Fahren vom Boden aus
Fahren vom Boden aus
Amor an der Doppellonge
Amor an der Doppellonge

01.11.2018

 

Gestern kam meine neue Doppellonge aus Biothane mit der Post, so daß ich sie heute gleich auspropbieren kann. Ich habe sie nach meinen Vorstellungen fertigen lassen: sie ist 15 m lang, 12 mm breit und liegt damit sehr gut in der Hand, auch wenn man viele Schlaufen halten muß. Hinten ist sie offen, aber mit einer Schnalle verschließbar, in die Trensenringe wird sie ebenfalls eingeschnallt (ich mag keine Karabiner, da deren Metall auf den Trensenringen klirrt und das gegebenenfalls ins Pferdemaul weitergeleitet wird). 

 

Amor trägt, wie Willi später auch, den Longiergurt. Der Senior kennt die Arbeit ja ohnehin, so daß wir gleich vom Paddock aus in Fahrposition starten und zur Reitwiese laufen. Dort kreisle ich erst ausgiebig mit ihm über die Wiese und freue mich über jede gelungene Hufschlagfigur. Vor allem ein ganz gerades Wechseln durch die ganze Bahn klappt sofort. Wie bei Petra gelernt lasse ich Amor auch hin und wieder Volten laufen, positioniere mich dann auch in der Zirkelmitte und longiere ihn von dort aus. Einzig das Herumhantieren mit der Longierpeitsche ist irgendwie so gar nicht "meins". Ich brauche eine Longierpeitsche, weil ich das Pferd sonst bei der Doppellongenarbeit nicht erreiche. Beim Fahren vom Boden aus ist sie mir dann aber gleichzeitig zu starr und schwer. Mal schauen, ob ich da irgendwann mal was passenderes finde. Jedenfalls kann das Mörchen auch schön an der Doppellonge galoppieren. :-) 

 

Und dann bekomme ich mal wieder ein großes Geschenk von meinem Schwarzen: dem lege ich einfach den Longiergurt um, schnalle die Doppellonge ein, nehme eine Bogenpeitsche in die Hand und "fahre" einfach mit ihm zum Paddock hinaus: Willi läuft, wie wenn er das schon immer so gemacht hat. *staun* Wir fahren zur Reitwiese, und wie mit Amor zirkle ich dort umher. Manche Volte ist noch ein wenig unsauber, aber im großen und ganzen bin ich mal wieder baff: Willi hat so eine Seelenruhe, wartet auf Anweisungen, läßt sich ohne Probleme lenken, auf den Zirkel oder auf Volten abwenden. Auch das Wechseln durch die ganze Bahn (was eigentlich recht schwierig ist, das Pferd auf einer wirklich geraden Linie zu halten) klappt sofort. Auch ihn longiere ich dann auch im Trab an der Doppellonge vom Zirkelmittelpunkt aus. Da driftet er mir allerdings auf jeder Hand - wie gestern beim Reiten auch - auf der offenen Zirkelseite meist nach außen weg. Aber er träbelt schön brav vorwärts und streckt sich auch mehrmals. Wie einfach!!! Merke: bei gutem Umgang mit dem Pferd bekommt man manches eben wie nebenbei geschenkt. Ich glaube, aus Willi kann auch mal ein gutes Kutschpferd werden. 

 

Plötzlich weist Gerret auf die nebenanliegende Kuhweide: da wurde doch tatsächlich keine 30 m neben uns gerade ein Kälbchen geboren. Es wird von den anderen Kühen gleich bestaunt und abgeschleckt. 

 

Heute haben wir uns auch etwas Stroh besorgt und bieten dieses nun im Weidezelt aus einem großen aufgehängten Sack und aus dem blauen Heunetz im Stall an. Mal schauen, was die Herren dazu sagen. 

 

Und nochwas Neues: heute lag Paula das erste Mal auf meinem Schoß und hat sich 10 Minuten lang kraulen lassen. Wie schön! :-) 

Nachschub - zur Befestigung im Weidezelt und Auffüllen im alten Paddock
Nachschub - zur Befestigung im Weidezelt und Auffüllen im alten Paddock

02.11.2018

 

Der Versuch, die Jungs mit Stroh über etwaige Karrenzzeiten zu bringen, ist bislang nicht erfolgreich: das Stroh wird nicht angerührt. Einerseits denke ich, daß sie wohl erst einige Tage brauchen werden,  andererseits kann der Hunger dann nicht allzu groß sein - wobei ich ohnehin annehme, daß die drei mehr Heu nur aus Langeweile heraus fressen würden. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt. 

