Hallo Herbst :-)
Hallo Herbst :-)
Der nächste Weidewechsel - die Buben auf Weide Nr. 2
Der nächste Weidewechsel - die Buben auf Weide Nr. 2

01.09.2018

 

Wir müssen den nächsten Weidewechsel vornehmen. Weide Nr. 1 ist schon  heruntergefressen, und ich will die Grasnarbe auf jeden Fall schonen. Also dürfen die Buben ab heute schon auf Weide Nr. 2. Wir werden die Weiden demnächst also schließen müssen. 

 

Am Vormittag habe ich bei Suzana mal wieder eine Reitstunde. Ich möchte an einem sauber gerittenen, runden (!) Zirkel im Trab arbeiten, weil mir Willi bislang noch immer an der offenen Zirkelseite gerne nach außen wegbricht. Ich habe ein wenig meinen Sitz in Verdacht, was Suzana aber nicht bestätigt. Wir legen uns bei X zwei Dualgassen zurecht, damit ich in den Tiefen der Reitplatzes etwas zur Orientierung habe. Ich soll frühzeitig den inneren Steigbügel austreten, die innere Hand etwas höher nehmen, nötigenfalls leicht zupfen, aber keinesfalls nach hinten einwirken und immer meinen Blick schon auf dem nächsten Zirkelviertel haben. Vor allem letztere Anweisung gibt dann den Ausschlag, daß wir tatsächlich einige wenige Male ganz akkurat etwas annähernd Kreisrundes geritten bekommen. :-) Zur Not nehme ich immer mal die Gerte nach außen und lasse diese einfach an der Schulter anliegen; auch das hilft. Gut - dranbleiben. Mit Geduld und Spucke bekommen wir das hin. Was Hufschlagfiguren anbelangt, bin ich einfach 1000 %-ig. Mit deren Hilfe kann man ein Pferd so toll gymnastizieren, wenn man sich an eine wirklich penible Ausführung hält. 

 

Zwischendrin versuchen wir uns mal an einer Hinterhandwendung, aus der Willi aber lieber eine Mittelhandwendung macht. Suzana gibt mir auch hier einige Tipps, und vor allem macht auch wieder die Blickrichtung einiges aus. Außerdem müssen wir wirklich schrittweise vorgehen: ein Schritt zur Seite bzw. kreuzen - loben - und gut.

 

Willi hat, trotzdem er es sich ja viel lieber viel leichter machen möchte, schön mitgearbeitet, gibt immer öfter im Genick nach, kaut und einige Male ist auch der Rücken schön da und wuppt mich durch die Gegend. :-) 

 

Nachdem die anderen ihre Reitstunden beendet haben, gehe ich noch mit dem Senior auf die Wiese und longiere ihn zunächst ganze Bahn mit vielen Volten im Schritt auf beiden Händen. Amor ist gut drauf, ich muß ihn nur hin und wieder an ein bißchen mehr Energie erinnern. Die Dualgassen habe ich jetzt zu zwei Dreiecken hingelegt, über und durch die ich Amor wieder immer mal schicke. Außerdem steht ein Cavaletti auf niedrigster Einstellung da. Das macht den Hafi aufmerksam und locker. Der Galopp (teilweise auch übers Cavaletti) sieht heute rechte Hand sehr gut aus, Amor bleibt schon fast von alleine in schöner Selbsthaltung. Linke Hand fehlt immer ein wenig die Hinterhand, weshalb ich zwischendurch Handarbeit mit Übertreten und ganzen Travers einbaue. Danach springt er wenigstens die verlangten 3, 4 Galoppsprünge schön durch. 

Unsere heutige Runde durch den Wald
Unsere heutige Runde durch den Wald

02.09.2018

 

Schönes Wetter kann ja jeder... ;-) Da verbringe ich den ganzen Sonntag gemütlich auf dem Sofa und ausgerechnet, als ich dann mittags um 16.30 Uhr auf mein Schwarztier steige, um eine Runde durchs Gelände zu tingeln, fängt es an zu dauernieseln und hört auch erst auf, als wir schon wieder auf dem Heimweg sind... 

 

Willi ist brav und sucht sich unbehufschuht seinen Weg. Ich mache zwar immer Vorschläge, weil ich mir vorstellen könnte, daß es sich im grasigen Seitenstreifen besser läuft, aber manchmal läuft er einfach auch am liebsten in der Wegmitte auf dem Schotter. So sind wir in 1:12 Stunden 6,9 km unterwegs. 

