1. Mai: die erste halbe Stunde zum Anweiden auf Weide Nr. 4
1. Mai: die erste halbe Stunde zum Anweiden auf Weide Nr. 4

01.05.2021

 

Der erste Mai im Corona-Zeitalter ist: leergefegt. Entgegen den sonst umherwandernden Menschenmassen sind heute trotz trockenem Wetter nur wenige Grüppchen unterwegs. Weshalb ich mich in Begleitung von Claudia und Joe mit Willi auf eine zweistündige Tour zwischen Söllingen und Berghausen in Richtung Hopfenberg aufmache.

 

Ich habe schnell eine Route auf Outdooractive geplant, die uns Trampelpfade entlang führt, die ich bislang noch nicht kannte. Wir sind gemütlich, aber dennoch im guten Schritt unterwegs. Vorbei am Obsthof geht es auf Wiesenwegen durchs Gartenhütten-Gebiet. Immer wieder geht es steil bergauf und bergab, so daß wir das ein oder andere Mal (vor allem bergab) lieber absteigen und führen, weil der Boden durch den Regen der letzten zwei Tage (immerhin 15 l/qm) doch rutschig sein könnte. Als wir wieder auf einem Trampelpfad unterwegs sind, liegt plötzlich ein großer Baum quer über dem Weg. Links geht es steil bergauf, rechts steil bergab. Der Baum liegt so, daß die Stelle, an der wir den Baum mit den Pferden übersteigen können, sehr nah und exponiert am Abhang liegt. Wir steigen wieder ab und führen die Pferde hinüber. Toll, wie cool die beiden bleiben und diese Situation meistern. 

 

Kurz vor Ankunft zur Umrundung des Hopfenbergs liegt der steilste Anstieg für heute vor uns: äußerst knackig werden in drei Minuten 40 Höhenmeter erkraxelt. Ich bin ja zwischendurch schon geneigt, abzusteigen, zumal Willi anfangs etwas rutscht. Dann gibt der Weg durch ein wenig Schotter und blank daliegenden Fels mehr Grip, und wir sind oben. Boh! Ich bin mega-stolz auf den Schwarzen. 

 

Rund um den Hopfenberg dürfen die Buben ausschnaufen, dann gehts auch schon wieder in Richtung Heimat. Zwei eigentlich geplante Wege stellen sich durch hohes Gestrüpp als unpassierbar heraus, weshalb wir auf gewohnten Wegen bleiben. Am Waldrand gibts einen kurzen Snack, bevor wir nach exakt zwei Stunden und 8,8 km wieder am Stall ankommen. 

Am Abend dürfen die Jungs die erste halbe Stunde auf Weide Nr. 4. Wir haben sie die letzten Wochen ja schon immer ausgiebig in der Hand bis zu 20 Minuten grasen lassen.

 

Eigentlich ist das Gras noch nicht hoch genug. Daß ich die Jungs jetzt dennoch schon auf genau diese Weide lasse, ist dem Umstand geschuldet, daß sich dort leider nach wie vor das Berufkraut ausbreitet. Unsere Aktion im letzten Sommer, die dort stehenden Pflanzen auszureißen, hat leider nicht wirklich etwas gebracht - vermutlich waren wir schon einfach zu spät dran. Deshalb dürfen uns die Pferde bei der Bekämpfung helfen: durch eine frühzeitige Beweidung soll das Berufkraut am Aussamen gehindert werden. Was natürlich voraussetzt, daß die Pferde die Pflanze im jungen Zustand auch fressen. Das müssen wir nun die nächsten zwei Woche beobachten. Ansonsten muß die Weide wieder gesperrt und dafür mehrmals gemäht werden. Zudem habe ich extra für dieses Weidestück nochmals Nachsaat gekauft und werde gegebenenfalls einmal mit Perlka (Kalkstickstoff) gegensteuern. 

 

Wichtig ist außerdem, daß wir eine Verbreitung des Berufkraut auf die anderen Weidestücke vermeiden. Die anderen Weiden müssen wir deshalb demnächst abgehen und vorhandene junge Berufkraut-Pflanzen vor der Blüte ausreißen. Gleiches gilt für krausen Ampfer, der aber nur noch vereinzelt vorkommt. 

Auch das gehört zur Weidepflege: Ausreißen unerwünschter Pflanzen
Auch das gehört zur Weidepflege: Ausreißen unerwünschter Pflanzen

02.05.2021

 

Da es in der letzten Nacht nochmals etwas geregnet hat, nehmen Gerret und ich uns am Vormittag die Weiden Nr. 3, 4 und 5 vor. Wir gehen diese ab und reißen - immer möglichst mit Wurzel - unerwünschte (Gift-)Pflanzen aus. 

