Herbst-Feeling
Herbst-Feeling

01.10.2019

 

Zusammen mit Sarah erledigen Gerret und ich am frühen Abend die Stallarbeit. Während Gerret noch auf die Heulieferung wartet, gehen Sarah und ich mit Amor und Willi eine halbe Stunde im leichten Regen spazieren.

 

Das Stroh nehmen die Pferde zwischenzeitlich wieder gut an, es wird immer mal daran geknabbert. 

Im Stall
Im Stall

02.10.2019

 

*mrpf* Das miesepetrige Herbstwetter hat sich wirklich festgesetzt. Auch heute regnet es immer wieder.

 

Am Morgen komme ich um 05.45 Uhr zum Stall - und ein etwas verschlafen aussehendes Schwarztier rappelt sich im Weidezelt vom Softbett auf. :-) Na, endlich liegt dort auch mal jemand, für den es gedacht ist. 

 

Am Nachmittag haben wir Glück und der Regen verzieht sich endlich. Man merkt allerdings, die nötig der Boden den Regen hat: trotzdem es in den letzten beiden Wochen sehr, sehr oft geregnet hat, können wir die Jungs noch immer ohne Probleme tagsüber auf die Winterweide lassen, und auch die Reitwiese ist noch immer sehr gut nutzbar. Dort haben Willi und ich heute am späten Nachmittag wieder eine Bodenarbeitseinheit bei Steffi. 

 

Da Willi in der letzten Woche so gut auf die Freiarbeit reagiert hat, habe ich das heute als Thema ausgesucht. Steffi erklärt, daß ich versuchen soll, Willi aus verschiedenen Positionen zu führen. Er soll nicht nur, wie ich es sonst immer mache, mit seinem Kopf an meiner Schulter angedockt bleiben, sondern auch weiter vorne. Letzten Endes muß ich ihn dann ja schließlich auch aus jeder Position (z. B. hinter dem Pferd stehend) leiten können. Um ihn ein wenig aufzuwecken und besser vorwärts zu schicken, soll ich meine Gerte in die äußere Hand nehmen meine Willi zugewandte Schulter nebst Arm nach vorne zeigen lassen und mit den die Gerte haltenden äußeren Arm nach hinten weisen. Das hat den Vorteil, daß sich das Pferd in einer Volte z. B. auch wesentlich besser um mich biegen kann. Das klappt tatsächlich ziemlich gut, Willi läuft etwas weiter vorne bei mir mit und wird auch munterer. Ich muß mich derweil auch erst einmal besser sortieren: nicht die ganze Zeit das Pferd anschauen, sondern nach vorne, wo ich hinwill (und dabei darauf vertrauen, daß Willi bei mir bleibt, was ich aber auch gut über einen Schulterblick auf den Popo kontrollieren kann) und, aufpassen, daß Willi nicht zu nah an mich herankommt (dann mit den Fingerspitzen auf seine Backen tippen oder die Gerte mal zwischen uns nehmen). Da wir schon gut aufeinander eingespielt sind, lege ich Willi den Strick, der anfangs noch unsere Verbindung war, recht schnell um seinen Hals. Es klappen auch Volten gut und ich kann das Schwarztier nur mittels Körpersprache durch den Pylonen-Slalom lotsen, so daß wir dann auch den Trab hinzu nehmen. 

 

Irgendwann merke ich, daß Willi unkonzentriert wird und verpasse leider den Zeitpunkt für einen prompten Abschluß, so daß er mir dann am Ende doch zweimal von der Schulter weicht und lieber seinen eigenen Weg geht. Aber ich hole ihn mir nochmals an die Schulter, lasse ihn durch eine Ecke laufen und schließe damit ab. Supi! Das werden wir auf alle Fälle weiterverfolgen. 

Auf der Winterweide
Auf der Winterweide

03.10.2019

 

Willi lag auch letzte Nacht wieder im Strohbett. Supi!

 

Am späten Vormittag machen wir einen Abstecher nach Bilfingen. Dort ist heute Fahrertag mit einigen Fahrprüfungen. Vor allem die Ponys, auch winzig kleine Shettys, machen das total super mit ihren teilweise wirklich sehr jungen Fahrern. :-) 

 