 

Auf der zweiten längeren Trabstrecke ist er ziemlich flott unterwegs, läßt sich aber gut einfangen. Allerdings mißfällt mir das Durchparieren nicht so ganz - wir haben einen ziemlich langen Bremsweg. Also verlege ich mich auf Trab-Schritt-Übergänge, und weil die auch noch ziemlich lange ausfallen schließlich auf Schritt-Halt-Übergänge. Insgesamt walzt mir mein Schwarzer da insgesamt noch etwas zu sehr durch die Gegend und könnte in dieser Hinsicht aufmerksamer und durchlässiger sein. Ich bleibe beharrlich dran, verbinde das auch immer wieder mit Nachgebenlassen im Genick und Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen und viel Lob, so daß eine ganze Parade aus dem Schritt dann schließlich doch sehr schnell gelingt. Ich denke, Übergänge sollten insoweit in nächster Zeit mal ein deutlicheres Thema sein. Dafür klappt das Viereckvergrößern und -verkleinern entlang des Weges zwischenzeitlich ziemlich gut. 

 

Wieder am Stall pinsle ich Willis Hufe wieder mit der Kevin-Bacon-Solution ein. Da er deshalb noch ein wenig am Stall angebunden warten muß bis es angetrocknet ist, massiere ich ihn mit der Faszienrolle, die mir heute mal wieder in die Hände fällt. Er entspannt auch sofort. ;-) 

 

Ich habe Amor seit zwei Tagen nicht mehr husten hören. Eigentlich wollte ich morgen mal den Tierarzt deshalb kontaktieren, werde aber nochmals bis Dienstag zuwarten. 

 

In den letzten Tagen habe ich die Rundraufe via Wildbeobachtungskamera überwacht, um deren Frequentation zu prüfen. Wir bieten dort auch tagsüber bereits wieder Heu an, nachdem der Bewuchs auf den Weiden ja nicht mehr so groß ist. Dennoch wird meist nur nachts daran gefressen - entweder einzeln oder zu zweit in verschiedenen Konstellationen, aber leider nie zu dritt: 

Spaziergang am Abend
Spaziergang am Abend

03.09.2018

 

Am späten Nachmittag unternehmen Gerret und ich mit Amor und Willi einen einstündigen Spaziergang. Willi trägt erstmals sein Knotenhalfter. Wir sind am Sonntag für einen Trailkurs (vom Boden aus) bei Steffi Barth angemeldet, und da soll das Pferd eben ein Knotenhalfter tragen. Ich arbeite nur selten damit, weil ich irgendwie immer finde, daß es doch eine ziemlich scharfe Zäumung sein kann. Aber wie bei jeder Trense auch ist es die Hand, die gegebenenfalls falsch einwirkt.

 

Das Bodenarbeits-Webinar noch im Kopf fordere ich von Willi einen schönen Schritt und daß er mit seinem Kopf auf meiner Schulterhöhe bleibt. Wir haben insoweit tatsächlich noch Luft nach oben in der Ausführung hinsichtlich unsichtbarer Hilfengebung. 

 

Am Waldrand angekommen kommt mir in den Sinn, daß ich ja mal wieder anfragen könnte, ob er mit mir gerne über das dortige ca. 1,5 m breite und etwa 1 m tiefe Gräbelchen springen möchte. Das war beim ersten Mal vor ettlichen Wochen ja noch nicht möglich. Gerret setzt mit dem Mörchen in elegantem Sprung über, ich springe nach. Willi guckt nur kurz, wackelt einmal mit seinem netten Popöchen und *schwupp* ist er auch drüber. :-) :-) :-) Soooo ein Toller!

 

Im Wald frage ich dann auch nach, ob er vielleicht ohne mich mal einen kleinen Abhang hinaufklettern möchte. Bitte sehr, kann er. Als ich dann auf ein paar große Baumstämme steige, möchte er mir gerne nachkraxeln. ;-) Er soll aber lieber davor schön einparken. Ich habe keine Gerte dabei und kann nur mit Stimme und dem Ende meines Führstricks über einem Rücken auf der anderen Seite leicht einwirken: Willi, der Streber, parkt mustergültig ein. Ich seh mal wieder rosa Elefanten fliegen und freue mich über diesen braven Bub. 💕 

 

Auf dem Heimweg treffen wir Laura mit Joe und Buddy, lassen die Jungs noch ein wenig grasen, springen nochmals alle über das Gräbelchen und zuckeln dann gen Stall. 

