Hallo November!
Hallo November!
Sonntagsspaziergang
Sonntagsspaziergang

01.11.2020

 

Seit heute Nachmittag liegt die ab 02.11.2020 geltende neue Corona-Verordnung für das Land Baden-Württemberg vor: 

 

www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/aktuelle-aenderungen-der-corona-verordnungen/

 

Demnach dürfen weitläufige Anlagen wie Reitanlagen auch von mehreren individualsportlich aktiven Personen unter Einhaltung der Abstandsregeln genutzt werden. Voraussetzung für die Nutzung der Toiletten, Umkleiden und Duschen ist, daß sie nicht geteilt werden und Personen, die nicht gemeinsam sportlich aktiv sind, sich nicht begegnen.Reitkurse sind gestattet, allerdings nur zu zweit (Reitlehrer und Reitschüler) oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts.

 

Am Nachmittag gehen Gerret und ich mit Amor und Willi eine Stunde spazieren. Es ist ziemlich windig und für die Jungs mit ihrem Winterfell auch relativ warm. Wir machen unterwegs eine kleine Snackpause, um sie grasen zu lassen. Dann gehts wieder nach Hause zum Stall. 

Der neue Strohsack
Der neue Strohsack

02.11.2020

 

Die Pferde haben ab heute Zugang zum Knabberstroh über einen neuen ziemlich großen Sack aus recht reißfestem Kunststoff mit großen Löchern. Ich hoffe, daß dieser besser hält, als das Vorgängermodell. Die Menge, die hineinpaßt, ist jedenfalls ziemlich auskömmlich. 

 

Am Nachmittag gehe ich in Begleitung von Laura auf Joe mit Willi und mit Amor als Handpferd eine starke Stunde ins Gelände. Wir träbeln und galoppieren auch mal, wobei der Senior toll mithält. Erst auf dem Heimweg wird er etwas müde und läßt sich bitten. Es ist allerdings heute mit 20° für November auch ungewöhnlich warm. 

 

Auf dem Heimweg haben wir leider eine recht unerfreuliche Begegnung mit einem Radfahrer. Wir bummeln gerade Richtung Heimat einen steilen Weg hinunter und halten uns hierbei auf dem Grasstreifen neben dem betonierten Weg. Der Radler kommt fröhlich von hinten angesaust und hält es auch nicht für nötig, sich in irgendeiner Weise bemerkbar zu machen. *Schwupp* geht die wilde Jagd los! Die drei Pferde flitzen bergab, Amor überholt Willi und Joe von hinten, ich lasse die Longe los und konzentriere mich darauf, Willi anzuhalten. An seinem Muskeltonus merke ich schon, daß er halt nur deshalb mal vorsichtshalber mitgaloppiert, weil ja alle anderen auch bergab rennen. Nach 13 Sekunden (gem. Dokumentation der Equilab-App 😂) bringen Laura und ich unsere Reitpferde zum Stehen. Amor dreht sich um und schaut, was da ist. Der Radler will sich vom Acker machen und einfach nonchalent an uns vorbeiradeln... 🤬 Als ich ihm vorhalte, was da alles hätte passieren können, bekomme ich die Standard--Antwort solcher Zeitgenossen: "Da kann ich ja nichts dafür, wenn Ihr Eure Pferde nicht im Griff habt!". Bei so wenig Hirn nutzen auch weitere Hinweise nichts, so daß ich ihn mit einem wenig schmeichelhaften Wort umschreibe und mich lieber daran mache, den Senior wieder einzusammeln, der derweil Gras futtert. Also echt... 

 

Ja, uns als Reiter trifft immer ein Mitverschulden, wenn Pferde durchgehen. Das ist auch beim Autofahren nicht anders, man nennt es Gefährdungs- oder Betriebshaftung. Allerdings sollte es der allgemeinen Lebenserfahrung entsprechen, daß bei einem Pferd immer mit einer unvorhergesehenen Verhaltsweise gerechnet werden muß. Hierzu erging gerade vor kurzem erst ein interessantes Urteil, das dem Radfahrer eine Mitschuld zusprach: 

 

www.pferderevue.at/aktuelles/recht/2020/06/fuer-radfahrer-gilt-beim-ueberholen-von-pferden-eine-besondere-s.html

03.11.2020

 

Amor und Willi werden von Sarah und Sandra auf der Reitwiese an der Longe gearbeitet. 

04.11.2020

 

Der beste Ehemann von allen hat heute neue Besen für eine leichtere Stallarbeit bereitgestellt. Das ist etwas, was als nicht so wichtig erachtet wird, aber nach 20 Jahren Stallarbeit kann ich sagen: nur, wenn man richtiges und gutes Equipment hat, geht die Arbeit leicht von der Hand! Man kann sich auch mit einem unbrauchbaren Besen, der z. B. zu weiche Borsten hat oder dessen Borsten schon durchs viele Kehren zu kurz sind, einen "Wolf" fegen... ;-) 

 

Die alten Besen hat Gerret gegen die schon etwas zerfleddert aussehenden Besen an den Stallwänden ausgetauscht. Jetzt können sich die Jungs wieder ordentlich schubbern. 

 

Außerdem hat er heute diverse Stellen im Paddock mit Sand aufgefüllt und auch das Vogelfutterhäuschen wieder in Betrieb genommen. Ich habe diesmal Streufutter besorgt und erhoffe mir dadurch etwas weniger Arbeit durchs Zusammenfegen darunter als bei den bisher gefütterten Sonnenblumenkernen. Da das Streufutter nur aus Getreide besteht, ist es für die Pferde, zumal in der sehr geringen Menge, ungefährlich. 

 

Das Mörchen macht mir derzeit einen sehr, sehr guten Eindruck! :-) Die Fütterung von 2x täglich 2 kg Heucobs, Leinsamentrester, Soja-Schrot und Leinöl bekommt ihm sichtlich gut: es sind keine Rippen zu sehen und auch nicht gleich zu erfühlen. Es ist mir lieber, wenn der Senior ein wenig mehr auf den Rippen hat, bevor das wirkliche Winterwetter beginnt. 

 

Und Willis Fuß? Der ist komplett in Ordnung. Ich taste ihn immer noch ab und beobachte auch die Stelle am Kronrand, die aber zwischenzeitlich langsam herunterwächst. An der Fessel ist nichts mehr geschwollen. 