 

Um 08.00 Uhr bekommen wir heute nochmals 3 qbm 0,8er Sand geliefert. Wir müssen nun endlich den Boden im Weidezelt befestigen und den alten Paddock davor nochmals großzügig auffüllen. Mir ist es zu heikel, im Winter bei Dauerregen vielleicht doch durch einlaufendes Wasser ein Matschloch zu haben. Nachdem die Stallarbeit erledigt ist, setzen wir uns allerdings erst einmal ins Auto und fahren in die Pfalz, um die zur Bodenbefestigung ebenso notwendigen 14 qm Paddockgitter abzuholen. Das sind die gleichen, die wir schon vor ettlichen Jahren im Paddock an besonders beanspruchten Stellen (wo die Pferde gerne hinäppeln) verlegt und mit denen wir ganz gute Erfahrungen gemacht haben. 

 

Nach 2,5 Stunden sind wir wieder da und machen uns gleich an die Arbeit. In einer starken halben Stunde ist das Projekt dann auch schon erledigt: etwas Sand auf den Boden aufbringen, verteilen, mit einer Holzlatte geradeziehen, darauf die Gitter verlegen, dann diese mit Sand verfüllen: finished. 

 

Am Nachmittag treffe ich mich dann noch mit Sarah und wir gehen mit Amor und Willi eine starke Stunde ins Gelände. Unterwegs treffen wir Sabine mit ihrem Schimmelchen. Willi ist interessiert, läßt sich aber gut davon abhalten, am fremden Pferd herumzuschnuffeln. Trotzdem wir anfangs nur einen steilen Berg und eine kurze Strecke getrabt und ansonsten nur im Schritt unterwegs sind, schwitzen die Pferde ziemlich in ihrem Pelz bei heute wieder deutlich über 10°. Auf dem Heimweg reite ich gerade Schlangenlinien im Schritt, als Willi über seine eigenen Füße fällt: er macht vorne einen Kniefall, und ich sehen mich schon über seinen Hals nach vorne purzeln, da nimmt er alle Kraft zusammen und steht wieder auf. Wir bleiben erst einmal stehen und atmen tief durch. Uff. Nix passiert. 

Putzhandschuh aus Heuschnüren
Putzhandschuh aus Heuschnüren

03.11.2018

 

Ich war mal wieder kreativ: was macht man mit den ganzen Schnüren/Seilen, die nach Verfüttern der Heuballen übrig bleiben? 

 

Klar nutzen wir diese ausgiebig, um Heunetze zu flicken, irgendwas zusammen zu binden oder reißfeste Kordeln zu zu wickeln, an denen man schwere Sachen (z. B. den Heutoy oder die Heutonnen) aufhängen kann. Aber dann sind ja noch immer viele übrig, und die sind mir immer zu schade zum Wegwerfen. 

 

Ich habe nun aus einigen Schnüren mit den Fingern (meine Häkelnadel war dafür zu schmal) einen Putzhandschuh gehäkelt. Das war abends neben dem Fernseher auf dem Sofa in nicht einmal einer Stunde erledigt: ca. 25 x 30 cm häkeln, zusammenklappen, mit der Schnur zusammenfassen und am Eingriff auch nochmals die Schnur rundum führen, damit der Eingriff etwas enger gezogen werden kann, hieraus dann noch eine Schlaufe zum Aufhängen knoten: fertig. ;-) 

 

Ausprobiert habe ich es auch schon: zum abendlichen mal kurz übers Pferd rubbeln, um Sand aus dem Fell zu holen, taugt der Handschuh super. Er hängt jetzt griffbereit gleich am Eingang der Sattelkammer. 

Paula auf Erkundungstour
Paula auf Erkundungstour

04.11.2018

 

Die Pferde haben etwas Stroh gefuttert. Also: ein paar Hälmchen. Aber immerhin! ;-) 

 

Am späten Nachmittag nehme ich beide Jungs nochmals an die Doppellonge. Mir ist eingefallen, daß ich doch so eine nette, leichte und etwas kürzere Longierpeitsche von Herrn Lobback habe, die aber gleichzeitig einen ziemlich langen Lederschlag hat - also eigentlich prima, um das Fahren vom Boden aus mit der Doppellongenarbeit zu kombinieren. Das will ich ausprobieren. Und tatsächlich: das funzt total gut. :-) Problem gelöst. 