Am Nachmittag nutze ich dann das heute trockene Wetter aus, um mit Willi wieder auf die Reitwiese zu gehen. Ich reite ihn lange warm und frage zwischendurch immer mal an, ob er gerne nachgeben oder abkauen möchte. Möchte er aber nicht. Also verlege ich mich aufs Schenkelweichen in Form von Viereck vergrößern und verkleinern. Das hilft. Der erste Trab ist etwas verhalten, weshalb ich vom Zirkel lieber anfangs auf die ganze Bahn wechsle, um Willi Raum nach vorne zu geben. Den nutzt er allerdings rechte Hand gleich mal aus, um loszugaloppieren und dabei auch noch zweimal zu buckeln. Aha. Dafür gibts nen Klaps mit der Gerte. Da ich bei sowas ja immer gleich Kopfkino bekomme, sitze ich die nächsten Runden im Trab aus, weil mir das mehr Sicherheit gibt. Der Schwarze bleibt brav und träbelt ordentlich vor sich hin. Linke Hand können wir so durch Vorarbeit auf einer Volte einige Tritte Schulterherein reiten. Wow! Tja, dafür siehts rechter Hand etwas mau aus. Ich hab ein wenig Kopfkino und merke, wie Willi sich auf dieser Hand immer lieber vom Trab in den Galopp entziehen möchte. Würde ich mich nur trauen, tatsächlich mal ganze Bahn zu galoppieren... Aber ich trau mich nicht. Also frage ich lieber Schritt-Halt- und dann Schritt-Trab-Übergänge auf dieser Hand ab. Während all dem gibts zwischendurch immer mal Stehpausen am durchhängenden Zügel. Nach starken 30 Minuten lasse ich es dann auch gut sein. Ein wenig enttäuscht bin ich schon - aber solche kleinen Sternstündchen wie demletzt lassen sich halt nicht auf Knopfdruck und am Band abfragen. 

Weidepflege: Nachsaat im Herbst
Weidepflege: Nachsaat im Herbst

04.10.2019

 

Ein wenig spät, aber noch einigermaßen zeitig: heute säen wir die Weiden nach. Ich möchte mal ausprobieren, wie sich eine Nachsaat im Herbst auswirkt. Da es die letzten beiden Wochen gut geregnet hat, ist der Boden schön feucht, so daß die Grassamen gut haften bleiben. Außerdem ist es heute Morgen schön windstill. Wir säen auch die Winterweide nach, auf der die Pferde mit ihrem Vertritt die Grassamen dann auch gut festtreten können. 

 

Insgesamt bin ich mit dem Bestand auch jetzt ziemlich zufrieden. Bis auf Weide Nr. 5 haben wir eine schön geschlossene, dichte Grasnarbe. Deshalb säe ich heute Weide Nr. 5 mit ein wenig mehr Samen nach und behalte auch noch etwas fürs Frühjahr übrig. Einzig auf Weide Nr. 1 fällt mir auf, daß sich dort an einigen Stellen doch ziemlich der Klee breitgemacht hat. Das müssen wir im Frühjahr mal beobachten, wird sich aber dann denke ich wieder von alle durch die vielen Obergräser, die dem Klee das Licht nehmen, regulieren. 

 

Während ich mit dem Eimer in zügigem Tempo und weit ausholenden Bewegungen über Weide Nr. 5 laufe, werde ich von einem interessiert dreinschauenden Willi beobachtet: man sieht förmlich die vielen Fragezeichen über seinem Kopf. 😂

 

Die nächsten Tage soll es nochmals viel regnen, aber noch nicht zu kalt werden. Jetzt heißt es abwarten. 

 

Wir verbringen ansonsten einen gemütlichen Nachmittag mit sehr netten Pferdemenschen: über einen Aushang auf dem Fuhrmannstag letzte Woche haben wir eine Wiesenegge für Willi gefunden, die etwas leichter ist als die, die wir schon haben. Als wir diese abholen, werden wir gleich zu einem Kaffee eingeladen, und es ist toll zu hören, wie viel so ein alter Fuhrmann aus seinem Pferdeleben zu berichten hat. 

05.10.2019

 

In der letzten Nacht hat es weitere 15 l/qm geregnet. Gut für die Weidenachsaat, aber damit müssen wir die Winterweide nun für die nächsten Tage schließen, bis sie wieder einigermaßen abgetrocknet ist. Die Jungs bleiben heute also den ersten Tag nur auf dem Paddock. 

 