 

Am Nachmittag bespaßen Gerret und ich die Jungs auf der Reitwiese. Gerret longiert das Mörchen, während ich Willi, nachdem ich ihn an der Hand etwas habe übertreten lassen, reite. Nach ausgiebigem Aufwärmen mit schönen Ecken und Viereckverkleinern und wieder -vergrößern träbeln wir. Da sich das ein wenig bummelig anfühlt, nehme ich immer mal kurz ein paar Sprünge Galopp dazu: Willi wird wach. Nach ein wenig Schulterherein, das linke Hand besser klappt als rechte Hand, gehts nach ein wenig Dehnen am hingegebenen Zügel an den Travers, den ich auf einer großen Volte abfrage. Das fühlt sich rechte Hand schon richtig gut an, links tut sich Willi wieder sehr schwer. Auf der Volte habe ich jedoch den Eindruck, daß es mir besser gelingt, den Travers zu erarbeiten, weil ich, sobald das Schwarztier gut gebogen ist, einfach ein, zwei Schritte geradeaus im Travers abfrage. Dann gehts an den Galopp, angesprungen aus dem Schritt. Hui, und der erste Linksgalopp fühlt sich aufgrund der Vorarbeit im Travers ja mal richtig gut an: von unten hinten nach vorne oben! :-) Zum Abschluß touchiere ich Willi vom Boden aus noch ein wenig entlang der langen Seite an der Hinterhand: das findet er am rechten Hinterbein ja echt doof, das linke hebt er dafür brav an. Tja, das rechte Hinterbein - wie die heutige Einheit zeigt: das ist unsere große Herausforderung. 

Endlich komplett geschlossen
Endlich komplett geschlossen

05.11.2020

 

Heute hat Gerret endlich mal etwas in Angriff genommen, was schon seit gut zwei Jahren auf meiner To-Do-Liste steht: auch die kurze Seite unseres Heulagers soll komplett geschlossen sein, damit es nicht reinregnet (was zugegebenermaßen nur bei wirklich bösem Sturm der Fall war, aber trotzdem). 

 

Am Nachmittag gehe ich mit dem Schwarztier in Begleitung von Sarah auf Amor 1,5 Stunden ins Gelände und nehmen dabei 7,5 km unter die Hufe. Willi ist munter: das ist sein Wetter! :-) Es ist trocken und sonnig, aber schon deutlich kühler als die letzten Tage. Wir gehen viele Trampelpfade im Wald und erkunden eine neue Gegend, wo wir auch einige Wiesenwege entdecken. Angekommen an einer Galoppstrecke, die wir schon seit gut 10 Jahren nicht mehr genutzt haben, bietet der Schwarze von sich aus Trab an - und galöppelt auch gleich los. Juhu! Einfach klasse! Amor hält super mit, ich höre seine schnelleren Galoppsprünge hinter uns. Auf dem Heimweg steigen wir zweimal ab und führen die Jungs auch einen steilen Berg hinunter. Am Stall angekommen sind sie noch etwas feucht, Willi schwitzt ja ohnehin immer noch etwas nach. Da es aber nicht windig ist und Amor sich ohnehin gleich zu seinen Heucobs in den Stall verzieht, verzichten wir auf Decken. 

06.11.2020

 

Am Vormittag nehme ich zuerst den Schwarzen am Langen Zügel mit auf die Reitwiese. Richtige Arbeit am Langen Zügel habe ich mit Willi bisher vielleicht zwei- oder dreimal gemacht, ansonsten war das ja mehr Fahren vom Boden aus als Vorbereitung für die Ackerarbeit und im nächsten Jahr hoffentlich das Kutschfahren. Deshalb bin ich mehr als erstaunt und freue mich riesig, als das alles totaaaal easy funktioniert:

 

Loslaufen, klar, das ist nix Neues. Aber sofortiges Abwenden, indem ich mich und meine Körperposition nur in die neue Richtung ausrichte, das finde ich schon stark, wie leicht Willi das koordiniert, zumal ich ja am Langen Zügel sehr nah und nur leicht versetzt an seiner Hinterhand mitlaufe und eine Zügelfaust rechts und links seiner Hüfte trage! :-) So kurven wir durch die Bahn, auf dem Zirkel, einfache Schlangenlinien, wechseln durch die ganze Bahn oder aus dem Zirkel. Rückwärtsrichten ist prima, obwohl ich ja fast direkt hinter ihm stehe - das verlangt vom Pferd schon Vertrauen. Aus einer Volte frage ich jeweils auf jeder Hand vorsichtig Schulterherein und Travers ab. Das ist zwar mehr Schultervor und somit noch ausbaufähig, aber man sieht schon sehr gut, wo das hinführen soll. Travers linke Hand tut sich Willi wieder schwer und dreht sich einmal auch lieber vor mir im Kreis, indem er einfach mit der Hinterhand im 180°-Winkel wegdriftet. Aber ansonsten freue ich mich, daß das so selbstverständlich klappt. Zum Abschluß touchiere ich nochmals auf jeder Hand das jeweils innere Hinterbein entlang der langen Seite. Heute beugt Willi auch das rechte Hinterbein schön brav an und tritt nicht mehr nur nach hinten hinaus. :-) 

 

Danach ist das Mörchen dran. Der schielt natürlich zunächst ausschließlich aufs schöne Grün. Ich muß ein paar sachte Aufwärts-Arrets geben, damit er begreift, daß die Birne bittschön obenbleiben soll. Nachdem er doch einmal nach einem Grasbüschel hapst und dafür einen deutlichen verbalen Anraunzer kassiert, ist die Sache klar und wir können arbeiten. Auch mit dem Senior gehe ich diverse Hufschlagfiguren ab und wechsle mehrmals die Hand. Auf einem kleineren Zirkel traben wir auch ein paarmal. Da ich Amor näherbringen möchte, daß Fressen zwar unerwünscht, er mit mir aber wesentlich mehr Spaß haben kann, nehme ich ihm zwischendurch auch mal die Leinen ab und lasse ihn frei neben mir herlaufen. Anfangs ist das Gesicht wenig begeistert und auch auf meine ein oder andere Frage kommt ein deutliches "Nö!". Aber ich bleibe dran, verlange nur, daß er bei mir bleibt und auf mich achtet und daß eben kein Gras gefressen wird. Nachdem ich ihn so ein paarmal habe loben können, läßt er sich dann auch endlich mal aufs Seitwärtsweichen ein und schaut mich neugierig an. :-) Auch bei ihm touchiere ich zum Abschluß die Hinterhand. 

Am Stall
Am Stall

07.11.2020

 

Am Vormittag bekommen wir Heu geliefert und stocken auch wieder unseren Strohvorrat für die nächsten vier Wochen auf. Während Gerret nochmals letzte Hand am Heulager anlegt, gehe ich mit Willi in Begleitung von Claudia auf Joe 1,5 Stunden und 7,5 km ins Gelände. 