 

Zur Artenvielfalt gehören natürlich Giftpflanzen, und bei genügend vorhandener Weidefläche würde ich diese stehen lassen, da auch diese Pflanzen ihre ökologische Berechtigung haben (z. B. um Insekten zu versorgen). Das ist bei uns aber leider nicht der Fall.

 

So rücken wir der auf Weide Nr. 4 ganz neu entdeckten Wolfsmilch zuleibe. Da deren Pflanzensaft starke Hautreizungen hervorrufen kann, empfiehlt sich das Tragen von Handschuhen. Des weiteren rupfen wir doch wieder ettliche Ampfer-Pflanzen aus. Deren Samen können im Boden mehrere Jahre keimfähig überdauern, so daß eine Beseitigung vor dem Aussamen sinnvoll ist. Da der Boden durch den Regen der letzten Tage weicher ist, gelingt das meistens von Hand sehr gut. Beim Berufkraut funktioniert das nicht; das müssen wir mit dem Ampferstecher angehen. Da das Aufkommen auf Weide Nr. 4 zu groß ist, konzentrieren wir uns bei dieser Pflanze auf die Vermeidung einer Verbreitung auf den anderen Weiden und stechen die dortigen Pflanzen, die in kleinen Kolonien vorhanden sind, aus. 

 

Wichtig: eine Entsorgung erfolgt IMMER und ausschließlich über den Restmüll und NIE über den Misthaufen, um eine Verbreitung zu vermeiden. 

 

Vanessa geht währenddessen mit Willi eine halbe Stunde spazieren, was wir anschließend auch mit dem Mörchen machen. 

Das Mörchen im Glück. ❤️
Das Mörchen im Glück. ❤️

03.05.2021

 

Ich habe Weidepflege-Nachwehen: Muskelkater in den Oberschenkeln vom vielen Bücken... %-)

 

Während Sarah mit Amor Bodenarbeit macht und sich dazu mehrere Stangen und das Cavaletti bereitgestellt hat, wärme ich Willi auf der Reitwiese kurz mit Handarbeit auf und lasse ihn sich anschließend am hingegebenen Zügel schreiten. Er zeigt heute etwas weniger Energie wie sonst, weshalb ich zunächst an einem schönen Vorwärts und guter Losgelassenheit arbeite, dazu nach der ersten längeren Trabphase auch Trab-Galopp-Übergänge und Schenkelweichen entlang der Mittellinie mit Umstellen bei X abfrage. Zur versammelnden Lektion Schulterherein kommen wir daher heute nur kurz. Ich bin ziemlich überrascht, wie schnell mir seit der letzten Reitstunde nun auffällt, wie sich meine linke Hand immer gerne selbständig macht und gerne nach rechts über den Mähnenkamm ziehen will. Wohl auch deshalb gelingt uns das Schulterherein linke Hand weniger gut wie rechte Hand. Aber der Trab nach dem erneuten Geradestellen fühlt sich dann schon wesentlich energetischer an. :-)

Osteopathische Behandlung
Osteopathische Behandlung

05.05.2021

 

Mai mit typischen Aprilwetter: mal scheint die Sonne, dann regnet es plötzlich heftig und gewittert mit lautem Donner... Um den Regen bin ich trotzdem dankbar, denn der Boden kann ihn gut gebrauchen. 

 

Am Nachmittag kommt wieder mal Julia zur osteopathischen Behandlung unserer drei Rösser. Nach Joe kommt Willi an die Reihe. Er wird im Brustbein mobilisiert und vor allem hinsichtlich seiner natürlichen Schiefe mit der Tendenz, die rechte Seite vermehrt zu belasten, behandelt. Als letzter kommt der Senior an die Reihe, bei dem sich die Behandlung vor allem auf Hals, Genick, Kiefer und Zungenbein konzentriert. Da er derzeit nur vereinzelt Heu und Gras wickelt, werden wir eine Veränderung durch die Mobilisation vermutlich in dieser Richtung nicht feststellen können, aber evtl. bemerke ich etwas bei der Handarbeit. Jedenfalls gibts nichts Schlimmes oder Gravierendes zu richten. Außerdem bekomme ich ein dickes Lob, wie gut die beiden muskulär dastehen. :-) 

Ein halbes Stündchen grasen
Ein halbes Stündchen grasen

07.05.2021

 

Nicht zuletzt wegen des äußerst feuchten und usseligen Wetters hatten die Jungs gestern Pause. Nach einer osteopathischen Behandlung ist das immer gut. 

 

Am späten Nachmittag krabble ich auf den Schwarzen und bummle mit ihm ins Gelände. Irgendwie fühlt er sich heute sehr seltsam an. Irgendwie "schräg". Ich vermute allerdings eher, daß Julia bei Willi doch einiges gerade gerückt hat und sich das für mich nun komisch anfühlt. Wir träbeln einige längere Strecken und galoppieren auch, wobei das Schwarztier ob der am Nachmittag schon fürs Wochenende heraufziehenden Wärme ins Schnaufen kommt. Schulterherein ist heute insbesondere linke Hand so gar nicht "seins". Ich verlege mich auf das einhändige Abfragen von Schultervor und lobe, sobald er nur eine winzige Tendenz in diese Richtung zeigt. Mehr ist heute einfach nicht drin, muß ja auch nicht sein.