Am Nachmittag bin ich mit Kirstin zum Ausritt verabredet. Zuvor bekommt das Mörchen allerdings die gestern dem Wetter zum Opfer gefallene Einheit Handarbeit. Nach ein paar Führübungen frei neben mir mit Anhalten und Rückwärtsrichten nehme ich die Zügel auf und lasse Amor zunächst ganz Bahn und auf dem Zirkel gehen, achte dabei auf eine korrekte Stellung und Biegung. Die Handwechsel absolviert Amor in Form von Vor- oder Hinterhandwendungen. Nach dem Übertreten auf einer Volte auf beiden Händen und etwas Schenkelweichen zu- und abgewandt der Bande gehen wir in den Trab. Amor soll auf Kommando hin antraben, wozu er sich die ersten paar Male etwas Zeit läßt. Dann hats geschnackelt und er trabt brav vor sich hin. Die Volten im Schritt nehmen wir dann zur Vorbereitung von Schulterherein und Travers. Zum Abschluß frage ich halbe Tritte entlang der Bande ab, die ich heute aus dem Rückwärts mit Antraben hieraus entwickeln will. Nachdem ich Amor rückwärts gerichtet habe und hieraus zweimal habe antraben lassen, reicht schon die etwas angehobene Gerte beim dritten Mal und der Blondschopf zeigt halbe Tritte - allerdings mit einem Hirschhals und einer Kopfposition, die jenseits von Gut und Böse ist... Da muß ich mich erst noch besser koordinieren. Dafür frage ich dann doch noch Spanischen Schritt ab, wozu ich die Zügel nunmehr in eine Hand recht kurz auf dem Mähnenkamm aufnehme. Das kennt der Senior und findet sich selbst totaaaal gut. ;-) 

 

Danach gehts 1,5 Stunden mit Willi und in Begleitung von Kirstin auf Joe ins Gelände. Wir träbeln ein wenig und galoppieren auch eine nette Strecke, wobei der Schwarze anfangs einen Buckler läßt und zwischendurch einmal zur Seite hüpft, weil da ein Sicherungskasten am Wegrand liegt. Ja, zugegebenermaßen, kann man das machen - wenn wir nicht schon zweimal dran vorbeigekommen wären... ;-)

 

Wieder am Stall entdecken wir, daß Amor in die Sattelkammer eingebrochen ist und dort mit voller Begeisterung seine dritte Portion Heucobs für heute futtert. 😳 Gott sei Dank ist das wohl erst kurz vorher passiert. 

07.10.2019

 

Amor wird am Vormittag von Anne 30 Minuten auf der Reitwiese dressurmäßig bespaßt und Willi geht abends mit Sarah eine halbe Stunde spazieren.

Haferschlinger mit Blümchen
Haferschlinger mit Blümchen

08.10.2019

 

Gerret und ich haben am späten Nachmittag Glück, erwischen eine Nieselregenpause und gehen mit Amor und Willi eine halbe Stunde spazieren. Zwischendurch dürfen sie grasen, was mit großer Begeisterung angenommen wird.

 

Amors Äppel sind seit einigen Tagen etwas weicher und heller wie sonst - das Gras fehlt. Ansonsten sieht er aber sehr gut aus. 

 

Willi wasche ich nach dem Spaziergang sein linkes Beinpaar mit Totes-Meersalz-Shampoo, da sich dort wieder leichte Krusten zeigen. Ich möchte den Anfang von Mauke gleich entsprechend behandeln und schmiere die Stellen anschließend mit Propoliscreme ein. Außerdem behandle ich seine Strahlfurchen rein prophylaktisch mit der Kevin Bacon-Solution, weil mir die mittleren Strahlfurchen schon wieder etwas tief erscheinen. 

Amor und Sarah
Amor und Sarah

09.10.2019

 

Den ganzen Tag ist eigentlich schon herbstliches Regenwetter angesagt, aber es bleibt trocken. Solange, bis Sarah und ich uns am Stall treffen und auf Amor und Willi die ersten 15 Minuten ins Gelände unterwegs sind. ;-) 

 

In weiser Voraussicht haben wir die BW-Regenponchos mit aufs Pferd gepackt, die wir schnell überziehen. Bei gutem Wetter kann ja jeder... 

 

So zuckeln wir bei mal mehr oder weniger heftigen Schauern und zwischendurch immer kurzem Aufklaren durch den Wald, träbeln und galoppieren auch eine gute Strecke. Willi findet das Wetter klasse und klettert energisch jeden Anstieg hinauf. Auch beim Galopp muß ich kaum treiben, er galoppiert kraftvoll aber sehr kontrolliert vorwärts. Auf den letzten 200 m im Wald wird es dann doch etwas windiger und ich habe ständig den Blick nach oben auf die hohen Bäume gerichtet, in denen hin und wieder ein loser Ast hängt. Willi läßt sich einwandfrei auch einhändig reiten und steht jederzeit brav an den Hilfen - so muß das sein im Gelände. :-) Mir fällt heute auch auf, wie gut er sich zwischenzeitlich bergab ausbalanciert, sich nicht nach vorne auf die Vorhand fallen läßt, sondern auch die Hinterhand einsetzt. 