 

Durch die Equilab-App bin ich mit vielen Reiter-Freunden verbunden und sehe so immer, welche Strecke diese mit ihren Pferden in Schritt, Trab und Galopp zurücklegen. Da sind wir schon im Hintertreffen - die anderen traben und galoppieren teilweise wesentlich mehr als wir. Das motiviert mich, insbesondere das Schwarztier etwas mehr zu trainieren. Dementsprechend lang fallen heute unsere Trabstrecken aus. Willi zeigt zwischendrin immer mal an, daß wir doch eigentlich schon lääängst wieder im Schritt unterwegs sein sollten, läßt sich aber artig weitertreiben. So traben wir heute insgesamt mehr als 10 Minuten. Dafür darf das Schwarztier dann auch gemütlich heimwärts bummeln. ;-) 

Oft auf Hilfe im Winter angewiesen: Igel
Oft auf Hilfe im Winter angewiesen: Igel

Noch eine Bitte, wenn Euch das möglich ist: 

 

Wir haben am Rand einer unserer Weiden schon vor ettlichen Jahren einen Reisig-Äste-Haufen angelegt. Die ursprüngliche Intention war, daß die Pferde dort nicht unbedingt langlaufen können sollten. Grundsätzlich dient dieser Haufen, den wir im Spätjahr hin und wieder mal mit einer großen Portion Laub überschütten, aber auch Igeln und Insekten zum Überwintern. 

 

Gute Infos hierzu gibts auch hier:

 

www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/saeugetiere/00755.html

 

Wer also die Möglichkeit hat, kann den kleinen Igeln somit helfen, etwas besser über den Winter zu kommen. :-) 

08.11.2020

 

Sandra geht mit Amor am Vormittag eine Dreiviertelstunde spazieren.

 

Am Nachmittag bespaße ich den Schwarzen eine Dreiviertelstunde auf der Reitwiese; wir machen Bodenarbeit. Ich habe ein Cavaletti aufgestellt und die blaue Plane ausgelegt. Über letztere lasse ich Willi in Schritt und Trab auf beiden Händen laufen, anhalten und auch rückwärtsrichten. Am Cavaletti machen wir Fortschritte. Ist er dort ja anfangs immer mit allen Vieren irgendwie hängengeblieben, findet er heute schon in Schritt und Trab auch auf mittlerer Einstellung schön hinüber. Der Galopp ist ihm noch da noch nicht ganz geheuer, aber mit viel Lob schaffen wir auch dies, weshalb ich das Cavaletti das erste Mal auf höchste Einstellung drehe. Da hat Willi aber sogar im Schritt noch seine Probleme: mit dem ersten Bein tritt er brav hinüber, bleibt dann aber meistens mit dem zweiten Vorderbein hängen und dreht das Cavaletti so ettliche Male auf die mittlere Einstellung. ;-) So kann mans natürlich auch machen. *grins* Als ich aber mal am Cavaletti stehenbleibe und dieses nur ganz leicht mit meinem einen Fuß fixiere, klappt es einige Male ganz gut. Das müssen wir einfach üben. 

 

Nachdem ich Willi ein paarmal entlang der langen Seite im Scheibenwischer haben weichen lassen, gehen wir zur Freiarbeit über. Er weicht brav auf jeder Hand seitwärts, bleibt an meiner Schulter und trabt auch ordentlich an, wobei ich ihn auch ein wenig von mir auf Entfernung schicken und quasi aus der Ferne longieren kann. Sogar ein paar Galoppsprünge sind möglich. *freu* 

 

Als ich unser Equipment wieder aufräume, bemerke ich Zuschauer am Rand: Willis Vorbesitzer sind zufällig in der Gegend. Wie schön! :-) Mich freut es, daß sie sich noch nach ihm erkundigen und sie freuen sich, daß es ihm augenscheinlich so gut geht. ❤️

Unser Reit-Mandala ;-)
Unser Reit-Mandala ;-)

09.11.2020

 

Am Nachmittag treffe ich mich mit Sarah am Stall. Wir gehen zunächst 20 Minuten mit Willi und Amor ins Gelände und anschließend noch eine knappe halbe Stunde auf die Reitwiese. So sind die Jungs schon aufgewärmt. Ich achte hierbei genau auf meinen Sitz. Die letzten Tage habe ich viel im "Reitkurs -Mit dem Herzen voran" von Babette Teschen und Tania Konnerth geschmökert und hier das ein oder andere innere Bild mitgenommen. Bei einem soll man sich z. B. sein eigenes Becken wir eine Schale vorstellen, in der man eine Kugel kreisen läßt. Ein anderes weist einen an, sich vorzustellen, man hätte einen Drachenschwanz am Po,, der nach vorne durchschwingt - genauso hatte mir ja auch Jenny bei einem Alexander Technik-Workshop den Tipp mit dem Seepferdchen gegeben. Mit diesen Bildern spiele ich heute die ganze Zeit im Sattel und stelle fest, wieviel besser ich sitze und in der Pferdebewegung mitgehen kann. Vor allem auch in Trab und Galopp! 

 

Ich stelle uns auf der Reitwiese ein Cavaletti auf niedrigster Einstellung hin und lege die blaue Plane aus. Willi hat damit kein Problem und geht in Schritt und Trab brav hinüber. Nach ein paar Zirkeln nehme ich gleich den Galopp dazu, denn so wird der Schwarze immer gleich etwas wacher. Nach ein paar Trab-Galopp-Übergängen nehme ich die Zügel in eine Hand, galoppiere Willi auf dem Zirkel an, habe meine inneren Bilder im Kopf, schaue immer eine halbe Zirkelrunde voraus und touchiere mit der anderen inneren Hand immer ein wenig die Hinterhand: *schwupp* galoppieren wir so 1,5 Runden! Hallo???!!! Juhu! Da das so gut geklappt hat, probiere ich das auch auf der anderen Hand: supi! Das gibt viel, viel Lob und Kekse. :-) Nach einer Verschnaufspause teste ich noch kurz Schulterherein auf jeder Hand an und lasse mein Pony daraus flott vorwärts antraben und die Zügel aus der Hand kauen. Eine schöne Einheit! 

 

Auch das Mörchen macht sich unter Sarah richtig gut. Was ich so nebenher sehe, freut mich. Er träbelt fleißig mit aktiver Hinterhand und gibt immer wieder schön im Genick nach. 