04.09.2018

 

Abends gehen Sarah auf Amor und ich auf Willi eine kurze Runde ins Gelände. Ich zeige Sarah unseren "Standard-Spaziergeh-Weg", wir träbeln auch ein wenig. Amor hält gut mit - gut, der ist ja ohnehin konditionsmäßig irgendwie immer noch fitter als Willi, aber er muß sich ja auch erst wieder ein wenig unter dem Reiter sortieren. Sarah arbeitet schön mit ihm und läßt ihn nicht nur bummeln. Gerade jetzt ist es erst einmal wieder wichtig, daß er zum Muskelaufbau ein wenig gefordert wird, um einen Reiter zu tragen. Auf dem Heimweg lassen wir die beiden noch ein wenig grasen und führen sie dann nach Hause. Länger als 20-30 Minuten am Stück sollte Amor unter dem Reiter noch nicht belastet werden. 

 

Auch Weide Nr. 2 ist schon wieder heruntergefressen, die Jungs haben die Rundraufe tagsüber geleert und stehen abends gleich erwartungsvoll vor Weide Nr. 4, auf der sie nachts ihr Heu bekommen. Wir werden also tagsüber mehr zufüttern müssen. Dünn sind sie ja alle drei nicht, aber vor allem mit Rücksicht auf den Senior müssen wir immer ausreichend Heu anbieten. 

 

Mit Amors Figur bin ich derzeit wirklich zufrieden. Ich habe mal wieder anhand der Stellen, die man zur Überprüfung des Body-Condition-Score anschaut, festgestellt, daß er derzeit genau die richtige Figur hat. Trotzdem wäre es mir eigentlich lieber, er würde mit etwas mehr Speck auf den Rippen in den Winter gehen, aber das werden wir sehen. Ich werde ihn ab nächste Woche im Vorgriff darauf morgens und abends Kraftfutter geben. 

Willi, ich und der Rappensack
Willi, ich und der Rappensack

05.09.2018

 

Gerret, Amor, Willi und ich gehen am späten Nachmittag auf unsere Reitwiese. Wir bauen ein paar Hindernisse auf: Plane, Cavaletti, Dualgassen und Rappensack. Während Gerret mit Amor arbeitet, der so etwas ja aus dem Effeff kennt, wandere ich mit Willi zunächst zum Lockerwerden etwas umher, frage Rückwärtsrichten ab und lasse ihn hinten ein wenig übertreten, dann entlang des Zaunes den Schenkelweichen. 

 

Die Plane kennt er ja schon, das ist kein Problem. Beim Überschreiten der Dualgassen findet er nicht, daß sich das Füßeheben lohnt, denn die sind ja weich. Da muß ich Steffi am Sonntag mal fragen, wie wir das besser erarbeiten können. Im Trab lasse ich ihn auf Abstand neben mir hertraben und auch immer mal wieder übers Cavaletti laufen. 

 

Dann gibts was Neues: den Rappelsack. Plötzlich ist der Schwarze hellwach. Booooh! Da klappert was! - und hüpft lieber erst mal zur Seite und beäugt das Teil kritisch. Ich lasse ihn den Sack beschnüffeln und gebe diesen erst mal an Gerret weiter, der ihn hinter sich und Amor herzieht, während wir ihn verfolgen - eine gute Möglichkeit, dem Pferd die Angst zu nehmen. Trotzdem bleibt Willi auch weiterhin vorsichtig. Ich kann ihn aber auch damit sachte abstreichen, und wir laufen dann auch etwas mit dem Rappelsack im Schlepptau umher. Gut, eine neue Aufgabe. :-) Zum Abschluß nehme ich ihm den Strick ab und frage, ob er vielleicht neben mir herlaufen und an meiner Seite bleiben möchte. Jupp: klappt. 

06.09.2018

 

*soifzt* Es wird Winter. Ok, ich will mal nicht ganz so sehr schwarzmalen, aber der Sommer ist zumindest hinsichtlich der zeitlich doch sehr komfortablen Stallarbeit vorbei. Ab heute füttern wir tagsüber auch wieder die normale Portion Heu auf der Winterweide zu, da die Weiden nichts mehr hergeben. Zwar füttern wir wie nachts aus drei lose aufgeschüttelten Haufen und drei Heunetzen auf der Winterweide und sparen uns so zumindest noch etwas das intensivere Fegen und Recheln, aber die Stallarbeit dauert so doch schon ein wenig länger. Die Winterweide ist nun also in nächster Zeit 24 Stunden zugänglich (sie liegt ohnehin schon brach), tagsüber lassen wir die Jungs noch auf das letzte Grün. 

