi geht da gerne dazwischen und sorgt für Ruhe. 

 

Am Abend nehme ich an einem Webinar von Barbara Welter-Böller zum Thema Wanderreiten aus osteopathischer Sicht teil. 

Gemeinsames Fressen verbindet
Gemeinsames Fressen verbindet

05.04.2022

 

Am späten Nachmittag gehts in Begleitung von Sarah auf Amor 1,5 Stunden ins Gelände. Wir traben zwei längere Strecken und galoppieren auch mal kurz. Trotz des vielen Regens und dem Schnee am Wochenende sind die Wege nicht sonderlich matschig. Da sieht man einmal mehr, wie sehr die Natur das Wasser braucht. 

Heute: etwas mehr Ruhe.
Heute: etwas mehr Ruhe.

06.04.2022

 

Schon gestern habe ich bemerkt, daß sich bei den Jungs nun ganz sachte etwas tut: es fühlt sich alles etwas ruhiger an. Sie stehen zwar noch lange nicht gechillt beieinander, aber doch etwas näher als die letzten Tage, und es gibt kein Herumscheuchen. Avalon darf an die Heukiste oder in den Stall, obwohl Amor und Willi direkt daneben stehen. 

 

Am Nachmittag kommt die Sonne heraus. Das muß man ausnutzen! Ich gehe am Spätnachmittag mit Willi auf die Reitwiese. Nach dem Aufwärmen an der Hand mittels Übertreten gehen wir unsere großen gebogenen Linien am hingegebenen Zügel. Ich reite ausschließlich auf dem zweiten Hufschlag, weil der erste schon die ausgetreten ist und sich dadurch ein kleiner Höhenunterschied zwischen Grasnarbe und Hufschlag gebildet hat - doof, wenn ein Pferd da schräg auftritt. Aber das gibt mir gleich die Möglichkeit, mich auf ,meinen Sitz und meine Hilfen zu konzentrieren.

 

Die erste Trabphase nutze ich ebenso, um meine Beine schön lang fallen zu lassen, die Oberschenkel zu lösen und nur mit den Waden zu treiben. Außerdem: den Oberkörper schön nach vorne mit in die Bewegung nehmen! Willi stellt sich hierbei schon schön, biegt sich sachte und gibt gleich im Genick nach. Da haben wir wirklich schon ziemliche Fortschritte gemacht. :-) Nach ein wenig Schenkelweichen auf beiden Händen teste ich den Galopp an: ich kann die Galopphilfe nun schon fast aus dem Sitz heraus geben; zumindest weiß der Schwarze schon beim ersten Umsitzen, was kommt, braucht aber noch die Zündung am Schenkel. Heutige Premiere: wir galoppieren drei Mittelzirkel am Stück! 

 

So gelockert gehts an die Seitengänge, die ich aus einer großen Volte bei A bzw. C auf der Mittellinie entwickle und dann jeweils bei X ins Travers umstelle. Rechte Hand ist das Schulterherein easy, links hakt es ein wenig. Insgesamt bin ich mit der Einheit aber mehr als zufrieden. 

Sarah und Amor
Sarah und Amor

Anschließend gebe ich Sarah auf Amor noch eine kurze Reitstunde. Willi darf derweil zur Belohnung grasen. Wir schauen uns Sarahs Sitz an, lockern Amor mit Schenkelweichen. Im Trab gibt er gleich schön nach und kaut viel. Prima! Insgesamt gefällt mir das total gut. Auf jeder Hand bauen wir auch einige kurze Trab-Galopp-Übergänge ein und lassen es dann gut sein. 

 

Zum Abschluß darf auch Amor endlich, endlich noch 15 Minuten Gras futtern. 

07.04.2022

 

Sturmtief Nassim ist im Anmarsch: mit Dauerregen und Sturmböen von bis zu 90 km/h in unserer Region. Bis in die Nacht kommen 12 l/qm herunter. Der Paddock ist zwar kurz pfützig, aber das Wasser versickert ziemlich schnell. Das meiste Nass soll ohnehin erst morgen kommen. 

Amor: 28 Jahre alt!
Amor: 28 Jahre alt!

08.04.2022

 

HAPPY BIRTHDAY, MÖRCHEN!!!

 

Heute wird mein Herzenspferd 28 Jahre alt! Und er ist so fit wie eh und je. Ich bin über die bisherigen gemeinsamen 22 Jahre immens froh. 

 

Wenn ich so an unsere Anfänge zurückdenke, wo er mich oft genug herunter gebuckelt, auf den Hosenboden gesetzt und dadurch letzten Endes wirklich zum Überdenken meines Verhältnisses zum Pferd gebracht hat, wird mir bewußt, was wir schon alles zusammen erlebt und erarbeitet haben. Erst, als ich wirklich bereit war, ihn so anzunehmen wie er ist, auf ihn Rücksicht und seine Bedürfnisse ernst genommen und versucht habe, mehr auf ihn einzugehen, löste das eine böse Abwärtsspirale in Luft auf. Plötzlich hatte ich ein immens motiviertes Pony und keinen ungezogenen Zornigel mehr. 

 

Amor hat mir gezeigt, was es bedeutet und heißen kann, wenn Pferd und Mensch sich tatsächlich verstehen. Davon profitiert zwischenzeitlich natürlich sein großer Bruder Willi. 

 

Ich wünsche mir, daß wir noch viele gemeinsame Jahre zusammen haben. 

 

Abends gibts als Geburtstagsmenü zu den Heucobs Äpfel, Birnen und eine Banane. ;-) 

 

Heute regnet es nur einmal: ständig, dauernd, anhaltend. Bis zum Abend kommen schon 25 l/qm herunter, und es regnet weiter. Zum Glück ist zumindest der nochmals für den Spätnachmittag angesagte Sturm ausgeblieben. 

Sonnenschein!
Sonnenschein!

09.04.2022

 

In der letzten Nacht hat es nochmals heftig geregnet. Irgendwann ist der Regen dann auch noch in Schnee übergegangen, so daß am Morgen wieder alles weiß ist. Nachdem heute aber strahlender Sonnenschein mit bis zu 10° angesagt ist, hält sich der Schnee nicht allzu lange. Trotzdem: es kamen nochmals 28 l/qm herunter!