Mit Willi im Gelände
Mit Willi im Gelände

10.11.2020

 

Am Vormittag sattle ich nach der Stallarbeit das Schwarztier und bummle in knapp 1,5 Stunden 7 km mit ihm durch den Wald. Der Nebel hängt noch in den Baumwipfeln. Wir erklimmen anfangs einen steilen Wiesenpfad, wo wir aufpassen müssen, daß Willi nicht rutscht. Eigentlich wollte ich auch etwas traben und galöppeln, aber der Schwarze ist heute dazu irgendwie nicht locker genug. Schon beim ersten Antraben merke ich, daß er zwar traben könnte, aber die Leichtigkeit fehlt. Also beschließe ich, es erst mal gut sein zu lassen und bleibe im Schritt.

 

Nach ein paar Trampelpfaden am hingegebenen Zügel nehme ich diese lieber mal auf, als wir an unsere Lets-fetz-Galoppstrecke kommen. Willi bleibt artig im Schritt, fragt aber an, ob wir nicht doch schneller wollen? Ich bleibe erst mal beim Schritt, was er mit einem langen Soifzer quittiert. ;-) Ein wenig später nehme ich die Zügel auf und frage Trab an, aber Willi galoppiert lieber. Aber auch das fühlt sich heute irgendwie falsch an; Willi springt auch irgendwann in den Kreuzgalopp. Also pariere ich wieder durch. 

 

Auch sowas gibts. Egal. Es ist trotzdem schön im Wald in dieser dunstigen Stimmung. Als wir wieder am Stall ankommen, hat das Schwarztier trotzdem einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck. 

Nach der Arbeit: endlich grasen! Auf der Kuppe: Willi und Joe an den Bigboxen
Nach der Arbeit: endlich grasen! Auf der Kuppe: Willi und Joe an den Bigboxen

11.11.2020

 

Am Vormittag nehme ich Amor mit auf die Reitwiese und an die Longe. Schon während der Aufwärmphase mache ich ihm klar, daß wir zunächst mal zum Arbeiten hier sind und nicht zum Grasen. 

 

 

Nachdem wir uns auf beiden Händen ganze Bahn mit vielen wandernden Volten aufgewärmt haben, gehts an den Trab. Ich habe ein Cavaletti auf niedrigster Einstellung hingestellt, über das der Hafi-Senior ordentlich trabt und brav die Beinchen hebt. Ich lasse ihn immer mal wieder kurz angaloppieren. Da die Wiese noch feucht vom Nebel ist, muß Amor sich dazu gut auf die Hinterhand setzen - er weiß das. Deshalb frage ich auch immer nur einige wenige Sprünge ab und pariere dann schnell wieder in den Trab zurück. Rechte Hand klappt das besser als links. 

 

Zwischendurch nehme ich ihn deshalb auch zur Handarbeit kürzer und meine Hand an den Kappzaum. Wir gehen entlang der Bande und entwickeln aus einer Volte heraus Schulterherein. Das klappt linke Hand besser als rechts. Rechts entzieht er sich gerne durch viel zuviel Biegung im Hals und fällt auf die äußere, linke Schulter. Ich bleibe beharrlich dran und bringe auch viel meditative Ruhe in die Arbeit, damit sich das Pony besser konzentrieren und lösen kann. Danach sieht der Trab an der Longe gleich nochmals besser aus. :-) Zur Belohnung darf er dann ein wenig grasen. 

 

Zum Schluß kommt die aller, aller schwierigste Übung für Amor überhaupt: Stillstehen und nicht Grasen während ich einen Haufen von ihm entsorge. Ok, ich schummle ein wenig, indem ich ihm einen Vorschuß-Keks ins Maul stopfe, womit er erst mal beschäftigt ist. Aber nachdem ausgekaut ist, schaut er mir interessiert hinterher und läßt den Kopf brav oben. 

 

Am Abend unterstütze ich Sandra bei der Longenarbeit mit Willi. Einmal entwischt Willi aufgrund zu starker Hilfengebung, dann gelingt jedoch ein schönes Vorwärts-Abwärts im Trab, Willi dehnt sich bei aktiver Hinterhand und schnaubt ab. :-) 

Amor wird langsam weiss(e) ;-)
Amor wird langsam weiss(e) ;-)

12.11.2020

 

Am Morgen hebe ich mal Amors Schopf hoch und begutachte mal wieder, wie weit seine Weisheit schon fortgeschritten ist. ;-) Der Senior, der ja immerhin schon 26 Jahre alt ist, tut sich da als Blondschopf (ebenso wie ich) leicht: weiße Haare sind noch nicht so viele zu erkennen, aber sie werden durchaus mehr. Mit seinem Futter- und Trainingszustand bin ich derzeit weiterhin sehr zufrieden. 

 

Mit Willi gehe ich heute nochmals 1,5 Stunden und erneut 7 km ins Gelände. Ich möchte mal wieder schauen, wie er ohne Hufschuhe zurecht kommt. Allerdings wähle ich trotzdem viele weiche Waldwege und Trampfelpfade. Hin und wieder merke ich, wie er sich schwer tut. Also werden wir in nächster Zeit weiterhin eher mit Hufschuhen im Gelände unterwegs sind. 

 

Der Schwarze ist heute auch wieder grooviger drauf als vorgestern - es sei denn, es kommen zwei weiße Hunde in Sicht. *augenroll* Da hat man ihn gerade mal richtig schön mit aktiver Hinterhand und schönem Spannungsbogen in Anlehnung im Trab...

 

Ich *säusel*: "Wie schöööön, so ein schöner Trab!"

Willi *guckt*: "Oooooh, guck mal! Da! Da! Da!"

Ich *fragendguckt*: "Ja, zwei Hunde, macht nix. Weiter." und biete ihm Dehnung an. 

Willi *hirschigguckt*: "Ooooh, aber guck doch! Da! Da! Da!"

Ich *augenroll*: "Jaaa, zwei weiße Hunde, macht nix. Weiter.", klinge sachte am Gebiß und biete weiter die Dehnung an. 

Willi *glotzt*, pariert fast durch. 

Ich *treib*: "Hallooo? Erde an Willi!" und achte auf die Hinterhand. 

Willi *glotzt*, trabt ein wenig weiter. 

Ich *treib*: "Williiiiiii...???", biete wieder meine Hände und die Dehnung an. 

Hunde sind entfleucht. 

Willi *schnauf*: "Jetzt sind se weg.", nimmt sich ein wenig auf, dehnt sich dann vorwärts/abwärts und schnaubt ab. 

Ich *grins*: "Ach neee...???" 