6 qbm, ca. 12 t - Aaaaaarbeit! :-)
6 qbm, ca. 12 t - Aaaaaarbeit! :-)

08.09.2018

 

Um 07.45 Uhr kommt ein großer Lkw: wir bekommen 12 t 0,8er Sand geliefert, um den Paddock vor dem Winter wieder gut aufzufüllen. Wir werden das allerdings nicht von Hand verschippeln, sondern warten, bis unser Verpächter Zeit hat, das mit seinem kleinen Bagger zu verteilen. 

 

Am Nachmittag treffe ich mich mit Sarah; wir gehen mit Amor und Willi 1,5 Stunden ins Gelände. Alle 20-25 Minuten sitzen wir ab und laufen mit Rücksicht auf Amor 10 Minunten, damit dieser sich langsam an sein Wieder-Reitpferde-Dasein gewöhnen kann. Ich bin total happy, daß Amor wieder mit von der Partie ist. Er läuft unter Sarah ein gutes Tempo, wir träbeln und galoppieren auch mal eine kurze Strecke. Auf dem Heimweg genießen wir den End-Sommer in vollen Zügen: blauer Himmel und warme Sonnenstrahlen. 

Am Flatterbandtor
Am Flatterbandtor

09.09.2018

 

Am Morgen klingelt um 06.30 Uhr der Wecker - glaube ich. Ich quäle mich schlaftrunken aus dem Bett, tappe ins Bad und setze meine Kontaktlinsen ein. Irgendwann schaue ich auf die Uhr. *schluck* *umfällt* 05.40 Uhr... *mrpf* Der sonst beste Ehemann von allen hat den Wecker falsch gestellt! So richtig finde ich nicht mehr in den Schlaf und bin so tagsüber immer mal wieder etwas müde. 

 

Um 08.00 Uhr verladen wir dann Joe und Willi. Es geht zum Martinshof nach Jöhlingen, wo heute der Trail-Day mit Steffi Barth stattfindet. Die Jungs beziehen zwei nebeneinander liegende mit Stroh eingestreute Boxen und mampfen gleich ihr Heu. 

 

Der Kurs beginnt mit einer kurzen Vorstellung und Theorie: was sind die Grundbedürfnisse des Pferdes (Sicherheit, Komfort, soziale Bedürfnisse und Nahrung), wie können wir das durch Trail- bzw. Parcoursarbeit unterstützen (kein Druck, kleine Schritte, Annäherung und Rückzug, einen Plan und Focus haben), was sind die Vorteile, was bringt es uns (bessere Beziehung zum Pferd, Vertauen, Timing/Gefühl/Koordination verbessern)? Die praktische Kursarbeit beginnen wir in 2er-Gruppen. Laura und ich sind als dritte Gruppe dran. In der Halle sind viele schöne Hindernisse aufgebaut: Podest, Wippe, Engpaß, Bälle-Bad, Stangen-Mix, Plane, Flatterbandtor, Pool-Nudel-Irrgarten, Tonnen-Sprung, Wassergraben, Schirm, Spielball, Hullahupp-Reifen und Knisterdecke. Die Pferde sollen in der ersten Einheit erst einmal "ankommen", sich alles in Ruhe anschauen, beschnuffeln und erkunden. Es gibt kein Muß, nur Kann. 

 

Willi ist in der ersten Einheit äußerlich zwar - ganz kaltblutmäßig - sehr ruhig, aber ich merke ihm an, die unsicher er innerlich doch ist. Er hat leichte Sorgenfalten um die Augen und die Atmung geht etwas deutlicher. Ausgestattet ist er mit einem gut sitzenden Knotenhalfer, das ich von Steffi überprüfen lasse, ich habe einen Natural-Horseman-Stick dabei. Ich gebe ihm viel Zeit an allen Hindernissen, lasse ihn diese in Ruhe inspizieren, lobe viel, mache Angebote und frage nur immer sachte mit dem Stick nach, ob er sich doch vielleicht entschließen könnte, auf das Podest zu klettern, über die Plane oder durch das Flatterbandtor zu gehen oder den Engpaß zu passieren. In den Wassergraben klettert er jedenfalls sofort hinein. ;-) 

 