 

Wieder am Stall: der Regen hört auf. Hach ja... Aber nur kurz. Wir füttern die Pferde und Katzen, stopfen noch die Netze mit dem heute gelieferten Heu aus dem neuen Quaderballen. Meine heute tagsüber teilweise vorhandene schlechte Laune ist verflogen. Nix besseres als ein gemütlicher Ausritt auf einem braven Pferd am Abend. Egal, wie das Wetter ist. 

Unterwegs im Regen
Unterwegs im Regen
Mit Willi im Gelände
Mit Willi im Gelände

11.10.2019

 

Yippieh, endlich mal wieder Sonnenschein! Während Amor auf Weide Nr. 5 grasen darf, gehen Laura und ich mit Joe und Willi 1,5 Stunden ins Gelände. 

 

Fürs Schwarztier sind die heutigen 20° schon wieder recht warm, so daß er nach der ersten längeren Trabstrecke schon etwas angeschwitzt ist. Wir bleiben daher zunächst weitestgehend im Schritt und galoppieren erst schon wieder in Richtung Heimat den schönen lang geschwungenen Waldweg hinauf, auf dem Willi demletzt schon brav links angaloppiert ist, dann aber seinen Hufschuh verloren hat. 

 

Heute hält der Hufschuh - und Willi galoppiert wieder links. :-) Ich kann ihn, nachdem er mir kurz ausfällt, sogar erneut links angaloppieren. Dann pariere ich nochmals zum Trab durch und lasse ihn rechts anspringen. Er muß sich schon anstrengen, um mit Joe mithalten zu können. Galopp, vor allem längere Strecken, sind ja nicht gerade des Kaltbluts besondere Stärke. Aber er gibt sich sooo doll Mühe, daß ich ihn anschließend außerordentlich lobe. Was ein toller Junge!!! :-) Ich steige dann auch ab und führe ihn eine längere Strecke bergab und steige erst am Waldrand wieder auf.

 

Unterwegs treffen wir noch auf einen freilaufenden, nicht auf die Besitzerin hörenden und unsere Pferde laut freudig ankläffenden und um diese herumspringenden Hund (*augenroll* - ich erspare mir jetzt mal weitere Kommentare, das hätte für Hund und/oder Pferd auch anders ausgehen können...) und einen riesigen Traktor mit langem Auflieger. Aber Willi und Joe sind einfach spitze und bleiben absolut gelassen. 

 

Bis wir zu Hause am Stall ankommen, ist Willi wieder trocken und darf sich mit Joe noch ein wenig zu Amor auf die Weide gesellen, während wir aufräumen und das Futter für die Nacht richten. 

 

Als ich die Jungs mit einem Pfiff zur Abendfütterung rufe, kann der Schwarze schon wieder buckelnd über die Weide schießen. ;-) 

12.10.2019

 

Die Pferde dürfen ab heute wieder ganztags auf die Winterweide und bekommen dort Heu aus Netzen angeboten. Das nehmen sie auch gerne an und kommen sogar selbständig wieder zurück zum Stall, da eben kaum noch nennenswert Gras auf der Weide steht. 

 

Am Vormittag nehme ich das Mörchen an der Longe und ausgestattet mit Longiergurt und den Körperbändern mit auf die Reitwiese. Die Einheit gestaltet sich allerdings etwas schwierig, weil Amor viel nach dem frischen Grün unter ihm happst, das wesentlich höher als auf der Winterweide steht, was irgendwann in einer wilden Galoppade um mich herum endet, weil ich dann auch irgendwann stinkig werde. *mrpf* Ich beschäftige ihn deshalb mit vielen Handwechseln, die seine hohle linke Seite auch etwas lockern, denn mit Stellung und Biegung rechts tut er sich heute unheimlich schwer. Naja, weiter. Dafür glänzt er auf dem Rückweg zum Stall mal wieder mit seiner absolut klaren Gelassenheit: ein Traktor mit auf der Anhängerkupplung angehängtem Spalter und Lieferband steht quer über dem Weg, es wird Holz gespalten, welches über das Lieferband direkt in einen nebenan stehenden Pkw-Anhänger geworfen wird. Alles groß, laut, scheppernd. Wir müssen über einige Holzklafter steigen und haben nicht einmal einen Meter Platz, um zwischen laufendem Spalter, Lieferband und Zaun durchzukommen. Aber: kein Problem. Das Mörchen läuft mir einfach hinterher, bleibt cool und schaut nur neugierig. Also hab ich heute doch noch was Tolles zum Loben. :-)

 

Nachmittags fahre ich dann nach Bretten zur Pferdeklinik. Ich habe mich für den dort heute Mittag stattfindenden Erste-Hilfe-Kurs für Pferde angemeldet, der von einer jungen Tierärztin gehalten wird, die seit letzten Sommer in der Pferdeklinik tätig ist. In einem ca. einstündigem Power-Point-Vortrag gehen wir die gängisten Notfälle durch und bekommen Tipps für die Erstversorgung und Don'ts, was man am besten nicht machen sollte. Wichtig sind natürlich die PAT-Werte: 

 

Puls:                      28-40

Atmung:               8-16

Temperatur:        37,5°-38,3°

 

Nach einer kurzen Pause mit im Preis inkludierten Imbiß dürfen wir zunächst das Gewicht eines kleinen, dicken Ponys schätzen; wer das Gewicht am besten einschätzen kann, gewinnt eine Notfall-Box zur Erstversorgung für Pferde. 