 

Ich bin mal wieder überrascht und total glücklich, wie gut unser Paddock die Regenfälle der letzten beiden Tage weggesteckt hat. Insgesamt waren es ja nun gut 65 l/qm - und der Paddock ist heute Nachmittag schon wieder trocken! Dafür fließt über unsere Weiden das ganze Hangwasser in einem recht breiten Bächlein in Richtung Kanalisation. 

Ebenso trocken sind auch schon wieder die Waldwege. Zwar fließt der Hirschbach, ein eigentlich seit Jahren kaum einmal wasserführendes Bachbett, am heutigen Nachmittag munter durch den Wald und überall sind teilweise große Pfützen zwischen den Bäumen zu sehen. Aber insgesamt hätte ich da wesentlich mehr Matsch erwartet. 

 

Wir sind jedenfalls mit den Jungs über eine Stunde unterwegs: ich im Filzsattel auf Willi, Gerret mit Amor an der Hand. Die Sonne ist herrlich, wenngleich es heute noch ziemlich frisch ist. Willi läuft munter vorwärts. Ich frage hin und wieder einmal ein wenig Schenkelweichen ab. Auch Wendungen aus dem Sitz heraus sind prima. Nach 30 Minuten steige ich wieder ab und führe den Schwarzen die restliche Strecke bis zum Stall. 

Unsere heutige Runde
Unsere heutige Runde

10.04.2022

 

Vanessa geht am Vormittag mit Willi eine 3/4-Stunde spazieren. 

 

Am späten Nachmittag schwinge ich mich dann nochmal aufs gleiche Pferd. Wir chillen uns heute sehr gemütlich durch den Wald, genießen einfach die schöne Sonne, das Vogelgezwitscher und das viele Hellgrün, das nun überall anzutreffen ist. Die größten Pfützen sind schon wieder versiegt, wenngleich der Hirschbach noch fließt. Unser Hangwasser-Bach auf der Weide ist ausgetrocknet. 

 

Im Trab ist Willi heute fleißig, was mir die Gelegenheit gibt, weiter an den Hausaufgaben vom Stückelberger-Kurs zu feilen: Oberkörper mehr nach vorne, Oberschenkel losgelassen, wenn dann nur mit den Unterschenkeln treiben. Das klappt schon ganz gut, ich bin zufrieden. 

 

Bei den Hufschuhen in Gr. 6 habe ich heute eine Verschnallung gewählt, die die Schuhe endlich ohne zu drehen am Huf hält. Schritt, Trab, Galopp sind kein Problem. Das ist wichtig für das am nächsten Wochenende in der Pfalz stattfindende Wanderritt-Training. 

 

Die Herdenzusammenführung verläuft weitgehend in ruhigeren Bahnen. Es kommt nur noch zu leichtem Gerangel, wenn Avalon zwar weicht, sich aber dann schlauerweise hinter der Rundraufe als Hindernis versteckt und von dort aus die Ohren anlegt. Da muß Willi, der leider auch wieder zwei neue Bißwunden am Hals mit fehlendem Fell hat, schon recht deutlich werden. Dafür ist es heute Abend auch möglich, ganz ruhig zu dritt im Viereck aus den Bigboxen zu fressen - jeder an einer. :-) 

Weitblick
Weitblick
Beine shampoonieren
Beine shampoonieren

12.04.2022

 

Vanessa macht mit dem Schwarzen am Vormittag etwas Freiarbeit. 

 

Am Nachmittag bekommen Willis zarte Füßchen dann das volle Wellness-Programm: zuerst schere ich seine Fesseln und Röhrbeine frei. Die Haut sieht gut aus, es gibt keine offenen Stellen, sie schuppe sich nur ein wenig. Dann wird alles schön mit dem Ekzemer-Shampoo eingeschäumt, durchgeknubbelt und wieder klargespült. Da die Hufe ohnehin schon schön naß sind, rasple ich die Vorderhufe und inspiziere auch gleich den noch immer vorhandenen Hornspalt im rechten Vorderhuf. Dieser ist und bleibt nach wie vor stabil, verlängert oder vertieft sich nicht. Ich pule wieder vorsichtig kleine Sandkörnchen heraus und spüle das Loch mit Desinfektionslösung aus. Und zum Schluß kämme ich mit dem Furminator alle noch restlich im Fell hängenden Hautschuppen heraus. Weil das Schwarztier so artig hingehalten hat, gibts dafür auch viel Lob und eine Möhre. ;-) 

Gechillt in der Box
Gechillt in der Box
Kleine Abendrunde
Kleine Abendrunde

13.04.2022

 

Ich läute meine anstehenden Urlaubstage mit einem netten Abendausritt in Begleitung von Sarah auf dem Mörchen ein. Wir sind knappe 1,5 Stunden unterwegs und gehen heute endlich mal wieder einen unserer besten Trampelpfade - es ist schon wieder alles trocken, so daß das kein Problem mehr ist. Dort träbeln wir auch eine längere Strecke. Leider dreht sich beim anschließenden Galopp mal wieder Willis eines Hufschuh und reißt sogar an der Naht zwischen Gummi und Neopren ein. *grml* Ausgerechnet jetzt vor dem Trainingswochenende. Ich bin mega-genervt, daß das mit den Hufschuhen einfach nicht mehr funktionieren will. 

 

Wir reiten noch bis zur nächsten Wiese, wo wir die Jungs 10 Minuten grasen lassen und führen sie dann erst einmal weiter Richtung Heimat, weil sie mit ihrem Winterfell und den heutigen Temperaturen von 20° schon fast schäumend schwitzen. Bis wir wieder am Stall sind ist das Fell aber schon wieder einigermaßen trocken. 

 

Ab heute bekommt der Schwarze erstmals eine halbe Schippe Hafer zur 2x täglichen Ration aus Leinsamentrester und Mineralfutter. Gerade im Hinblick auf das anstehende Wochenende mit zwei Tagesritten ist das ohnehin angebracht. Ich bin gespannt, wie das bei ihm energiemäßig ankommt. 