In der zweiten Einheit nach dem Mittagessen, die wir sodann zu viert absolvieren, ist er schon deutlich ruhiger. Zwar immer noch entfernt von wirklicher innerem Gleichgewicht, aber auch Steffi merkt an, daß er im Gesicht losgelassener dreinschaut. Ich habe mir Unterstützung bei der Stangenarbeit gewünscht. Ich möchte Willi zeigen, wie er seine Hufe gezielter setzen kann und nicht immer an den Stangen anschlägt. Steffi legt uns hierzu eine lange, massive Sprungstange in den Hallensand. Der Schwarze soll davor stehenbleiben, zuerst nur einen Vorderhuf darüber setzen, stehenbleiben und diesen dann wieder zurücksetzen. Das gleiche folgt dann mit den Hinterbeinen. Tatsächlich kann mein braves Schwarztier nach dieser Übung das Stangen-Mikado sehr viel gezielter durchqueren und schafft es sogar ohne ein "Klong" an den Stangen. :-) 

 

Vor der dritten Einheit macht sich meine Müdigkeit wieder bemerkbar. Aber auch ansonsten fordert mich der Kurs doch ziemlich. So bekomme ich in der dritten Einheit auch kaum etwas von meinen anderen drei Teilnehmern mit, die sich mit uns in der Halle befinden. Willi ist jetzt nochmals ruhiger und hat öfters einen wachen, aufmerksamen und interessierten Blick. Wie schön! Genau das habe ich mir gewünscht. Ich kann ihn sogar über die Tonnen springen lassen, er trabt aufmerksam durchs Bälle-Bad, das Flatterbandtor, den Engpaß oder über die Plane. Nachdem er dann nochmals durch den Wassergraben gestiefelt ist und ich ihn mit der Knisterplane eingedeckt habe, beschließe ich, daß das alles nun so gut war, daß wir aufhören. So stehen wir noch ein wenig in der Reithalle herum und beobachten die anderen. 

 

Mir hat der Kurs sehr, sehr gut gefallen. Er hat mir gezeigt, wie fein Willi zwischenzeitlich ist, wie ich ihn motivieren kann, wie ihm die Sachen auch Spaß machen und woran wir noch arbeiten können. Steffi stand uns immer wieder mit Rat und Tat zur Seite, gab gute Tipps und brachte viele Ideen ein. Fazit: gerne wieder! :-) 

 

Währenddessen hat das Mörchen einen gemütlichen Tag auf der Weide verbracht und geht mit Gerret am Nachmittag zwei Stunden spazieren. 

Abendstimmung
Abendstimmung

10.09.2018

 

Am späten Nachmittag gehen Amor, Sarah und ich auf die Reitwiese. Ich gebe Sarah Tipps zum Sitz und schaue, wie mein Mörchen so läuft. Die beiden machen das sehr schön, Amor läuft - unterstützt von Sarah, denn er ist ja schon mehr das Energiesparmodel ;-) - munter vorwärts, gibt immer mal wieder nach, kaut und nimmt vor allem die Hinterhand mit. Wir üben Zirkelverkleinern und wieder -vergrößern und das Loslassen. 

 

Währenddessen bleibt Willi das erste Mal alleine am Stall zurück, denn Laura geht mit Joe eine Runde spazieren. Willi ruft zwar relativ oft, bleibt aber weitgehend ruhig, setzt auch keine Streßäppel ab. 

 

Anschließend kommt unsere ganze Stallgemeinschaft zusammen: Laura mit Tim und Buddy, eine hochschwangere Anne, die am kommenden Samstag Entbindungstermin hat, mit ihrem Mann Georgi, Sarah, Gerret und ich. Wir grillen am Lagerfeuer, sitzen im Gärtchen und plauschen. Die Rösser schauen immer mal wieder vorbei, was wir denn da so treiben und Paula klaut sich ein Würstchen. Ein ganz, ganz toller Abend! :-) 

Nachwirkungen vom Trail-Day ;-)
Nachwirkungen vom Trail-Day ;-)

11.09.2018

 

Ha! Über wie wenig man sich freuen kann: das Schwarztier und ich können einen schönen runden Zirkel traben. ;-)

 