 

Dann gehts in der Praxis weiter: wir dürfen Verbände an zwei Pferden anlegen und den Puls fühlen. Auch dabei bekommen wir viele Tipps. Als ich nach dem Abhören mit dem Stethoskop frage, darf ich auch hier mal Hand anlegen und höre den Herzschlag, den Dünndarm, den Dickdarm und den Blinddarm ab. 

 

Zum Abschluß wiegen wir das Pony noch live auf der klinikeigenen Waage - ich liege leider mit gut 30 kg daneben. Allerdings ist unsere Stallapotheke ohnehin mit den wichtigsten Dingen befüllt, die man haben sollte (eine nicht abschließende Aufzählung habe ich schon mal hier veröffentlicht: Tipps). Wir bekommen auch eine Tüte mit schriftlichem Werbematerial und Hinweisen zu verschiedenen Pferdekrankheiten, ein Veterinär-Thermometer, ein Maßband, ein Impfplan und weitere nützliche Sachen. Für die 40,00 EUR, die der Nachmittag gekostet hat, bekommt man also auch neben der ganzen Info und vielen Tipps schon einiges mit und kann zudem viele Fragen stellen. 

13.10.2019

 

Die Pferde haben heute Pause und genießen bei goldenem Oktoberwetter mit über 25° den Weidegang - das Stallpersonal hat Arbeitseinsatz. Unterstützt von Laura und Max, Sarah und Michi, Kirstin, Anne und Juline wird heute die Sattelkammer ausgeräumt, alles geputzt und wieder ordentlich aufgeräumt. Während Michi, Max und Gerret die alte, nach über 15 Jahren nun schon zerschlissene Plane über der Holztrennwand zwischen Pferdebox und Sattelkammer gegen eine neue 3 mm dicke und transparente PVC-Plane austauschen, putzen wir Mädels noch das Sattelzeug. Außerdem haben wir die Gummimatten im Stall entfernt, damit die dicken Holzbohlen vor dem Winter mal wieder richtig durchtrocknen und nach einigen Tagen wieder ordentlich verlegt werden können, da die Matten schon ein wenig auseinander gerutscht waren und Stolperfallen bildeten. 

 

Die Arbeit, in Rekordzeit von nicht einmal 3,5 Stunden erledigt, kann sich sehen lassen! :-) Nun fällt in die Sattelkammer auch bei geschlossener Tür wieder wesentlich mehr Tageslicht, das Sattelzeug ist gut eingeölt und im Stall hat es wesentlich mehr Platz als vorher, weil alles, was man nicht täglich in die Hand nimmt, mal wieder richtig aufgeräumt wurde. 

 

Danach sitzen wir gemütlich auf der Weide, trinken Kaffee, Tee oder Apfelsaftschorle und futtern Kuchen und Muffins. Mit Juline und Kirstin grillen Gerret und ich am frühen Abend auch noch und sind dann froh, um 19.00 Uhr unter der kühlen Dusche zu stehen.  

 

Ich bin totaaaaal happy, daß wir so eine tolle Stallgemeinschaft haben, die bei solchen Events ganz problemlos zusammenhält und Hand in Hand arbeitet! :-) :-) :-) 

Sarah und Amor
Sarah und Amor

14.10.2019

 

Willi wird am Vormittag von Anne auf der Reitwiese geritten und Amor am Spätnachmittag von Sarah mit einer halben Stunde Bodenarbeit bespaßt.

 

Ich behandle heute am frühen Abend nur Willis Hufe und schmiere die Strahlfurchen rein prophylaktisch mal wieder mit der Kevin-Bacon-Solution ein. 

 

Durch den gerade wieder ganztägigen Zugang zur Winterweide läßt die Lust auf Heu bei den drei Herren deutlich nach.

Willi
Willi

15.10.2019

 

Heute sind die Pferde nochmals tagsüber auf der Winterweide, ab morgen werden wir diese wieder für einige Zeit schließen, bis der Boden etwas abgetrocknet ist.