Das Mörchen
Das Mörchen

14.04.2022

 

Am Nachmittag erhalte ich einen Anruf von Birgit: unser Quartier fürs Wochenende in der Pfalz muß von dort aus krankheitsbedingt gecancelt werden. :-((( Ich lasse das beim Mittagessen erst einmal sacken und überlege, wohin wir so kurzfristig ausweichen können. Da fällt mir ein, daß ich ja schon immer mal zu Gaby nach Schleithal ins Elsaß wollte. Also rufe ich kurzerhand dort an, und ja: wir können kommen! :-) Allerdings nur bis Sonntagabend, aber das macht ja nichts. 

Happy Birthday, Schwarzer!!!
Happy Birthday, Schwarzer!!!

15.04.2022

 

HAPPY BIRTHDAY, WILLI!!!

 

Heute wird mein Schwarzer 10 Jahre alt - das beste Pferdealter! Ein Hoch auf so ein tolles, verlässliches, immer zuversichtliches Pferdchen! 

 

Zum Feiern bleibt heute allerdings nicht viel Zeit: nach der Stallarbeit am Vormittag mache ich mich zu Hause nochmals frisch, dann gehts wieder zum Stall. Gerret und ich hängen den Pferdeanhänger ans neue, wirklich zugkräftige Auto, laden alles inkl. Pony ein, und dann gehts los: ich fahre das zweite Mal alleine mit Willi durch die Lande, und dazu auch noch ins Ausland. *schluck* Ich bin unheimlich aufgeregt und froh, daß mir das Navi mit freundlicher Stimme immer wieder gut zuredet, wo ich langzufahren habe. Den ersten Kreisverkehr nehme ich wohl noch etwas zu schnell, dann groove ich mich langsam ein und Willi ist ohnehin ja immer sehr artig im Hänger. Irgendwann unterwegs fällt mir ein, daß ich Willis Futter im Stall habe stehen lassen und auch meine Weste zu Hause vergessen habe. Naja, nichts, was nicht zu beheben wäre. Wir schlängeln uns über die Karlsruher Südtangente in Richtung Autobahn und schließlich über den nicht mehr besetzten Grenzübergang ins Elsaß. Nach nur einer gut starken Stunde kommen wir in Schleithal bei Gabys Ferme Bleu, einem kleinen Gehöft, an. Willi bezieht gleich seinen Paddock und futtert Heu, ich bekomme erst mal einen Schnaps. ;-) 

 

Nachdem Birgit und Artali auch kurz nach uns angekommen sind, parken wir die Pferdeanhänger auf dem großen Parkplatz eines Sportplatzes und beziehen anschließend unser gemeinsames Zimmer. Am Abend gehen wir in einer netten Brasserie im Ort mega-lecker Essen und sitzen anschließend noch mit anderen Gästen der Ferme Bleu im Reiterstübchen zusammen, um die morgige Tour auszutüfteln, die wir uns von Gaby aufs Handy überspielt haben. 

 

Willi und Artali dürfen derweil noch auf die direkt am Paddock angrenzende kleine Weide. Sie vertragen sich gut, wenngleich sie sich ja nun auch schon einige Zeit nicht mehr gesehen haben. Über Nacht bleiben sie auf dem Paddock. Willi bekommt eine Müsli-Hafer-Mischung. 

Gleich gehts los!
Gleich gehts los!

16.04.2022

 

Wir haben gut geschlafen. Die Jungs lassen wir am Morgen nach ihrem Frühstück auf die kleine Weide, säubern den Paddock und gehen dann selbst frühstücken. 

 

Das Wetter ist am Vormittag noch sehr wolkig, soll aber tagsüber aufklaren. Hauptsache: es bleibt trocken, und es wird auch nicht allzu warm. Bestes Reiterwetter also. :-) 

 

Um 10.00 Uhr sind wir abrittfertig. Da wir heute sehr viel auf weichen Waldwegen unterwegs sein werden, bekommt Willi nur vorne Hufschuhe an. Eigentlich wollten wir direkt im Hof aufsteigen, aber beide Jungs sind etwas zapplig, so daß wir den 1. km bis zu einem Mäuerchen führen und erst dort aufsteigen. Dann beruhigen sie sich schnell und stiefeln zügig vorwärts. Wir überqueren die Lauter, den direkten Grenzfluß zwischen Frankreich und Deutschland, und eine Bundesstraße, dann sind wir schon im heutigen eigentlichen Reitgebiet, dem Bienwald, angekommen. 

Durch den Bienwald
Durch den Bienwald

Im Bienwald müssen wir heute immer wieder Furten durchqueren, die teilweise auch mal etwas mehr Wasser führen. Für Willi kein Problem. Der hat erstens lange Beine und mag zweitens Wasser. Aber auch Artali hat sich in dieser Hinsicht wirklich toll entwickelt und stapft mutig hinter dem Schwarzen ins dunkle Wasser. Die Furten sind immer mit Steinen befestigt, so daß sie auch für die Förster zur Durchfahrt taugen. So müssen wir uns nicht allzu viele Gedanken machen, daß die Pferde und insbesondere ihre Hufschuhe irgendwie steckenbleiben könnten. 

 

Der Wald ist unbeschreiblich und wechselt ständig sein Aussehen. Es ist immer wieder sehr abwechslungsreich, die Vegetation ändert ständig ihr Bild: mal ist alles leuchtend grün, dann wieder vertrocknet und dunkel, manches Mal hat man den Eindruck, man reitet durch Mangroven. 

 

Gerade als ich Birgit erzählt habe, daß ich zu Hause ja sehr oft ganz still durch den Wald reite, weil ich gerne mal wieder ein Wildschwein sehen würde, blicke ich nach rechts ins Unterholz - und da: ein Wildschwein!!! Krass!!! Über eine helle Lichtung wuselt es zurück ins Unterholz. 

Am Saustegweiher
Am Saustegweiher

Am Saustegweiher angekommen steigen wir ab und führen die Jungs bis zur Mittagsrast. Es geht vorbei an einem alten verfallenen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Vor der mitten im Wald gelegenen Hütte lassen wir sie an einer schönen kleinen Lichtung 20 Minuten grasen, damit wir sie später gleich für unsere Pause anbinden können. 