Am Nachmittag reite ich Willi auf der Reitwiese warm mit vielen großen gebogenen Linien. Ich erwarte etwas erschwerte Bedingungen, weil direkt auf dem Gartengrundstück nebenan Holz mit einer hydraulischen Motorsäge gesägt wird, aber Willi ist da völlig relaxed. Schon nachdem ich den Zügel aufgenommen habe, gibt er immer wieder schön nach und kaut. Ich kann das immer länger halten, indem ich immer wieder ins Maul fühle, was er denn nun gerade braucht. Das ist neu, dafür hatte ich bislang immer viel zu wenig Gefühl. Mir fällt auch schon bei den ersten Zirkeln im Schritt auf, daß ich Willi gut auf Richtung halten kann, wenn ich etwas vermehrt in meine Knie "denke" - driftet er nach außen, schließe ich da sachte die Türe, gleiches nach innen. Das funktioniert auch sehr gut im Trab, und so träbeln wir unsere ersten, richtig schön runden Zirkel. Zumindest linke Hand. ;-) Nach einer kurzen Pause ist Willi nämlich steif und fest der Auffassung, daß jetzt Schluß ist und parkt vehement vor dem Ausgang. Als ich ihn wieder in Gang gebracht habe, fühlt er sich etwas mißmutig an, und plötzlich habe ich den kurzen Gedankenblitz, daß er losbuckeln könnte. Gott sei Dank fällt mir nach drei Sekunden mein Gute-Laune-Lied Let's Dance ein, mit dem im Kopf ich dann nochmals rechte Hand antrabe. Das fühlt sich weitaus weniger "rund" an wie auf der anderen Hand, aber egal. Erst mal wieder sicherfühlen, dann können wir weiterschauen.

 

Zum Abschluß frage ich noch ein paar Hinterhandwendungen ab, aus denen Willi im Übereifer aber immer gleich eine Mittelhandwendung macht. Es fällt ihm schwer, auf meine Anweisungen zu warten, wenn ich nur einen Schritt nach dem anderen abfragen will. Trotzdem bin ich mit der Einheit sehr zufrieden, weil wir endlich mal einen runden Zirkel im Trab hinbekommen haben. :-)

 

Am Abend bekommen wir dann noch Heu und unser großer Sandhaufen wird mit dem Bagger verteilt; wir recheln die letzten Hügelchen nur noch zum Feinschliff gerade. Die Pferde schnuffeln gleich sehr interessiert daran herum. Sie werden heute Nacht bestimmt mal probeliegen. 

Weg isser, der Sandhaufen.
Weg isser, der Sandhaufen.

12.09.2018

 

Gemeinsam mit Sarah bespaße ich Amor und Willi am Abend für jeweils gut 20 Minuten an der Longe. Ich zeige Sarah meine Art des Longierens und wie man die Jungs in der Equikinetic arbeiten kann. Sarah geht es wie mir am Anfang: da gibt es soviel zu beachten, daß man schnell überfordert ist. Am besten ist es anfangs einfach, wenn Mensch nur einmal auf sich und seine Koordination (Füße in Laufrichtung parallel zum Pferd, Schultern ordentlich in Laufrichtung ausgerichtet, die Oberarme fallen lassen, die Ellenbogen wie beim Reiten angewinkelt und locker, steter Kontakt zwischen Hand und Pferdenase, rechter Winkel zwischen Pferd und Longe/Longenführer) achtet. Dann schließt sich das Pferd an und läuft meist schon korrekt. 

 

Amor und Willi machen ihre Sache gut. Amor, der alte Hase, kennt das Programm ohnehin. Willi läuft schon beim Aufwärmen ganze Bahn mit vielen Volten richtig schön (und ich habe auch nicht wie vorher oft das Gefühl, daß er Longentraining völlig doof findet), braucht in der abgekürzten Equikinetic-Einheit zwar viel, viel Hilfestellung, gibt sich aber Mühe. 

13.09.2018

 

In den letzten 20 Stunden hat es endlich einmal wieder 5 l/qm geregnet. Die Pferde sind wieder auf Weide Nr. 1. Wir werden so gut es geht die nächsten Tage noch Weidegang ermöglichen - solange es die Grasnarbe eben mitmacht. Das setzt einen 2-3-tägigen Weidewechsel voraus.  

14.09.2018

 

Während Gerret und Amor eine halbe Stunde spazieren gehen, bummeln Laura auf Joe und ich auf Willi 1,5 Stunden gemütlich durchs Gelände. Das Wetter ist nun einfach traumhaft: warm und sonnig. :-) Willi trägt heute erstmals eine gebißlose Zäumung. Ich hatte für den Punkti ja einmal ein Sidepull maßanfertigen lassen, damit das auch richtig auf die große Norikernase paßt. Und da Kurti und Willi ziemlich genau den gleichen Dickschäden haben, paßt die Zäumung auch Willi sehr gut. Ich merke zwar immer wieder, daß ich ihn damit nicht so akkurat stellen und biegen kann, wie auf Trense - was meinem Sitz zuzuschreiben ist. Aber ich fühle mich sicher (jaaaaa, man "hält" kein Pferd mit dem Gebiß auf, aber im Unterbewußtsein fühlt es sich halt doch irgendwie anders an), Willi läuft prima und läßt sich auch aus einem flotten Trab heimwärts auf Ausatmen hin durchparieren.