 

Mit Amor fahre ich erst schön über den ganzen Platz, lasse ihn immer wieder auf Volten abwenden. An der Doppellonge träbelt er schön vor sich hin, so daß ich ihn dann auch angaloppieren lasse. Rechte Hand bekommen wir gleich einen ganzen Zirkel hin. Linke Hand tut er sich etwas schwerer, weshalb ich letzten Endes dann etwas mitlaufe, um die Zirkelbahn zu vergrößern. Dann haben wir auch das geschafft. Zum Ausschnaufen feilen wir etwas am Schulterherein - das ist auf beiden Händen ausbaufähig. Ich lege das normalerweise ja gerne aus einer Volte heraus an, bekomme das aber beim Fahren vom Boden aus nicht hin und tue mich aus einer Ecke heraus leichter (vermutlich müßte wohl mehr außen parieren, verliere dadurch dann aber immer die Innenstellung). 

 

Dann ist Willi dran. Auch mit ihm will ich heute weiter am Galopp feilen. Nachdem wir ebenfalls über den ganzen Platz gefahren sind und einige Volten gedreht haben, lasse ich ihn an den langen Leinen antraben. Das gefällt mir gleich nochmals besser als beim ersten Mal: heute streckt er sich nicht nur schön, sondern hat auch eine bessere Spannung in der Oberlinie, ich komme zum Treiben. So für den Galopp vorbereitet lasse ich ihn auf einem Oval traben und dann aus der zweiten Ecke der kurzen Seite auf die lange Seite hin angaloppieren. Hui, zuerst kommt da nur ziemlich starker Trab raus (den ich schon ziemlich imposant finde, das Kerlchen hat schon Gänge! *staun*). Beim dritten Anlauf klappt es und ich lobe gleich viel. Dann gehts auf die andere Hand. Hier brauchen wir auch zwei Anläufe, aber als Willi sich dann überwindet und merkt, wie toll ich das finde, bekomme ich auch mal einige Galoppsprünge entlang der langen Seite geschenkt. Damit lasse ich es dann gleich gut sein. Herr Schwarzpferd schaut danach ziemlich mit sich zufrieden aus der Wäsche. :-) 

 

Ich habe überlegt, daß auch mir es gut tun wird, wenn ich mit Willi zusammen das Galoppieren an der (Doppel-)Longe erarbeite und nach und nach zu sehen bekomme, daß er das halten kann. Galopp geradeaus im Gelände ist für mich kein Problem, aber auf der Wiese, da habe ich doch noch Morres, ob wir da auch um die Kurven kommen und nicht wegrutschen. 

05.11.2018

 

Der Stalldienst geht morgens doch schon wieder relativ flott von der Hand, wenngleich nun natürlich durch die geschlossenen Weiden und die Heufütterung mehr zu tun ist. Das ist schon was anderes, wenn weggewehtes Heu zusammenzurecheln, mehr Heunetze zu stopfen oder von den Pferdeehufen herumgetragener Sand von den Knochensteinen zu fegen ist.

 

Die derzeit pro Fütterung angebotene Heumenge (3x 4 kg aus großen Heunetzen, 2x 2 kg aus kleinen Heunetzen, 5 kg aus der Heukiste und 5 kg aus der Rundraufe - also 2x täglich 26 kg)  scheint nun doch ausreichend zu sein; zu den letzten Fütterungszeiten war immer noch viel Heu übrig (ca. 5 kg), zudem rühren die drei Jungs das Stroh zusätzlich kaum an.

 

Mittags dann: das Grauen... Die Krähen haben alle Haufen auf dem Trailweg auf der Suche nach dem ein oder anderen Haferkorn total verzettelt. *stöhn* Menno! :-( Aber zusammen mit Sarah und Gerret ist es relativ schnell eingesammelt. Dann gehen Sarah und ich noch mit Amor und Willi auf die Reitwiese und machen etwas Bodenarbeit, als es schon anfängt zu dämmern. Eine knappe halbe Stunde haben wir noch mäßig Licht. 