 

Unterwegs treffen wir uns mit Gerret und dem Mörchen an der Grünen Hütte und bummeln wieder nach Hause. Bzw, ist bei Willi nun öfters nicht mehr wirklich von Bummeln die Rede, weil er teilweise über mehr als 1 km eine Geschwindigkeit von 5,4 km/h durchhält. Cool! Dafür gehts dann noch für eine halbe Stunde auf die Weide zum Erholen und Kopflüften. 

Unser wunderschöner Apfelbaum
Unser wunderschöner Apfelbaum

08.05.2021

 

Die Regenfront der letzten Tage hat sich verzogen, die Sonne scheint. Zack, ist der Boden wieder trocken...

 

Ich übernehme kurzfristig Vanessas Stalldienst am Abend und beschließe, meine beiden Jungs jeweils an die Longe zu nehmen.

 

Zunächst ist das Mörchen dran. Auch an der Longe gilt: Ruhe, Ruhe, Ruhe. Aber dennoch vorwärts! Ich lasse ihn sich ganze Bahn mit vielen wandernden Volten warmlaufen, auch gleich über die bereitstehende Kombination Stange - Cavaletti - Stange schreiten. Im Trab wird er mit schnell zu eilig. Da er zudem lieber in Außenstellung um mich herum zentrifugiert, werfe ich kurzerhand Longe und Peitsche zur Seite, nehme Amor an die Hand, indem ich ihn vorne am Kappzaum führe und zeige ihm auf einer großen Volte, was ich meinte: Innenstellung, wobei ich ihn mit der anderen Hand sachte am Übergang Genick-Hals massiere. Das machen wir einige Zeit mit mehreren Handwechseln. Amor wird ruhiger, konzentriert sich, stellt sich schön. An der Longe sieht das dann gleich besser aus. Ich muß nur einmal noch deutlich werden, als meine Kommandos für die Schritt-Trab-Übergänge ins eine Hafiohr rein und zum anderen gleich wieder rausgehen. %-) Dann klappen die Übergänge sogar mit ordentlicher Stellung, so daß wir für heute Schluß machen.

 

Der Schwarze hats heute auch zunächst etwas mit der Achtsamkeit: ich hätte gerne bittschön Schritt und kein Bummeln, aber auch kein eigennächtiges Antraben, um sich der mehr geforderten Energie zu entziehen. Mehrmals bleibt er verwundert stehen und schaut mich aus großen schwarzen Augen mit Fragezeichen über dem Kopf an. Hä? Ja! Energische Bewegungen, bitte! Ist zwar schon wesentlich wärmer heute als die letzten Tage, aber ich verlange ja nun auch keinen Marathon. Erst, als ich die ersten Trab-Galopp-Übergänge dazu nehme, versetzt sich die träge Masse in etwas mehr Schwung. Und er galoppiert sogar auch jeder Hand zwei Zirkel am Stück. Prima! 

Ich habe diese Woche einen Livestream zum Thema "Micro-Abenteuer" gesehen. Naja, soweit die neudeutsche Bezeichnung. Es geht mehr um das Verlassen der eigenen Komfortzone und um das Draußensein. Auch und vor allem nachts. Ohne Zelt. Mein erster Test, der hauptsächlich der Prüfung geschuldet ist, ob mein Schlafsack auch ohne Zelt outdoortauglich ist, findet daher am Stall statt. Lagerfeuer, Grillkäse auf dem Grill, eine Flasche Rosé, Isodecke, Isomatte, Schlafsack, drüber noch eine Fleece-Decke. Um 0 Uhr krieche ich in den Schlafsack. Obwohl es eigentlich windstill ist, merke ich doch recht deutlich die Kälte der Feuchtigkeit und wie der Wind ganz sachte über mich hinwegstreicht. Ich dämmere mehr vor mich hin, als daß ich schlafe - unterbrochen von einem schnarchenden Willi oder einem schmatzenden Haflinger an der Rundraufe, direkt neben mir im Paddock... *grins* Um 03.30 Uhr ziehe ich ins Heulager um. Die Wände außenherum machen sich deutlich bemerkbar, es ist gleich wärmer. Ich bekomme zweimal katzenhaften Besuch, sicherlich Paula, die laut maunzend daherspaziert, sich zuerst erschreckt, was da liegt, sich das aber neugierig nochmals anschaut. Gesehen habe ich sie nicht, weil sie an meiner Rückenseite entlang getapst ist.