 

Wir gehen viele schöne Trampelpfade durch den Wald, durch die Bäume schimmert immer wieder golden die Herbstsonne. Einmal erkunden wir auch einen Pfad, der erst vielversprechend aussieht, sich dann aber im Unterholz verliert und wohl nur als Zugang zum Hochsitz für die Jäger angelegt wurde. Mein kleiner Hasenfuß stutzt einmal und hält erstaunt einige Meter vor einem am Wegrand liegenden großen Baumstamm an. DAAA kann er erst mal nicht vorbei und macht mit gespitzten Ohren einen großen Kragen. Aber Joe geht entspannt voraus, so daß auch wir dann an den Baumstamm heran und ihn beschnuffeln können. ;-) 

 

Auch Willi wirft nun deutlich sein Sommerfell ab. Amor hat damit ja schon im August begonnen, Joe hingegen noch nicht einmal damit angefangen. 

Frühstück am Stall
Frühstück am Stall

15.09.2018

 

Unser Start in den stark zweiwöchigen Urlaub beginnt mit einem Frühstück am Stall - natürlich nach der Stallarbeit. ;-) Das Wetter ist wieder herrlich und soll auch die nächste Woche noch so bleiben. Wir bräuchten diesbezüglich etwas Daumendrücken, damit es während unserer fürs nächste Wochenende geplanten viertägigen Rundwanderung auch gutes Wetter hat. *quetsch*

 

Danach gehts mit dem Senior auf die Reitwiese. Er trägt seine Handarbeitstrense und zunächst noch den normalen Zügel. Wir starten mit Schritt ganze Bahn und vielen Volten an den Bahnpunkten. Linke Hand klappt das wegen seiner Händigkeit prima, ich kann schön auf Abstand zu ihm laufen. Rechte Hand kippt er dagegen gerne mit seiner Schulter zu mir her, was ich immer wieder durch leichtes Touchieren mit dem Gertenknopf an seiner Schulter korrigiere. Schulterherein funktioniert auch einigermaßen. 

 

Dann schnalle ich den normalen Zügel aus und den Langen Zügel an. Zunächst wiederholen wir nochmals das gleiche Programm mit ganzer Bahn und Volten, wobei es Amor linke Hand leichter fällt, auf eine Volte abzubiegen als rechte Hand. Ich achte ganz explizit auf meine Körpersprache und schaue immer in Bewegungsrichtung voraus, um ihm das leichter zu machen. Träbeln können wir auch - *schnauf*. ;-) Nachdem ich Vor- und Hinterhandwendungen abgefragt habe, gehen wir nochmals ans Schulterherein. Das ist am Langen Zügel schon deutlich schwieriger, vor allem rechte Hand. An mir fällt mir auf, daß ich den Zügel oftmals viel zu lang halte, wodurch ich meinen Unterarm oft zu sehr anwinkle und so nach hinten einwirke. Darauf muß ich beim nächsten Mal mehr achten. 

 

Zum Abschluß frage ich, wieder am normalen Zügel, ein paar halbe Tritte entlang der langen Seite ab. Schon beim ersten Mal zeigt Amor zwei Tritte - wow!!! Also, klaro: hier gehts hauptsächlich darum, Amor etwas flinker in der Hinterhand zu bekommen. Eine richtige Piaffe sieht anders aus. Dazu fehlt mir die Erfahrung und Amor müßte das Becken mehr beugen und sich hinten setzen. Aber der Weg ist schließlich das Ziel und wir sollen Spaß dran haben. :-) 

Freedom
Freedom

16.09.2018

 

Nach einem pferdelosen Spaziergang am Nachmittag machen wir Halt am Stall. Ich will mal schauen, ob ich ein paar schöne Bilder von den Jungs in Bewegung auf der Weide machen kann. Die lange Longierpeitsche, mit der Gerret ausgestattet ist, tut ihren Dienst schon nur durch bloße Anwesenheit. Trotzdem passen wir auf, daß daraus kein hektisches Herumrennen wird. Wie mir Laura später erzählt, waren Willi und Joe aber auch am Morgen schon ziemlich hüpfig und sind den Trailweg hinaus und wieder hinunter galöppelt. 