😂😂😂

 

Aber: wenn das Pferdchen anschließend so zufrieden aus der Wäsche guckt, war alles gut: 

Morgenstimmung
Morgenstimmung

13.11.2020

 

Am Vormittag gehen Gerret und ich mit Willi und Amor eine halbe Stunde spazieren und lassen sie hierbei auch grasen, während Gerret einen Hagebuttenbusch abpflückt. Herbst ist einfach was Schönes. :-) 

 

Gestern habe ich von Elli und Anja einen tollen Tipp bekommen: sie bieten ihren Pferden als Snack neben Stroh auch Laub an. Natürlich kann man hierzu nicht jedes Laub verwenden und auch nicht jedes Laub wird von den Pferden gleich gerne gefressen. Ich krame deshalb zwei Heubags und eine Heutonne hervor und befülle die drei jeweils mit unterschiedlichem Laub: vom Birnbaum, von den Pappeln und von unseren Mirabellenbüschen.

 

Nun bin ich gespannt, ob und welches die Jungs futtern werden. Aber: solange noch Heu da ist, wird das Laub erst einmal verschmäht.

Paula im Apfelbaum
Paula im Apfelbaum

14.11.2020

 

Tja, verwöhnte Vierbeiner... Das Laub hat wohl eher was von einem Müsliriegel. Würden wir Kinderschokolade anbieten, wären Heutonne und Heubags wohl schon leer. Aber so... Mal abwarten. 

 

Am Nachmittag longiere ich Willi auf der Reitwiese, Gerret hat das Mörchen am anderen Ende der Longe. Beide geben sich heute trotz der für November unnatürlich hohen Temperaturen von mehr als 16° Mühe und träbeln und galöppeln fleißig vor sich hin. 

 

Nachdem ich Willi mit vielen wandernden Volten auf beiden Händen im Schritt aufgewärmt und die gleiche Übung im Trab wiederholt habe, stelle ich wieder ein Cavaletti bereit - diesmal gleich auf mittlerer Einstellung. Willi trabt artig drüber, weshalb ich ihn dann auch zum Galopp animiere. Nach zwei Versuchen klappt das auch im Galopp schon sehr ordentlich. Wir pausieren kurz, wonach ich etwas Schulterherein zur Versammlung abfrage. Mein anschließender Versuch, das Cavaletti auf höchste Einstellung zu präsentieren, scheitert. Bei Willi ist wohl auch wegen der Temperaturen nun etwas die Luft draußen, weshalb ich ihn nur noch ein paarmal schön im Trab auf niedrigster Einstellung darüber traben und es dann gut sein lasse. Insgesamt gefällt mir Willis Haltung bei der Arbeit an der Longe zwischenzeitlich sehr, sehr gut. Er nimmt sich immer wieder selbst auf, dehnt sich aber auch immer wieder mit schönem Spannungsbogen vorwärts/abwärts. 

 

Auch das Mörchen hat das heute mit Gerret schön gemeistert - und geschwitzt, weshalb er sich danach erst mal noch gleich auf der Wiese wälzen muß. ;-) 

Dressurarbeit auf der Reitwiese - gut zu sehen: die Volten und Zirkel
Dressurarbeit auf der Reitwiese - gut zu sehen: die Volten und Zirkel

15.11.2020

 

Am späten Nachmittag gehen Gerret mit Amor und ich auf Willi zunächst in 20 Minuten eine kleine Runde um den Stall, damit sich die Pferde gemütlich aufwärmen können. Dann gehts weiter auf die Reitwiese. 

 

Ich zirkle mit Willi zunächst nochmals ein wenig im Schritt umher und trabe dann entlang der langen Seite an: wow! Das Pony ist "on", kommt aus der Hinterhand und fühlt sich toll an. Leider kann er das noch nicht allzu lange halten, so daß ich nach einer halben Runde wieder etwas nachtreiben muß. Aber: das ist das Ziel! Tolles Gefühl! 

 

Zum Lockern galoppiere ich zwischendurch auch gleich mal auf dem Zirkel an. Hauptaugenmerk liegt heute aber auf dem Schulterherein, das wir aus Volten heraus entwickeln. Nachdem sich das im Schritt gut anfühlt, will ich das im Trab wiederholen. Das erste Mal rechte Hand klappt jedoch nicht; ich müßte Willi viel mehr auf die Hinterhand setzen, er "läuft" einfach zu sehr davon, zumal es in dieser Richtung auch minimal bergab geht,. Linke Hand funktioniert dafür gleich, weshalb ich zum Abschluß nochmals auf die rechte Hand wechsle. Nachdem ich schon in der Volte auf eine gute Stellung und Biegung achte und sich Willi dadurch mehr setzt und aufnimmt, bekomme ich drei, vier Tritte im Schulterherein geschenkt, Yes! Das wird auch meine Wunschaufgabe für den in der nächsten Woche anstehenden Lehrgang mit Desmond O'Brien sein. 

 

16.11.2020

 

Am Nachmittag gehen Sarah auf Amor und ich auf Willi 1,5 Stunden ins Gelände. Bei leichtem Nieselregen reiten wir, verhüllt in die BW-Ponchos, los, können diese aber nach einer halben Stunde ablegen. Amor trägt heute nur vorne Hufschuhe, läuft damit aber sehr gut. Willis Hufschuhe halten heute wieder besser und drehen sich nicht. Auch nicht bei einem netten kleinen Galopp, in den er aus dem Schritt sehr brav und ordentlich anspringt. Ansonsten frage ich - die Anregungen von Babette aus ihrem Reitkurs im Kopf - ein wenig Travers ab: ich bitte Willi, seine äußere Seite loszulassen und stelle mir das rein gedanklich vor, gebe dazu die Hilfen und warte ab. *Schwupp* biegt sich der Schwarze und tritt hinten zumindest ein wenig zur Seite, wie ich auch durch einen kurzen Schulterblick feststelle. Das ist noch kein astreines Travers, aber ein Anfang. Und vor allem: es gelingt ganz leicht. :-) 

Fine und Paula
Fine und Paula

17.11.2020

 

Die Jungs finden den neuen Heuballen plöt. Seeeehr plöt. Das Heu ist wesentlich gröber als das bisherige, aber durchaus fressbar. Trotzdem diäten sie heute lieber. Derzeit verzichten sie allerdings auch aufs Stroh, das ich extra nochmals für sie frisch aufgefüllt habe (zur Erinnerung: wenn das mal ein paar Tage im Netz hing, ist es ja nicht mehr frisch genug für die drei Herren...). Na, abwarten. 