 

An der Hütte angekommen ist das dann auch kein Problem. Beide Jungs parken an verschiedenen Bäumen und wir machen es uns neben ein paar Wanderern an der Sitzgelegenheit gemütlich. 

 

Nach 30 Minuten gehts weiter. Und wieder wechselt der Wald immer wieder vollständig sein Gesicht. Manchmal hat man sogar das Gefühl, man ist im Süden Frankreichs und reitet durch Kiefernwälder. Phantastisch! 

Sandige Pfade durch den Wald
Sandige Pfade durch den Wald

Den Heimweg treten wir auf ettlichen schönen Graswegen an und müssen auch hier erneut wieder durch einige Furten. Willi und Artali sind nun eingespielt und laufen zusammen am hingegebenen Zügel konstant nebeneinander her. Toll! 

 

Ein Stück reiten wir hier auch auf der sog. Lauter-Linie. Diese, auch Weißenburger Linie genannt, ist ein Relikt einer ehemaligen französisch-militärischen Verteidigungslinie aus dem zweiten Weltkrieg zwischen den Orten Wissembourg und Lauterbourg. Markante Bausteine sind die Redouten (Schanzen). Sie bilden den zentralen Bestandteil des aus Erdwällen und Gräben bestehenden Verteidigungssystems, das sich am französischen und deutschen Ufer des Flusses Lauter entlang zieht. Die Pferde müssen hier schön artig hintereinander die schmalen Pfade entlang gehen und hinauf und hinunter über Wurzeln klettern. Bei Willi muß ich auch aufpassen, daß meine Knie nicht zufällig an irgendwelchen eng am Weg stehenden Bäumen hängenbleiben. 

Blick zum Pfälzer Wald
Blick zum Pfälzer Wald

Gut 2 km vor der Ferme Bleu steigen wir ab, nehmen die Steigbügel hoch und lockern den Sattelgurt - die Pferde haben es sich verdient, den letzten Rest geführt zu werden. Auch mir tut das Zufußgehen gut. Mit Blick nach rechts auf den Pfälzer Wald und links auf den Schwarzwald zuckeln wir bei wunderherrlichem Sonnenschein zurück zum heutigen Ausgangspunkt. 

 

Fast dort angekommen schaue ich kurz zurück auf Willi und lasse einen Schrei: was ist das??? Ich habe den Sattelgurt versehentlich ein Loch zu sehr gelockert, der Sattel hängt Willi auf dem Bauch! Den scheint das allerdings gar nicht zu stören... Also wird kurz nochmals aufgesattelt. 

 

Wieder am Stall angekommen satteln wir die Pferde in Ruhe ab und entlassen sie gleich auf die Weide, wo sie sich ausgiebig wälzen. 

Nach einer Dusche machen Birgit und ich uns auf nach Schweigen zum Deutschen Weintor und füllen dort im Schweigener Hof unsere Energiespeicher wieder auf. Den Abend lassen wir anschließend noch mit Gaby und den anderen Feriengästen im Reiterstübchen bei Sekt ausklingen. 

 

Auf 23,4 km und einer reinen Reitzeit von knapp 4,5 Stunden waren wir insgesamt etwas mehr als 5,5 Stunden unterwegs. Als ich mir den Ritt am Abend in Equilab etwas genauer ansehe, bin ich überrascht: Willi ist in manchen längeren Schritt-Phasen teilweise mit bis zu 5,6 km/h unterwegs gewesen! Da hat sich das ganze Training doch wirklich gelohnt! :-) So ein tolles Pferd! 

 

Gerret geht mit Amor am Abend eine Stunde spazieren. 

Vollmond
Vollmond

17.04.2022

 

Die Jungs haben die zweite Nacht, diesmal bei Vollmond, gut im Paddock überstanden. Auch ich habe erstaunlich gut geschlafen. Am Morgen schwinge ich mich um 7 Uhr aus dem Bett. Wir versorgen die Pferde, bevor wir selbst am Frühstückstisch Platz nehmen. 

 

Noch gestern Abend haben wir beschlossen, heute zum Deutschen Weintor nach Schweigen zu reiten. Auch für diese Tour bekommen wir von Gaby wertvolle Tipps zur Streckenführung. 

 

Heute können wir gleich noch im Hof der Ferme Bleu aufsteigen. Die Jungs sind ausgeruht und chillig. Es geht zunächst ein Stück durch Schleithal und zwischen den Feldern in Richtung Bienwald. 

Über Felder in Richtung Weinberge und Pfälzer Wald
Über Felder in Richtung Weinberge und Pfälzer Wald

Auch heute kommen wir schon am Vormittag ein Stück die Lauter-Linie entlang. Nachdem wir den Wald verlassen haben, queren wir die Lauter und sind wieder in Deutschland. Hier erwartet uns ein Stück Schotterpiste, das wir jedoch entlang müssen, weil eine Bahnlinie zu queren ist. Willi trägt auch heute nur vorne Hufschuhe, kann ansonsten auch meist überall auf den Grünstreifen am Wegesrand laufen. Wir steigen trotzdem ab und führen ein Stück, bis wir die Bahnlinie überquert haben. 

 

Eigentlich hatten wir vor, uns mit den dort stehenden drei Osterhasen zu fotografieren, zumal ja gerade Ostern ist. Aber: Willi schnaubt schon von weitem, reißt die Augen auf und rammt die Vorderbeine in den Boden. Das eindeutige Signal: nein, das geht nicht! Das ganze erinnert mich an unseren Ritt im letzten Jahr vorbei an dem Straußengehege, welches auch an einer Bahnlinie lag. ;-) Ok. Ich rede dem Schwarzen gut zu und bleibe mit Sicherheitsabstand stehen. Artali wagt sich mit Birgit vor, schnuppert sogar an einem Hasen, macht dann aber doch auf dem Absatz kehrt. So große Hasen sind halt nicht jederpferds Sache. 

Am Deutschen Weintor
Am Deutschen Weintor

Bis sich die Jungs wieder einigermaßen beruhigt haben, führen wir ein längeres Stück und steigen erst kurz vor Schweighofen wieder auf. Nun geht es auf schönen Wiesenwegen in Richtung der Weinberge und dem Pfälzer Wald. 