 

Gerret mäht am Nachmittag die restlichen hohen Grasbüschel auf Weide Nr. 5 mit der Motorsense ab. Damit sind alle Weidearbeiten für den kommenden Winter erledigt.

 

Sarah und ich haben Glück, als wir mit Amor und Willi am späten Nachmittag zu einem Ausritt aufbrechen. Wir haben die Regenponchos hinter die Sättel gebunden, benötigen diese jedoch erst auf dem restlichen Heimweg.

 

Wir bummeln gemütlich durchs Gelände und freuen uns über das hübsch bunte Laub. Herbst ist einfach was herrliches - wenn er weitgehend trocken bleibt (auch wenn die Natur den Regen natürlich nach wie vor brauchen kann).

 

Ich nehme Willis Zügel immer wieder mal auf, stelle ihn nach links und vor allem rechts, weil er sich da schwerer tut, sich wirklich "ehrlich" zu stellen. Nach ein wenig Schenkelweichen und der ersten Trabstrecke schnaubt Willi recht schnell ab, gibt im Genick nach und wird soft. Ich lasse mir viel die Zügel aus der Hand kauen und frage auch ein wenig Seitengänge ab. Derzeit lese ich das Buch "Vollendete Reitkunst" von Udo Bürger und probiere insoweit auch mal dessen Tipp aus, sich vorzustellen, wie man den sich vermehrt beugenden Hinterfuß in den Seitengängen gegen die diagonalen Vorderfuß reitet. Das muß ich aber noch ein wenig probieren und nachfühlen. Es passt auch sehr gut, daß Willi und ich immer mal wieder anhalten und auf Amor und Sarah warten, da Amors Beinchen eben nicht so lange wie die vom Schwarztier ist. So ergeben sich gleich Schritt-Halt-Übergänge, aus denen ich  Willi etwas mehr schließen und aufnehmen kann.

 

Als wir in Richtung der Galoppstrecke kommen, wird Willi forsch - er möchte vorwärts. :-) Ich bleibe beharrlich im Schritt und bleibe leicht in der Anlehnung. *Schwupps* ist der Rücken da. Als ich mir die Zügel aus der Hand kauen lasse, wiegt es mich wie auf einer Welle. Da ist richtig Schmackes in der Hinterhand. An der Galoppstrecke lasse ich Willi erst einige Meter traben, galoppiere dann an. Leider gelingt es mir trotz zweimaligem Durchparieren heute nicht, ihn links anzugaloppieren. Aber er ist brav, gibt sich Mühe und strengt sich auch dann an, als die erste Power weg ist und ich zum Treiben komme. Dafür gibts viel Lob, auch fürs Mörchen, das gut mitgehalten hat.

 

Da es angefangen hat zu regnen, ziehen wir die BW-Regenponchos über und bummeln am langen Zügel nach Hause. Bis wir am Stall ankommen, sind die Pferde wieder trocken. Die restliche Stallarbeit müssen wir nun schon im Dunkeln mit Kopflampen erledigen.

 

Seit der letzten Hufbearbeitung hat Willi an beiden Vorderhufen zwei Risse, recht genau in der Mitte der Hufspitze. Die stammen von eingetretenen Steinchen und bestehen leider nicht nur äußerlich, sondern gehen durch die ganze Wand. Leider habe ich deren Überprüfung in den letzten zwei Wochen total aus den Augen verloren. Heute säubere ich die Risse und puhle mit einem Hufnagel den ganzen Dreck und kleine Sandkörnchen aus den Fugen. Der Hufnagel läßt sich vor allem am rechten Huf fast 1 cm tief in dieses Loch stecken! *grmpf* Nachdem ich alles mit Wasser gut saubergemacht habe, stopfe ich 1/4 Hornpad hinein. Das enthält desinfizierende Wirkstoffe und verhindert, daß sich weiterer Dreck ansammelt. Das muß ich dringend mal mit unserem Hufpfleger besprechen. Soifzt - Willi und seine Hufe...

16.10.2019

 

Am Abend besuchen Gerret und ich die Marketing-Veranstaltung "Die alten Meister", welche wie im letzten Jahr auf der Reitanlage im Herrschaftsfeld in Durmersheim stattfindet. Beworben werden diese - kostenlosen - Veranstaltungen u. a. wie folgt:

 

"Pferde sind wundervolle Wesen, bei denen man aber leider oft das Gefühl hat, dass die Reiter dies beim Reiten und im täglichen Umgang vergessen. Deswegen haben viele von uns befragte Reiter sich nach den alten Vorbildern erkundigt, „den alten Meistern". Wo kann man die noch erleben, wo kann man sehen, wie deren langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Pferden, ... wie zum Ergebnis im täglichen Training führt? In den vergangenen Jahren ist einiges an Wissen und Stil in Vergessenheit geraten. Wir brauchen aber Leitbilder, bei denen das Wissen im Vordergrund steht, nicht nur die eigene Person oder der schnelle Erfolg."