 

Am Nachmittag gebe ich zunächst Claudia auf Joe und dann Sandra auf Willi jeweils eine Reitstunde. Mir gibt das immer die Gelegenheit, mein Auge zu schulen und testen, wie schnell ich mit einem Griff in die mir zwischenzeitlich zur Verfügung stehende "Werkzeugkiste" an die Ideen etwas zur Verbesserung beitragen kann. Spannend! :-) 

 

 

Wichtig beim Kurs: Einzelunterricht, Abstand, Maske :-)
Wichtig beim Kurs: Einzelunterricht, Abstand, Maske :-)

18.11.2020

 

Am Nachmittag bringen wir Willi nach Graben-Neudorf, wo die nächsten beiden Tage wieder der von mir organisierte Dressurlehrgang mit Desmond O'Brien stattfindet. Der Schwarze ist sehr artig und steigt gleich hinter mir in den Hänger. Am Kursort angekommen bezieht er seine Box und wartet mit mir geduldig auf eine große Portion Heu. Er schaut sehr aufgeschlossen und neugierig umher, kommt aber auch immer wieder zu mir. 

 

Der Kurs kann auf Basis der in Baden-Württemberg derzeit geltenden Corona-Verordnung unter Auflagen stattfinden. Da der Kurs ohnehin immer in Einzelunterricht stattfindet, muss nur leider die gemeinsame Theorie ebenso wie ein gemeinsames Mittag- und Abendessen entfallen. Damit dies kompensiert wird und die Teilnehmer auch genügend Zeit zum Aufwärmen in der Reithalle haben, die nur von zwei Haushalten gleichzeitig betreten werden darf, werden die Einheiten auf 40 Minuten erweitert. Zusätzlich kommen die Teilnehmer erst 30 Minuten vor ihrer jeweiligen Einheit auf die Anlage und verlassen diese anschließend auch wieder, damit ein Zusammentreffen weitgehend vermieden wird. 

Reitunterricht
Reitunterricht

19.11.2020

 

Am Morgen machen wir mit Desmond zunächst einen Abstecher zum Stall und besuchen das Mörchen. Desmond checkt auch seinen Sattel, der aber noch gut paßt und nicht verändert werden muß. 

 

Angekommen auf der Hardt-Ranch wird auch Willis Sattel überprüft. Dieser muß in der Kammer ein wenig enger gestellt werden. 

 

1. Einheit

 

Ich reite als letzte am Vormittag. Willi ist nicht so gut drauf und läuft unrund - denn er wurde ebenso wie ein anders Kurspferd am Morgen nicht mit Heu versorgt! :-( Erst kurz vor unserer Einheit füttere ich ihm selbständig einen großen Haufen Heu und lasse ihn so zumindest ein wenig den leeren Magen füllen. Dementsprechend piano fangen wir heute Morgen an.

 

Nach ein paar Runden Trab wird Willi munterer und groovt sich ein - und gibt sich mal wieder voll Mühe! :-) Ich muß darauf achten, daß Willi nicht zu tief eingestellt ist und ihn immer wieder mit Forderung nach einer aktiven Hinterhand und kurzen Aufwärts-Arrets aufrichten. Nachdem wir so zunächst das Go sichergestellt haben, schauen wir uns das Schulterherein im Schritt an, was gut funktioniert. Beim Travers wirds schon schwieriger. Zum Abschluß gibts noch ein wenig Galopp. Desmond merkt an, daß ich zwischendurch nicht einfach aufhören darf zu reiten, sondern dranbleiben muß. Mein übliches Problem: ich bin nicht multitasking-fähig; entweder kann ich zuhören oder reiten... %-) 

 

2. Einheit

 

Der Schwarze ist mit gefülltem Magen wesentlich munterer und läuft schon im Schritt zügig vorwärts. Desmond touchiert Willis Hinterhand ein paarmal, was ihn noch mehr aufweckt und flinker werden läßt. So können wir nochmals schön die Sequenzen im Trab vom Vormittag nacharbeiten und auch den Galopp noch ein wenig verbessern. Zwischendrin fordert Desmond immer wieder Handwechsel durch Kurzkehrt. Außerdem gehen wir das Schulterherein im Trab an. Durch Desmonds Unterstützung vom Boden aus kann ich auch nachfühlen, wieviel Schmackes notwendig ist, damit Willi im Trab ein ordentliches Schulterherein zeigen kann.

 

Insgesamt bin ich überrascht und mehr als zufrieden, wie toll mein Pony heute mitgearbeitet hat. Das ist eine deutliche Steigerung zum Februar. 

Go, Willi, go! :-)
Go, Willi, go! :-)

20.11.2020

 

1. Einheit

 

Willi hat heute ausgiebig gefrühstückt. Ebenso bin ich bereits 20 Minuten mit ihm draußen spazieren gegangen, so daß er sich die Beine von der Boxenruhe schon vertreten konnte. Für die dritte Einheit ist er noch immer ziemlich munter - trotzdem muß Desmond uns wieder ein wenig vom Boden aus unterstützen, damit der Schwarze es sich nicht zu bequem macht. Wir wiederholen die Übungen von gestern und arbeiten mehr am Travers. Ich habe einen Knoten im Kopf: entlang der Bande kann ich mir das vorstellen, mitten in der Bahn, aus einer Kehrvolte geritten, überlege ich zuviel... %-) Das gleiche Problem habe ich, wenn Desmond mich eine Kurzkehrt anweist: denke ich zuviel nach, wird die Wendung stockend und unrund. Wende ich einfach selbst, ist die Kurzkehrt flüssig und gut. Nun, denn... Wir widmen uns heute auch nochmals meinem Sitz. Leider habe ich mir angewöhnt, zu viel zu knuffen und zu treiben. Außerdem treibe ich nicht einmal, sondern zweimal in einer Sequenz. Hier muß ich in nächster Zeit viel mehr loslassen. Außerdem muß ich darauf achten, daß ich meinen Oberkörper viel, viel mehr mit in die Bewegung nach vorne mitnehme, da ich beim Leichttraben zu senkrecht aufstehe. 

 

Galopp
Galopp

2. Einheit

 

Um Willi nicht an seine Energiegrenzen zu bringen, beginnen wir die letzte Einheit vom Boden aus. Desmond zeigt mir das Touchieren der Hinterhand und vor allem, wie ich das äußere Hinterbein im richtigen Zeitpunkt treffen kann. Das ist knifflig und muß ich zu Hause mal ohne Pferd üben. Vom Sattel aus fragen wir für die letzten Minuten nur sehr kurze, knackige Trab- und Galoppsequenzen ab. So hat Willi immer kurz Pause zwischendurch, wird viel, viel gelobt und bleibt frisch. Tatsächlich hat er gestern und heute gar nicht sonderlich geschwitzt. Auch die Atmung war immer in Ordnung. :-) 

 

Dennoch bekommt das Schwarztier für die Heimfahrt im Hänger eine Decke auf. Er steigt brav ein und ist auch auf der Heimfahrt sehr artig. Zu Hause wird er freudig von Joe und Amor begrüßt. 