 

Ca. 1 km vor Schweigen steigen wir wieder ab und laufen den letzten Rest. Wir sind nicht sicher, wieviel Trubel am heutigen Ostersonntag dort herrscht und wollen auch die Pferde schonen. Als wir ziemlich genau um 13 Uhr dort ankommen, ist der Parkplatz zwar voll, aber beim Weintor alles leer: alle sind beim Mittagessen. ;-) Perfektes timing! Wir lassen uns so in aller Ruhe vor dem Weintor knipsen und suchen uns dann etwas unterhalb der wunderschön blühenden Obstbäume unseren Rastplatz, eine schön im Gras stehende Obstbaumwiese. Die bietet uns zwar keine Sitzgelegenheit, aber den Pferden genügend Futter. 

 

Trotz strahlendem Sonnenschein pfeift dort oben ein wirklich grantiger Wind. Ich ziehe schließlich sogar meine winddichte Regenjacke an und die Kapuze auf, weil es allzu sehr um die Ohren zieht. 

Wieder im Bienwald
Wieder im Bienwald

Nach ca. 30 Minuten brechen wir wieder auf und suchen uns einen Graben, wo wir aufsteigen können. Ich bin ziemlich froh, als wir wieder den Bienwald erreichen, denn der Wind ist wirklich schlimm. 

 

Wieder im Wald traben wir eine lange, lange Strecke. Artali legt ein gutes Tempo vor, so daß Willi schließlich sogar einmal von selbst in einen schönen Schaukelgalopp fällt. Die Hufschuhe halten. :-) Zwischendurch steigen wir nochmals ab und führen eine längere Strecke, verpassen hierbei aber leider den Einstieg in einen schönen Trampelpfad, den Gaby uns empfohlen hat. Nach Überquerung einer Landstraße finden wir den Einstieg und bummeln dort das letzte Stück durch den Wald und nehmen auch nochmals ein Stück der Lauter-Linie unter die Hufe. 

Die Tour am Ostersonntag
Die Tour am Ostersonntag

Letzten Endes kommen wir dann wieder an derselben Straße heraus wie gestern, weshalb wir schon frühzeitig beschließen, die Steigbügel wieder hochzuschnallen und den Sattelgurt zu lockern - diesmal jedoch nicht allzu weit. ;-) Wir führen wieder gut 2 km bis zur Ferme Bleu.

 

Dort nach 30 km und einer reinen Reitzeit von knapp 5,5 Stunden nach starken 6 Stunden wieder angekommen, haben die Jungs mal so richtig Durst - heute gab es keine Furten zu durchqueren. Wir entlassen sie nochmals auf die Weide, verräumen unsere Utensilien schon einmal in die Autos und setzen uns dann erst einmal ein wenig zum Verschnaufen hin. 30 km sind kein Pappenstiel und für uns alle vier die bislang längste Tagestour. 

 

Dann holen wir die Pferdeanhänger. Ich parke gleich exakt vor dem Pferdeanhänger ein und kann ihn ohne Probleme alleine anhängen. Nur die Sicherheitsleine vergesse ich vor Aufregung, worauf Birgit mich allerdings zum Glück noch hinweist. Artali wird zuerst verladen, was der Schwarze mit kurzem Wiehern quittiert, sich dann aber wieder seinem Gras auf der Weide widmet. Dort würde er sicherlich noch gerne etwas länger bleiben, steigt aber schließlich selbst von alleine in den Pferdeanhänger. 

 

Die Heimfahrt verläuft problemlos, wir kommen wohlbehalten wieder auf der Pfinzgauranch an. Willi wird von Amor und Avalon begrüßt und entschwindet zum Heufressen. 

 

Was für ein Wochenende! :-) Willi hat beide Tagestouren bravourös gemeistert, war fit und auch nach längerer Strecke immer noch munter. Zwar ist schade, daß wir entgegen unserer Wegstrecken auf dem geplanten Wanderritt keine Höhenmeter trainieren konnten, aber zumindest die Wegstrecke stellte kein Problem dar. Willis Rücken ist unauffällig, der Sattel scheint noch gut zu passen. Dennoch wird demnächst nochmals der Sattler zur Kontrolle kommen. 

Das Team
Das Team
Das Dreigestirn am Morgen
Das Dreigestirn am Morgen

18.04.2022

 

Der Schwarze hat heute seine wohlverdiente Pause. Die nutzt er auch und legt sich immer wieder tagsüber im Viereck auf der Kuppe oder im Paddock im Sand ab. Am Vormittag liegen Willi und Amor sogar beide im Viereck auf der Kuppe, während Avalon direkt nebenan an einer Bigbox Heu knabbert. :-) 

 

Ich überlege, ob es vielleicht sogar ganz gut war, daß Amor und Avalon nochmals für zwei Tage alleine waren, um sich zu sortieren. Über die Überwachungskamera war in der Zeit zu sehen, daß Amor zwischenzeitlich nun ohne Protest vor Avalon weicht. 

 

Am Nachmittag dann allerdings der Schock: Avalon steht im Stall, Willi und Amor gechillt davor. Als Avalon die Box verläßt, lahmt er deutlich, und ich entdecke am linken Unterarm eine aufgeschürfte Trittstelle. Die ist zwar geschlossen und nur felllos und wund, aber bei dieser Art der Lahmheit ist es notwendig, daß der Tierarzt zum Röntgen kommt. Zum Glück stellt er keinen Bruch fest, und auch eine Fissur ist nicht ersichtlich. Dennoch muß der Tinker separiert bleiben, bekommt natürlich Schmerzmittel. Mist! :-( Dabei hatte es heute Morgen so gut zwischen den Dreien ausgesehen. 

19.04.2022

 

Vanessa geht am Morgen mit Willi eine halbe Stunde spazieren. 