(s. www.henning-reitevents.de/die_alten_meister.html#idee)

 

Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder an diesen Veranstaltungen teilgenommen und dort schon Klaus Balkenhol oder Jean Bemelmans, beides Reitmeister unterrichten sehen. Der Titel „Reitmeister“ wird auf Vorschlag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) oder einer ihrer Mitgliedsverbände für herausragende Leistungen im Sattel, langjährige herausragende Ergebnisse als Ausbilder von Spitzenreitern und -pferden sowie nachahmenswertes Engagement für den Reitsport verliehen, bezeichnet aber - wesentlich richtiger -  ebenso die Reitmeister aus dem 16., 17. oder 18. Jahrhundert. Im letzten Jahr fand die Veranstaltung mit der Bundestrainerin der deutschen Dressurreiter, Monica Theodorescu statt, ihrerseits keine Reitmeisterin - und ehrlich gesagt war ich damals sehr, sehr positiv überrascht über den tollen Unterricht, der allerdings im krassen Gegensatz zu dem stand, was man sonst oft auf Abreite- oder Dressurplätzen bei Turnieren sieht. Das ist für mich persönlich ein Indiz, daß die Grundlagen schon stimmen können. Aber was dann als positiv durch die Richter gerichtet und bewertet wird und somit Geld verspricht, sind eben zwei Paar Stiefel.

 

Dieses Jahr referierte Christoph Koschel, der mehrmals bei den Deutschen Meisterschaften, den Europameisterschaften und den Weltreiterspielen erfolgreich war, und erteilte drei Reiterinnen, die vermutlich auf der dortigen Reitanlage beheimatet sind, in ca. 20-minütigen Einheiten Unterricht unter dem Motto "Trainingsaufbau für ein Dressurpferd". Da der Veranstalter mit dem Satz

 

"Aber wir wollen auch deutlich machen, wie sich der Sport weiterentwickelt hat und spannen so den Bogen zum heutigen Reiten und der heutigen Ausbildung von Pferden."

(Link s. oben)

 

insbesondere auf den heutigen Dressursport verweist, kann man das, was man heute hier zu sehen bekommt, durchaus so stehenlassen. Mit dem Unterricht, den ein Klaus Balkenhol, ein Jean Bemelmans oder auch Monica Theodorescu erteilten, konnte das allerdings leider so gar nicht mithalten, ganz zu schweigen von den in ausführlicher Literatur niedergelegten Ansichten der wirklichen alten Meister (z. B. Pluvinel, Cavendish, de la Gueriniere, Baucher, Steinbrecht, L'Hotte) der vergangenen Jahrhunderte. Wenn dann auch noch wiederholt vom "erstklassigen Pferdematerial" gesprochen wird, dann mag das für diese Art und Zurschaustellung des Reitens durchaus richtig betitelt sein, denn in meinen Augen haben die Pferde nur funktioniert, ihre durch die Zucht herausstechenden exaltierten Bewegungen gezeigt, aber keinerlei Freude erkennen lassen. Pferdematerial, das ist für mich die Betitelung von etwas Abstraktem oder Seelenlosem - und keinesfalls für etwas, was so viel Lebensfreude, Glück und In-sich-Ruhen ausstrahlen kann, wie ein Pferd. Von der zu 90 % ständig hinter der Senkrechten errittenen Haltung der Pferde, die nur beim letzten Pferd-/Reiter-Paar durch das Erarbeiten von Übergängen aufgelöst werden konnte, ganz zu schweigen.

 

So blieb nach der Veranstaltung nur das Resümee, dass es für mich vergeudete Zeit war, die ich lieber direkt mit meinen Vierbeinern verbracht hätte.

17.10.2019

 

Am Abend kontrolliere ich Willis Hufe. Das Hornpad hat tatsächlich die zwei Tage überdauert und sitzt noch in der Spalte. Ich hole es heraus, säubere beide Hufe und stopfe in jeden Spalt ein neues 1/4 Hornpad hinein. Dann gehen Gerret und ich mit Amor und Willi eine halbe Stunde im Regen  spazieren, lassen sie zwischendurch auch etwas grasen. Leider haben die Hornpads das nicht überlebt und sind irgendwo verloren gegangen. Also wiederhole ich die Prozedur und hoffe, daß sie die nächsten 48 Stunden zumindest im Paddock wieder halten. 