 

Fazit: Ich muß mit dem Oberkörper mehr mitgehen, weil ich Willi sonst im Vorwärts behindere. Meine Unterschenkel müssen ruhiger werden und dürfen nicht mehr zuviel treiben - und vor allem nur im richtigen Moment. Viele ganz kurze Arbeitssequenzen sind besser, als längere Trab- oder Galoppstrecken - wenn Willis Haltung und Engagement gut war, reicht auch zunächst ein halber Zirkel. Das Touchieren der Hinterhand soll ich hin und wieder an der Hand einbauen, damit er flinker wird. Schulterherein im Trab funktioniert nur bei genügend Energie, damit Willi schwingen kann. Wir haben uns seit dem letzten Kurs im Februar gut weiter entwickelt; jetzt hat Willi in der anstehenden Schlecht-Wetter-Phase erst einmal ein wenig Pause.

 

Als ich am Abend zu Hause angekommen vor unserer Wohnungstür stehe und auf Gerret warte, der unser Auto parkt, touchiere ich mit der Touchierpeitsche unseren Zierstrauch. ;-))) Ich nehme mir jeweils vor, genau dieses oder jenes Blatt zu treffen. Nach ein paar Versuchen klappt das ziemlich gut! Das werde ich jetzt immer mal üben. 

Was fällt mir bei diesem Video auf? 

 

Grundsätzlich bin ich insbesondere mit Willis Entwicklung sehr zufrieden. Er tut sich anfangs zwar immer schwer, die Hinterhand zu beugen, was im Verlaufe der jeweiligen Reiteinheiten besser wird. Das ist natürlich auch seiner Zuchtrichtung als Reitpferd geschuldet, wo Schub- und nicht Trabkraft im Vordergrund steht. Auch seine gerne zu tief eingenommene Kopfhaltung hat hier sicherlich seinen Ursprung. Wichtig ist hier, daß zunächst die Hinterhand aktiviert wird, bevor man vorsichtig vorne mehr Aufrichtung verlangt bzw. kommt diese dann von selbst zustande. 

 

Mein Sitz gibt mir da insgesamt schon deutlich mehr zu denken. Da Willi gerne etwas träger ist, habe ich mir augenscheinlich ein ziemliches Schenkelklopfen angewöhnt. Nicht schön! :-( Vor allem beim Einsitzen im Leichttraben knuffe ich da sehr deutlich - was natürlich einen Abstumpfungseffekt auf den Schwarzen hat. Wieso meine Fußgelenke dazu dann auch noch so vor sich hinwackeln...? Damit einher geht auch meine viel zu aufrechte Haltung, vor allem im Leichttraben. Ich stehe zu senkrecht auf, was das Pferd im Vorwärts behindert. Ergo könnte eine gewissen Trägheit auch hausgemacht sein. Hin und wieder fällt mir ein Festhalten am Zügel auf. Hier muß mein Sitz noch zügelunabhängiger werden. Vor allem im Galopp lasse ich dafür die Zügel zu sehr "springen" - mein altbekanntes Problemfeld: ich meine immer, im Galopp viel machen zu müssen und das Pferd dazu vorne keinesfalls festhalten zu dürfen, damit wir überhaupt galoppieren. Galoppieren wir dann, höre ich auf zu reiten, damit ich nicht störe. Der Mittelweg wäre perfekt. ;-) 

 

Meine Hausaufgaben für die nächsten Wochen: 

  • Ruhiger, losgelassener Schenkel, stabile Fußgelenke, hierzu immer mal verschiedene Steigbügellängen ausprobieren. 
  • Die Haltung des Oberkörpers variieren und ausprobieren, immer nach vorne in die Bewegung mitnehmen. 
  • Antreten, Antraben, Angaloppieren üben in folgender Reihenfolge: Energie aufbauen, halbe Paraden, Stimmhilfe, leichter Schenkel, aufmunternde Gerte. 
  • Lob auch schon auf leichteste Anzeichen einer Reaktion, gegebenenfalls auch schon beim nur mal Schnellerwerden (z. B. vor dem Antraben), damit Willi weiß, daß er zumindest in die richtige Richtung denkt. 
  • Kurze, energiegeladene Reprisen, gefolgt von Pausen mit viel Lob. 
Auf dem Trailweg
Auf dem Trailweg

21.11.2020

 

Am Nachmittag gehe ich mit dem Mörchen auf die Wiese neben den Pferdeanhängern - da ist das Gras einfach noch ein wenig kürzer als auf der Reitwiese, und so kann sich Amor bei der Handarbeit ein bißchen besser konzentrieren. Anschließend muß ich allerdings nicht nur Amor die Hufe gut auskratzen, sondern auch meine eigenen Stallschuhe... Der Boden gibt nun aufgrund des Regens der letzten beiden Tage doch schon deutlich nach. 

 

Nachdem ich Amor einige Runden warmgeführt habe, nehme ich vorsichtig die Zügel auf und lasse ihn zunächst antreten, alsbald wieder anhalten, ein paar Tritte rückwärts treten und wieder von vorne. Es schließt sich das Übertreten an der Hand an, bevor wir aus Volten heraus das Schulterherein entwickeln. Bei Amor ist es immer wichtig, alles sehr ruhig und konzentriert abzufragen, weil er sonst zu hektisch wird. Gleichzeitig nimmt er sich durch stete und ruhige Arbeit immer viel besser selbst auf. So kann ich dann auch Travers abfragen. Zum Abschluß nehme ich die lange Touchierpeitsche zur Hand und versuche auch hier - ganz ruhig! - ein paar halbe Tritte zu erarbeiten. Allerdings wird Amor dabei sehr schnell unruhig und nervig. So gehe ich rückwärts immer erst eine Runde vor/neben ihm her und streiche ihn immer wieder mit der Peitsche ab. Aus dem Rückwärts heraus zeigt er dann ein paar halbe Tritte. Nach ein paar Schritten im Spanischen Schritt hat er dann nach ca. 30 Minuten Feierabend. 