 

Avalon bleibt die nächsten beiden Wochen bis zum Kontroll-Röntgentermin separiert. Er lahmt zum Glück nicht mehr, bekommt aber noch Schmerzmittel. Soifzt. Daß die Integration nur so langsam vorwärts geht, hätte ich nicht erwartet. Eigentlich ist die Herdenkonstellation und Rangfolge klar: Willi - Avalon - Amor. Amor nimmt sich zwischenzeitlich vollständig zurück und hat seinen Platz, wie zu den vorherigen Rahmenbedingungen, akzeptiert. In den meisten Fällen ist das auch zwischen Willi und Avalon klar. Manchmal muß der Schwarze allerdings doch noch deutlich werden, geht hierbei allerdings wirklich sehr subtil und kleinstufig vor: Hinlaufen, Ohren anlegen, Ohren ganz anlegen, mit deutlich angelegten Ohren den Kopf tief nehmen, umdrehen, mit der Hinterhand drohen - und erst dann wird gegebenenfalls einmal ausgetreten und gequietscht. Mit Artali, der in seiner Herde ja auch recht ranghoch ist und den Willi nur hin und wieder sieht, gab es diesbezüglich am Wochenende ja überhaupt keine Diskrepanzen. 

Endlich Frühling!
Endlich Frühling!

20.04.2022

 

Ich gehe am späten Nachmittag eine halbe Stunde mit dem Schwarztier auf die Reitwiese. Die ist tatsächlich in den Bereichen, die tagsüber schnell im Schatten liegen, noch etwas weich. 

 

Willi läuft artig vorwärts. Zum Aufwärmen und Lösen gibts etwas Schenkelweichen. Der Trab gefällt mir gut, allerdings könnte er sich rechts etwas besser stellen und biegen. Deshalb zirkeln in vielen großen und kleinen Linien über die Wiese, auch einmal in Konterstellung. Zum Abschluß frage ich auf jeder Hand Schulterherein aus einer Volte heraus ab und lasse das Schwarztier hieraus antraben und dann auch angaloppieren. Es fühlt sich schön rund an. :-) 

 

Auch Sarah geht mit dem Mörchen am Abend noch eine halbe Stunde auf die Reitwiese und arbeitet ihn dressurmäßig. 

Reitstunde bei Annette
Reitstunde bei Annette

21.04.2022

 

Juhu, endlich haben wir mal wieder eine Reitstunde bei Annette. :-) Ich bin schon frühzeitig auf der Reitwiese, damit ich Willi lösen kann. Wir gehen viele gebogene Linien und Schenkelweichen, sind gerade bei der Hinterhandwendung und der Kurzkehrt angekommen, als Annette kommt. 

 

Ich bekomme wieder viele, viele Hinweise: Willi muß erst im Genick nachgeben, bevor ich anreite. Bestenfalls macht er das schon aus dem Sitz heraus, wenn ich etwas gegensitze. Das müssen wir üben. Grundsätzlich muß ich schauen, daß sich Willi rechte Hand mehr stellt und biegt. Linke Hand muß ich ihn eher gerade halten und darf nicht zu sehr mit der Schenkelhilfe agieren. Willi spurt nämlich, sofern ich ihn nicht störe, absolut akkurat. Meine Schultern müssen auf jeder Hand besser mit in die Bewegungsrichtung genommen werden - und nicht nur der Kopf, wie Annette feststellt! ;-) All das erarbeiten wir uns über ettliche Übergänge im Halten-Schritt, Halten-Antraben, Schritt-Trab. Außerdem wichtig: nach der Parade muß ich weiterreiten und darf mein Pferd nicht einfach plötzlich alleine lassen, weil er sonst komplett auf die Vorhand fällt. 

 

Puh, das war heute mal wieder echt viel Input und viele Hausaufhaben zum Üben. 

 

Am frühen Abend enthaare ich dann noch den Senior und gehe mit ihm auf Kappzaum getrenst an der Longe auf die Reitwiese. Wider Erwarten ist er ziemlich artig, hapst kaum nach Gras und läßt sich mit vielen wandernden Volten ganze Bahn aufwärmen. Zum Lockern lasse ich ihn dann noch auf einem großen Zirkel auf jeder Hand einige Runden traben. Er dehnt sich sofort schön, die Hinterhand ist aktiv. So vorbereitet gehen wir auf den kleinen Zirkel. Ich fasse die Longe ziemlich kurz, drehe die kurze Fahrpeitsche um, so daß ich sie mit dem Knauf notfalls an Amors Schulter einsetzen kann und laufe auf einem kleinen Kreis mit. Amor soll sich stellen und biegen. Als das auf beiden Händen gut klappt, gehts gleichermaßen an den Trab. Ich muß hier aufpassen, daß Amor aufmerksam bleibt und nicht den Tempomat ein- und sein Hirn ausschaltet. ;-) Deshalb entlasse ich ihn zwischendurch auch einmal auf einen großen Zirkel und frage den Galopp ab. Wenn ich da so an unsere Anfänge zurückdenke... Er galoppiert nunmehr schon richtig schön gleichmäßig. :-) Zum Abschluß gehts nochmals auf den kleinen Zirkel, um die Trabarbeit zu wiederholen. Prima! 

Roggenstroh
Roggenstroh

22.04.2022

 

Am Vormittag mache ich mich mit dem Pferdeanhänger auf und besorge Stroh für die Jungs zum Knabbern. 

 

Für den späten Nachmittag ist dann mal wieder eine Kutschfahrt geplant. Wir spannen den Schwarzen an und werden von Sarah auf Amor begleitet. Starke 1,25 Stunden und 7 km sind wir unterwegs. Wir träbeln zwei längere Strecken, Sarah steigt zwischendurch immer mal wieder ab und führt den Senior, der putzmunter ist. Auch Willi ist sehr artig und zieht am Berg immer richtig an. Seine Sternstunde kommt aber erst auf dem Heimweg...