 

Willi macht seine Sache echt gut, ich freue mich, wie gut und fein er mittlerweile auf alle Anweisungen reagiert, teilweise reicht z. B. zum Weichenlassen der Hinterhand schon nur der Blick zu selbiger. Auch Rückwärtsrichten, ausgeführt von beiden Seiten, ist heute gar kein Thema, ich brauche nur meinen Oberkörper leicht nach hinten lehnen. Als ich ihn allerdings auffordere, mal seitwärts von mir weg zu weichen, um ihn auf einen Zirkel um mich herum zu longieren, reagiert er etwas aufmüpfig - bzw. bin ich mir nicht sicher, ob das nicht einfach ein Ausdruck von Spaß und Freude ist. Leider ist es schon ziemlich dämmrig, so daß ich seine Gesichtsmimik nicht mehr 100 %-ig sehe. Er setzt sogar einmal zum Steigen und Buckeln an oder stampft mit dem Fuß, was ich mit einem deutlichen "Nein!" unterbinde. Dann träbelt es gesittet um mich herum. 

 

Das Mörchen ist derweil an der Seite von Sarah deutlich übermotiviert und hapst arg nach vermeindlich einzuheimenden Keksen. Ich instruiere Sarah, daß da bei Amor Genie und Wahnsinn recht nach beieinander liegen und man in so einer Situation deutlich runterfahren muß - vor allem innerlich. Ruhe, Ruhe, Ruhe, einfache Sachen, vielleicht auch nur einige Minuten nebeneinander herlaufen. Oder, was auch gut für Amor ist, solche Einheiten ins Gelände verlegen und örtliche Gegebenheiten wie Baumstämme oder kleine Abhänge einbeziehen. 

06.11.2018

 

Gerret geht am Nachmittag eine Runde mit Amor spazieren, der sich dann noch über eine Runde Grasenlassen am Waldrand freut. Außerdem beaufsichtigt Gerret das Verteilen des großen Sandhaufens mit dem Bagger vor dem Weidezelt, wozu sich unser Verpächter netterweise nochmals bereiterklärt hat. So langsam ist alles winterfest. :-) 

Morgenstimmung
Morgenstimmung

07.11.2018

 

Eigentlich wollen Sarah auf Amor und Laura auf Joe ins Gelände und ziehen von Dannen, da tobt der Schwarze auf dem Paddock herum, was Gerret, der so etwas immer nur schwer aushalten kann, dazu veranlaßt, ihn aufzuhalftern und eine Runde mit ihm spazieren zu gehen. Dabei trifft er am Waldrand auf Amor und Joe, und so wandern die sechs schließlich gemeinsam durch den Wald. 

 

Mmmh, das war nicht so glücklich. Willi war ja schonmals alleine am Stall und hat das tatsächlich überlebt. ;-) Natürlich findet er das nicht schön und hat dabei zunächst sicherlich auch Streß. Aber aus der Folgeaktion, ihn dann mit ins Gelände zu nehmen, hat er nun vermutlich nur gelernt, daß es etwas bewirkt, wenn er etwas herumtobt. Das muß man dabei immer bedenken. 

Amor am Nachmittag
Amor am Nachmittag

08.11.2018

 

Als wir Morgens um 06.00 Uhr zum Stall kommen, sehe ich gleich, daß die beiden Absperrseile vor dem Heulager gestern Abend nicht geschlossen wurden. Und der Hafischlaukopf hat das natürlich genutzt, um sich zwischen Heuraufe und Holzpfosten hindurchzuschlängeln, damit er ans Heu kommt. Damit nicht genug hat er dann beschlossen, den noch engeren Durchgang zur Weide zu nutzen, wo wir ihn dann heute Morgen einsammeln (woraus ein leicht lockerer Weidepfosten resultiert...). 

 

Als ich später die Weide abgehe, lese ich dort fünf Haufen von ihm zusammen, was bedeutet, daß er zwischen vier und fünf Stunden dort verbracht hat - derzeit nicht ungefährlich, da die Jungs ja seit längerem nicht mehr regelmäßig Gras zum Futtern bekommen. Aber Amor ist da normalerweise ziemlich robust, so daß ich hoffe, daß sich daraus keine Kolik oder Rehe entwickelt. 