 

Bei Ebay habe ich endlich eine eigene Schermaschine ersteigert und muß sie mir nun nicht mehr ausleihen, wenn ich Willis Behang kürzen möchte, um die Mauke besser im Blick zu haben. Mit dem Farmclipper von Kerbl, der über zwei Akkus verfügt, gehe ich langsam zu Willi hin, den das laute Geräusch aber gar nicht stört. So kann ich ihm vorne die Fesselbeugen schön freischeren. Auch an den Hinterbeinen entlang der Hinterseite des Röhrbeins schere ich ihn kurz, weil er dort wieder Raspe entwickelt hat. :-( Zum Glück hat es aber noch nicht wieder angefangen zu jucken, obwohl sich da schon einiges an Schuppen und Krusten löst. Den Rest hiervon kämme ich an allen Vieren mit dem Furminator aus und shampooniere mit Totem-Meersalz-Shampoo. Zum Schluß werden alle Beine gut abgetrocknet und trocken gerubbelt und mit Aloe Vera-Spray eingesprüht. Mein Schwarzer ist bei solchen Behandlungen immer vorbildlichst brav! ❤️ 

22.11.2020

 

Zusammen mit Sandra auf Amor gehen Willi und ich am Vormittag eine starke Stunde ins Gelände. Gem. der Equilab legen wir dabei 6,3 km zurück, wobei wir 7 Minuten traben und 25 Sekunden (unbeabsichtigt) galoppieren. ;-) 

 

Ich konzentriere mich schon beim Aufwärmen in Richtung Wald ausschließlich auf meinen Sitz und meine Energie, wenn ich Willi etwas flotter haben möchte. Das klappt leidlich, bedarf also einiger Übung. Da ich wesentlich besser auf innere Bilder reagiere, stelle ich mir vor, wie ich selbst munter joggend loslaufe. Najaaaa, da ich diesbezüglich nicht die Engagierteste bin und Joggen völlig überbewertet finde, ist das vielleicht nicht wirklich das reellste Bild... Da muß ich mir was anderes überlegen. 

 

Im Wald träbeln wir an. Ich achte auf meine Schenkel, locker, losgelassen und auf meine Fußgelenke. Mmmh, da ich mich da nur auf mein Gefühl verlassen kann und kein visuelles Feedback bekomme, muß ich mich damit zufrieden geben, daß es sich anders als sonst und ruhiger anfühlt. 

 

Auf der nächsten Strecke üben wir Schritt-Trab-Übergänge. Da ich noch immer auf meinen Sitz, meine Energie und einen vorsichtigen Einsatz meiner Schenkel achte, bummelt Willi mehr oder weniger nur dahin, reagiert aber flott auf die geforderte Gangart. Dafür möchte ich auf der anschließenden Passage, die wir sonst immer gerne galoppieren, einen etwas muntereren Trab. Willi so: *träum* *bummel* *gääääähn*, ich: "Hallo...?"... Nachdem er auch beim dritten Versuch mittels Energie, Stimme, Schenkel und Gerte so gar nicht reagiert und nur weiter vor sich hinträumt, gibts ein deutliches Hallo-Wach-!!! in Form von einem eben doch mal deutlichen Klaps mit der Gerte und einer energischen Ansprache. *Schwupp* isser da. Aha. Da muß ich irgendwie auch mal einen Mittelweg finden zwischen einem Verträumt-durch-den-Wald-Bummeln und dem Bin-ganz-wach-Modus. 

 

Um Willi zu einem etwas energischeren Schritt zu bekommen, übe ich auf dem Heimweg folgendes vom Boden aus, da wir ohnehin mal wg. dem Mörchen absteigen mußten: das Pferd soll an meiner Schulter bleiben und mein Tempo mithalten. Da bummelt der Schwarze anfangs doch wieder eher, weshalb ich, links von ihm laufend, meine rechte Schulter nach vorne drehe, mit der linken Hand, die die Gerte hält, hinten sachte treibe und als ermunterndes Stimmkommando "Auf, auf!" anwende. Nach ein paar Versuchen hat Willi verstanden, so daß ich auch schon Tempowechsel einbauen kann. 15 Minuten später sitzen wir wieder auf. Die Stimmhilfe kann ich dann auch im Sattel abfragen. 

23.11.2020

 

Nachdem Amor mit Sarah in Begleitung von Laura und Joe schon eine Stunde im Gelände war, schnappe ich mir um 16.45 Uhr das Schwarztier, statte ihn und mich mit vielReflektorzeugs und Blink-Blink aus und laufe mit ihm eine Dreiviertelstunde im Wald spazieren. Hin und wieder bleibt er mal stehen und lauscht, bleibt aber ansonsten ruhig. Unterwegs treffen wir auf zwei Pkw und einen Traktor. Nur auf dem Heimweg macht Willi plötzlich unvermittelt einen Satz nach vorne, ich muß den Strick loslassen, so daß er 20 Meter weitergaloppiert, auf mein Rufen hin aber stehen bleibt, nochmals guckt und dann lieber erst mal Gras frißt. :-)

24.11.2020

 

Am Abend nehme ich am FN-Webinar Kompakt erklärt: Seitengänge mit Christoph Hess teil, was gerade sehr gut paßt, weil das ja ohnehin gerade auch ein Thema bei Willi und mir ist. Wie Desmond bereits letzte Woche stellt Herr Hess klar: Voraussetzung ist ein losgelassenes und taktmäßiges "Go" - nur ein Dahinbummeln schon vor Einleitung des Seitengangs bringt nichts. Darüber hinaus gilt natürlich ohnehin die Maxime: am Anfang nur ganz, ganz wenig, eher Schultervor oder nur ein paar Schritte/Tritte. Geht das gute Vorwärts verloren, muß man abbrechen und sich die Lektion neu erarbeiten. Im Prinzip war das nichts Neues, aber es ist einfach immer gut, wenn man so etwas kompakt nochmals in einem 1,5-stündigen Webinar zusammengefaßt erklärt bekommt.

 

Die Jungs haben nun aber ohnehin erst einmal Winterpause. Unter der Woche wird es nun aufgrund der frühen Dunkelheit für mich schwierig werden, noch zum Reiten zu kommen. Aber eine sechswöchige Pause, bis die Pferde zum Training auf den Quellberghof kommen, ist immer gut.

 

Das Mörchen freut sich derzeit über die 2x 3 kg Heucobs, die er nun aufgrund des aktuell sehr groben Heus angeboten bekommt. Dennoch meine ich, daß er nun wieder anfängt, auch dieses Heu zu fressen - zumindest hoffe ich das, denn 40 kg in 24 Stunden nur für Willi und Joe........