 

Als wir in Richtung Dorf unterwegs sind, steht plötzlich vor uns auf dem Weg ein Polizeiauto und ein Rettungswagen. Wie wir später aus dem Internet erfahren, ist ein 63-jähriger E-Biker auf abschüssiger, ziemlich schottriger Strecke böse gestürzt und hat sich dabei lebensgefährlich verletzt. Wir biegen also ab und nehmen eine andere Strecke. Als wir uns gerade auf einem Weg zwischen offenen Wiesen befinden, höre ich es von hinten wummern - der Rettungshubschrauber kommt... Ach, Du Schei***! Er dreht direkt über uns eine große Runde, sondiert wohl die Lage. Dann setzt er, ausgerechnet von hinten an uns heranfliegend, auf einer Wiese rechts von uns zur Landung an. Mir bleibt fast das Herz stehen. Jetzt heißt es cool bleiben. Ich springe vorsichtshalber ab und gehe nach vorne zu Willi, der zwar etwas irritiert schaut und in Richtung Hubschrauber horcht, ansonsten aber völlig gechillt weiterläuft. Auch Amor schaut nur kurz nach dem Rettungshubschrauber, läuft aber ebenso brav weiter neben Sarah her. Waaahnsinn! Ich bin völlig von den Socken! Mehr Vertrauen können uns unsere Rösser wirklich nicht zeigen. 

 

Nachdem sich mein Herzschlag wieder ein wenig beruhigt hat, steige ich nach ein paar Metern also wieder aufs Kütschchen, und wir fahren zurück zum Stall. ❤️❤️❤️

24.04.2022

 

Endlich: mal wieder Regen! Der ist so dringend nötig. Daß es ausgerechnet in den zwei Stunden, die ich morgens zur Stallarbeit am Stall bin, fast 10 l/qm herunterschüttet, ist verschmerzbar. ;-) An der Rundraufe lege ich nur ein paar kleine Gräbelchen an. 

Frisch bepflanzt: die Pferdekräuter-Bar
Frisch bepflanzt: die Pferdekräuter-Bar

25.04.2022

 

Am Vormittag bin ich nach der Stallarbeit gerade mit dem Putzen der beiden Jungs fertig, da fängt es an zu regnen - und es soll gem. meiner Wetter-App auch die nächste Stunde nicht aufhören. Also gut, mache ich am Vormittag eben erst ein paar Besorgungen und komme am Nachmittag wieder. 

 

Um 15 Uhr scheint wieder die Sonne. Willi kommt mir entgegen, auf der einen Seite schön sauber. Auf der anderen... Ok, also nochmals die gleiche Prozedur wie am Vormittag. 

 

Dann gehts mit Amor als Handpferd 1 3/4 Stunden auf 8,1 km ins Gelände. Wir träbeln zweimal und sind ansonsten in einem wirklich guten Tempo unterwegs, teilweise mit Sequenzen von 5,3 - 5,4 km/h!  Auf dem Heimweg gibts natürlich auch eine 15-minütige Pause zum Grasen. 

 

Am Abend bepflanzen wir unsere Pferdekräuter-Kiste neu. Ich habe Zitronenmelisse, Lavendel, Goldsalbei, Pfefferminze, Purpur-Salbei, Waldmeister, Koriander und Liebstöckel besorgt. Als Grundlage kommt etwas Pferdemist in den Bottich, darauf die Blumenerde. Die Kiste werden wir allerdings erst noch für einige Tage absperren, damit die Pflanzen gut anwachsen können. 

Liebe besteht nicht darin, daß man einander anschaut, sondern daß man in dieselbe Richtung blickt. (Antoine de Saint-Exupery)
Liebe besteht nicht darin, daß man einander anschaut, sondern daß man in dieselbe Richtung blickt. (Antoine de Saint-Exupery)
Das Mörchen mit Blümchen
Das Mörchen mit Blümchen

26.04.2022

 

Ein echter Aprilwetter-Tag: Sonne, Regen, Gewitter, warm, kalt... Seit gestern hat es nochmals 10 l/qm geregnet. 

 

Am frühen Abend gehe ich zunächst mit Amor 20 Minuten grasen und enthaare ihn dabei, anschließend kommt der Schwarze dran. 

 

Außerdem behandle ich weiterhin Willis Hornspalt, der zwischenzeitlich schon ein wenig herunter gewachsen ist. Ich spüle und desinfiziere ihn allerdings nicht mehr täglich, achte aber darauf, daß sich keine kleinen Steinchen darin festsetzen. Außerdem behandle ich Willis Vorderhufe derzeit öfters mit dem Liquid Hoof Dressing von Kevin Bacon. Ich bin ja wahrlich kein Freund davon, irgendwelches Zeugs auf Hufe zu schmieren, weil ich noch nie davon überzeugt war, daß da auch etwas davon im Huf ankommt. Dieses Huföl, bestehend aus tierischen Fetten und Lorbeer, scheint aber doch etwas zu bewirken. Jedenfalls machen die Hufe seither einen deutlich geschmeidigeren und elastischeren Eindruck - was auch meine Intention war, um weitere Rißbildungen oder ein Ausbreiten des vorhandenen Risses zu vermeiden. 

Gras satt!
Gras satt!

27.04.2022

 

Zur Mittagspause kommt der Sattler. Steffen Würtz ist ein Bekannter von Desmond, der ihn mir empfohlen hat. Ich möchte vor dem Wanderritt Willis Sattelpaßform nochmals überprüfen lassen, damit alles gut sitzt. 

 

Er nimmt sich für beide Pferde viel Zeit, checkt den Sitz des Sattels, gurtet auch mal sachte an, überprüft den Rücken und tastet die Sattelpolster gründlich ab: alles prima, nichts muß verändert werden. Ich ordere nur vier neue Gurtstrupfen für Willis Sattel. Außerdem läßt er mir eine Krampe da, die ich hinten in der Mitte zwischen die beiden vorhandenen anschrauben möchte, damit ich die Sattelpacktaschen auch nochmals mittig besser fixieren kann. 

 

Am Abend gehen Gerret und ich mit den Jungs dann zu einem nahe gelegenen kleinen Wiesenstück und lassen sie dort wieder 20 Minuten grasen. Vor allem das Mörchen mampft und schmatzt kräftig. ;-) Auffällig: er wickelt derzeit beim Grasfressen kaum. Das scheint gerade die richtige Länge für ihn zu haben. 

 

Anschließend unterfüttern wir noch ein paar lose Knochensteine im Gärtchen und basteln eine Holzbank, auf der nun in der Sattelkammer meine Futterkisten stehen, damit man sich nicht allzu sehr bücken muß. Mal wieder ein arbeitsreicher Tag. ;-) 

Mein Amor ❤️
Mein Amor ❤️

29.04.2022

 

Vanessa geht mit Willi am Vormittag eine Dreiviertelstunde spazieren und läßt ihn dabei grasen. 