 

Naja, *soifzt*, wenn es um gute Bilder geht, werde ich mir im nächsten Leben einen Schimmel kaufen. Schwarze Pferde in Bewegung zu fotografieren, ist irgendwie s**schwer... :-( Und der Senior versteckt sich am liebsten neben dem Weidezelt zwischen den Bäumen. ;-) 

Am Spätnachmittag probieren wir etwas Neues: 

 

Ich nehme Amor erstmals als Handpferd mit. Das haben wir bislang nur einige wenige Male auf der Reitwiese geübt. Zur Sicherheit begleitet uns Gerret bis zum Waldrand. Dort trennen wir uns - während ich mit den Jungs eine Schleife im Wald drehe, geht Gerret den Weg weiter, den wir später herunterkommen werden. 

 

Amor hält im Schritt einigermaßen gut mit, im Trab läßt er sich allerdings gerne zurückfallen und ordnet sich direkt hinter Willi ein, was ich aber nicht so gerne habe. Er soll immer schön auf der Höhe meines Knies laufen und das Tempo halten. Das liegt etwas höher, als sein "Wohlfühl-Zuckeltab". ;-) Wir träbeln immer wieder an, ich pariere auch mal ganz durch. Willi macht seine Sache prima. Uns fehlt war noch etwas die Routine beim einhändigen Reiten, aber er reagiert gut auf Schenkel und Bügeltritt. 

 

Wehmütig denke ich zurück an 2012/13, als der Punkti immer als Handpferd mit von der Partie war. Jetzt ist es umgekehrt. 

 

Zum Abschluß dürfen die beiden dann noch am Waldrand kurz grasen. 

17.09.2018

 

Beide Buben werden mit Equikinetic trainiert, zuerst Amor mit 12 Einheiten, dann Willi mit acht. Mit Amor arbeite ich vor allem an der Hinterhandaktivität, weil ich bei den letzten Bildern der Hand- und Langzügelarbeit gemerkt habe, daß er allzu gerne vorhandlastig läuft und die Birne zu weit unten ist. Das behebe ich per häufigen Energiewechsel innerhalb des Trabes. Linke Hand arbeite ich öfters mit mehr Energie, wobei ich sehen kann, daß sich das "V" der Vorder- und Hinterbeine gleich besser schließt, rechteHand muß ich aufpassen und eher weniger Energie fordern, weil Amor sonst ins Zentrifugieren kommt - übertrieben gesprochen, aber da schert die Hinterhand eben noch zu gerne nach außen weg, weil er sich auf dieser Hand mit der Biegung schwerer tut. 

 

Willi lasse ich heute das erste Mal vier Einheiten Schritt und vier Einheiten Trab (aber seeeehr langsamen Trab) gehen. Der Trab strengt ihn tatsächlich wirklich an und ich muß ihn schon anfeuern und loben und sagen, daß er es gleich geschafft hat, damit er durchhält. ;-) Das gibt viel, viel Lob und viele, viele Kekse. 

 

Am Stall wechsle ich heute einen Besen aus, der zum Kehren und Fegen nicht mehr allzu sehr taugt, schraube ihn aber im Stall als Schubberbürste an die Stallwand. Außerdem legen wir die Gummimatten in die andere Ecke der Box, weil ich sehen will, was sich da untendrunter so tut. *mrpf* Durch Willis Pinkeleien sind manche Bretter schon ein wenig angegriffen. Das ist nicht weiter tragisch, denn die Holzbohlen sind mehrere cm dick und nur ganz leicht an der Oberfläche weich, aber da müssen wir einfach drauf achten. 

18.09.2018

 

Ein pferdefreier Tag mit einer 43 km langen Radtour von Vaihingen/Enz zurück nach Hause liegt hinter uns. Dabei fällt auch die Entscheidung: ab Freitag ist usseligeres Wetter angesagt - ausgerechnet ab dem Zeitpunkt, ab dem wir mit den Jungs wandern gehen wollen. *augenroll* Wir disponieren kurzerhand um: morgen gehts los! So können wir noch mindestens zwei Tage mit tollem (allerdings auch bis 30° heißem) Wetter ausnutzen und kommen - nach aktueller Wetterprognose - höchstens Freitags nachmittags in ein Gewitter. Was ich eigentlich am Donnerstag in Ruhe alles zusammensammeln wollte, wird heute schon gepackt: unsere Kleidung, Essen für unterwegs, Hygieneartikel, Powerbanks und Ladekabel und diverse Kleinigkeiten. Hoffentlich kann ich heute Nacht schlafen!