 

Unser Hufpfleger tippt per telefonischer Ferndiagnose evtl. auf eine Crena. Als "Crena" (Crena marginis solearis) bezeichnet man eine Einziehung an der Spitze des Hufbeins (s. auch www.barhuf-thueringen.de/download/Crena-Hufe.pdf). Ich lichte das ganze mal ab und werde ihm die Bilder schicken. Bis zum nächsten Hufpflegetermin werde ich die Risse einfach so gut es geht sauber halten. 

*roaarrrrrrr*
*roaarrrrrrr*

20.10.2019

 

Amor geht am Vormittag mit Anne 1,5 Stunden ins Gelände.

 

Ganz außergewöhnlich war ich die letzten beiden Tage nicht bei meinen Jungs. Heute habe ich deshalb Nachholbedarf. :-)

 

Nachdem am Spätnachmittag die Stallarbeit erledigt ist und nun auch die Gummimatten wieder im Stall verlegt sind, mache ich einen frisch eingesauten Willi zum Ausritt fertig. Trotzdem es die letzten beiden Tage rund 20 l/qm geregnet hat, habe ich die Jungs auf die Baumweide gelassen. Wie ich richtig vermutet habe, wird nicht herumgesportelt, denn das Gras ist wichtiger. Aber leider, leider wird dann auch gleich Fellpflege in Form von ausgiebigem Wälzen betrieben... 

 

Der Schwarze bekommt seine Hufschuhe an, und ich säubere vorher penibel die beiden Risse in den Vorderhufen und pinsle alles inkl. der Strahlfurchen mit der Kevin Bacon-Solution ein. Ab sofort wichtig: ich trage eine orangene Warnweste, falls wir doch in die Dämmung kommen sollten, damit wir auch gut gesehen werden. Vorsorglich habe ich auch gleich eine Stirnlampe eingepackt. Beim Abritt ist Willi etwas gemächlich, was sich gleich beim ersten Trab gibt. 

 

Was mir heute wie demletzt auch schonmals vermehrt auffällt ist, daß Willi sich nicht wirklich ehrlich nach rechts stellen lassen mag. Da äugt er dennoch immer weiterhin deutlich nach links. Ich versuche ein wenig hartnäckig dran zu bleiben und frage immer wieder Rechtsstellung ab, indem ich erst mit dem Schenkel nach einem Hohlmachen der rechten Seite frage und das dann über die ganze Pferdelänge ausdehnen möchte. Machmal kann ich die Stellung so etwas erhalten, aber so richtig nachhaltig erscheint mir das nicht. Das ist etwas, was ich mir für den in vier Wochen wieder mit Desmond anstehenden Kurs mal merken muß.

 

Ansonsten galöppeln wir heute relativ viel. Nach Schritt-Halt- und Schritt-Trab-Übergängen frage ich heute auch erstmals viele Trab-Galopp-Übergänge ab. Einerseits liegt der Fokus auf dem Linksgalopp - was ich heute mal wieder nicht gelöst bekomme. Andererseits achte ich sehr explizit auf saubere Übergänge. Also: kein Stocken im Übergang, sondern ein flüssiges Wechseln von der einen Gangart in die andere. Das klappt jedenfalls ziemlich gut. Da das Schwarztier deshalb auch etwas ins Schwitzen geraten ist, bummeln wir den restlichen Weg nach Hause, ich steige an einem abschüssigen Weg auch ab und führe mal ein Stück. Aufsteigen von rechts will dann auch geübt werden. Wieder am Stall bekommt Willi für die Zeit des Aufräumens und des Futterrichtens ein Deckchen auf. Ich lege hierzu einfach eine ältere Fleecedecke über seinen Rücken. So kann er trotzdem nochmals raus auf die Weide zu Amor und Joe bummeln. Falls er sich nochmals legen will, fällt die dann einfach ab. 

Vesper am Waldrand
Vesper am Waldrand

21.10.2019

 

Abends gehen Gerret und ich mit Amor und Willi eine halbe Stunde spazieren, lassen sie am Waldrand auch wieder ein wenig grasen. 

 

Anschließend inspiziere ich wieder Willis Hufe. Ich habe beim Aufräumen am vorletzten Wochenende noch einige Huf- und Strahlpflegemittel in den Tiefen meines Schranks entdeckt, die ich nun peu à peu verbrauchen will. So säubere ich die Hufe und träufle in die Strahlfurchen und die Risse von unten jeweils die Strahlfäuletinktur ein. Der Schwarze muß anschließend 10 Minuten angebunden stehenbleiben, damit alles einziehen kann. Aber das ist für Willi ohnehin kein Problem. 

Selten, aber hin und wieder möglich: zu dritt aus der Rundraufe fressen.
Selten, aber hin und wieder möglich: zu dritt aus der Rundraufe fressen.