 

In der Mittagspause gehe ich mit dem Mörchen eine halbe Stunde auf die Reitwiese zum Longieren. Die steht nun zwischenzeitlich schon gut im Gras, weshalb ich jede Millisekunde beim Haferschlinger sein muß, um schon nur den kleinsten Gedanken, vielleicht einmal nach einem Grashalm zu hapsen, korrigieren kann - getreu dem Motto von Mark Rashid "Finding the try". Allerdings kennen wir uns natürlich nun auch schon so lange, daß Amor weiß, daß ich da nicht mag. So gibt er sich die ganze Einheit über ziemlich viel Mühe, und ich muß in dieser Hinsicht nicht wenig korrigieren. 

 

Wir gehen wie immer zunächst ganze Bahn mit vielen wandernden Volten und wiederholen das auf beiden Händen dann auch im Trab. Dann gehts für die Übergänge wieder auf den kleinen Zirkel. Nachdem wir das ja in letzter Zeit schon öfters gemacht haben, stellt sich der Haflinger gleich schön in Bewegungsrichtung und kann das auch schon öfter in den Schritt-Trab-Übergängen halten. Zum Abschluß frage ich nur interessehalber mal Trab-Galopp-Übergänge auf dieser engeren Linie ab und freue mich sehr, daß dieser sehr gut gelingen. Dafür gibts viel Lob und natürlich noch 15 Minuten Zeit zum Grasen. 

 

Am frühen Abend gehts dann erneut zur Reitwiese: diesmal im Sattel von Willi, Gerret macht mit Amor noch ein wenig Bodenarbeit (...wobei der Senior hierbei wesentlich ignoranter hinsichtlich des Während-der-Arbeit-wird-nicht-gefressen-Gebots ist...). Ich wärme Willi kur an der Hand auf. Das Übertreten vorne gelingt nun auf der Kreislinie schon wesentlich besser als noch letztes Jahr. Im Sattel gehen wir zunächst am hingegebenen Zügel große gebogene Linien. Der erste Trab gefällt mir gleich gut, wenngleich er etwas energetischer sein könnte. Das gibt sich nach ein paar Trab-Galopp-Übergängen. Allerdings lasse ich Willi nur wenige Galoppsprünge machen, weil ich dem Boden nach dem Regen der letzten Tage nicht so wirklich traue. Schulterherein links fällt ihm heute ziemlich schwer, so daß wir erst viele Wendungen mit Schlangenlinien und großen und kleinen Volten im Wechsel gehen, so daß sich jede Körperseite schön dehnen kann. Hierauf gelingt es, aus einer Volte bei C bzw. A auf die Mittellinie entwickelt, gleicht viel besser. Und dann: das Antraben hieraus! Toll! Das Schwarztier wird leichter und leichter und die Hinterhand energetisch (also: für unsere Verhältnisse!). So vorbereitet teste ich dann das Schulterherein auf jeder Hand aus einer Volte heraus auf der Mittellinie auch kurz im Trab an, was Willi für wenige Tritte halten kann. Dann darf auch er nochmals 15 Minuten grasen. 

Zu dritt ins Gelände
Zu dritt ins Gelände

30.04.2022

 

Der April verabschiedet sich, wie er angefangen hat: mit Regenwetter. Am Vormittag hat es nochmals 5 l/qm geregnet. Nachdem Gerret kurzfristig für einen Kollegen den Bereitschaftsdienst übernimmt, fällt unsere eigentlich geplante Kutschtour aus, und ich gehe mit Amor als Handpferd auf Willi ins Gelände. 

 

Die Buben sind munter. Wir traben eine längere Strecke, wobei Willi immer wieder anzeigt, daß wir auch gerne galoppieren könnten. Ich bin mir wegen der Hufschuhe nicht sicher, aber da er das so schön anbietet... Also, das Stimmkommando gegeben, damit Amor weiß, was kommt, und sachte den Schenkel zurückgenommen: los gehts! Ein wunderbarer runder Schaukelpferdgalopp - den wir leider nach 100 m mit einem zerfetzten Hufschuh büßen. Arggggh!!! 

 

Ich kann der Situation zumindest abgewinnen, daß ich dabei mal wieder sehe, welch artige Ponys ich habe: abgesessen, Willi vom an der Fessel noch hängenden Gaiter befreit, den anderen Hufschuh ausgezogen, mit beiden Buben 20 m zurückgelaufen, den Schuh eingesammelt, ebenfalls am Sattel befestigt, zur nächsten Bank gelaufen, wieder aufgestiegen. Alles in völliger Ruhe und vor allem: artiges Stehenbleiben und kein Nach-Gras-Hapsen. Ansonsten bin ich mit dem Thema Hufschuhe für Willi langsam wirklich durch. Ich werde noch einen letzten Versuch mit einem anderen Hufschuhmodell, das ich schon seit einiger Zeit im Auge habe, unternehmen. Wenn das auch nicht taugt, werde ich ihn wohl vorne beschlagen lassen (müssen). :-( 

 

Die weitere Strecke im Wald verläuft ohne Probleme. Wir genießen das schöne Grün im Wald und sind auch fast alleine unterwegs. Nur ein junger Mann kreuzt unseren Weg, und ich muß mich mal wieder wundern: wieso gehen Leute in den Wald und lassen sich dort mit Musik (über Handy oder - wie heute - Kopfhörer) die Ohren beschallen...? Egal. Wir traben auch nochmals eine lange Strecke auf gutem Geläuf, und Willi trabt sehr schön vorwärts. Amor kann auch sehr gut mithalten. Bei ihm merke ich, wie sich das die letzten Male als Handpferd nochmals gesteigert hat. Dafür gibts am Waldrand eine 15-minütige Pause zum Fressen, wo ich auch absteige und die Jungs dann zur nächsten Aufstiegsmöglichkeit führe. Wieder: einparken, aufsteigen, alles prima ohne einen Schritt zur Seite. 

 

Wir sind 8,8 km in einer reinen Reitzeit von 1,6 Stunden unterwegs. Mit der Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,5 km/h bin ich mehr als zufrieden.