 

Trotzdem schaut Gerret zur Sicherheit um die Mittagszeit nochmals nach ihm und geht mit ihm auch eine halbe Stunde spazieren, um zu schauen, wie er drauf ist und wie er läuft. Alles ist in Ordnung, was Laura auch am Abend nochmals bestätigt. Uff, da haben wir Glück gehabt. 

 

Aber: wiederholten sollte sich das nicht, weshalb ich alle nochmals sensibilisiere, beim Verlassen des Stalles lieber dreimal zu kontrollieren, ob auch alles geschlossen ist. Joe und Willi waren ja zum Glück artig - die beiden hätten allerdings mit ihren Heubäuchen auch nicht wirklich gut durch die schmalen Durchgänge gepaßt. ;-) 

Mit Willi auf der Reitwiese
Mit Willi auf der Reitwiese

09.11.2018

 

Dem Senior gehts weiterhin gut, alles ist im grünen Bereich. :-) 

 

Am Nachmittag gehe ich mit Willi auf die Reitwiese und werde  begleitet von Gerret und Amor, der dort ein wenig Gras fressen darf, während ich reite. 

 

Ich wärme Willi ruhig mit geraden und großen gebogenen Linien auf und lasse ihn erst einmal sein eigenes Tempo gehen. Ich habe dieser Tage mal wieder das Buch von Katharina Möller über die Losgelassenheit gelesen und schaue mal, wohin mich das hinführt. Das mit dem eigenen Tempo ist sicherlich gut für die Losgelassenheit, aber Willi macht es sich da schon seeeehr bequem. Das merke ich vor allem, als ich dann antraben will. Da torkeln wir die ersten 50 m irgendwie durch die Gegend und ich habe das Gefühl, auf einem nassen Sack zu sitzen... ;-) Was mir heute deshalb dann wohl auch deshalb vermehrt auffällt, ist die mäßige Reaktion, die Willi hinsichtlich des Schenkels zum Antraben zeigt, weshalb ich dann auch erst mal einige Schritt-Halt und dann Schritt-Trab-Übergänge einbaue. 

 

Dann gehts an die eigentliche Übung, die ich in Katharinas Buch gelesen habe und ausprobieren möchte: immer wieder Konterschulterherein auf dem Zirkel, um den Zirkel damit besser rund zu bekommen. Ich probiere das Konterschulterherein erst entlang der langen Seite aus, damit Willi eine Ahnung davon bekommt, was ich denn von ihm möchte, bevor wir das auf gebogenen Linien und im freien Raum testen. Und tatsächlich: das funktioniert ganz prima. Ich kann Willi dadurch wesentlich besser auf Linie halten. Eigentlich ähnelt das ja auch der Übung, die uns Suzana einmal aufgegeben hat: wechseln aus einer Volte auf eine andere und dabei die Stellung beibehalten, aus der dann Konterstellung wird.

 

Allein Willis Energie könnte etwas frischer sein, aber er gibt sich Mühe und hat dann auch geschwitzt, weshalb ich ihn längere Zeit auf der Wiese abreite und nach dem Absatteln auch gleich eine Decke überziehe.  

10.11.2018

 

Die Pferde haben sich in der letzten Nacht tatsächlich etwas vermehrt am Stroh zu schaffen gemacht. Daß die täglich angebotene Heumenge in der letzten Woche so gut bemessen war, lag wohl doch eher daran, daß der letzte Heuballen eher grob und mit vielen Ampferstängeln durchsetzt war. Jetzt haben wir wieder einen Ballen mit feinem, weichen Heu, das die Pferde eher inhalieren... *augenroll* Aber wenn sie die Karrenzzeiten nun mit dem Stroh kompensieren, paßt das. 

 

Am Vormittag habe ich endlich mal wieder eine Reitstunde bei Suzana. Während Laura und Joe noch reiten, wärme ich Willi zunächst kurz an der Hand auf und lasse ihn sich dann unter dem Sattel noch warmlaufen. Ich achte allerdings gleich auf ein etwas besseres Tempo als gestern. Er darf schon noch gemütlich laufen, aber nicht vor sich hinschleichen. Ich stelle mir dabei einfach vor, wie er auf dem Weg zu einer Wasserstelle ist, weil er Durst hat. So klappt dann nämlich auch das Antraben gleich viel besser.

 

Zunächst bitte ich Suzana, sich mal Willis Hinterhandtätigkeit anzuschauen. Auf dem Bild von gestern sieht man nämlich sehr gut, daß er da weiter vortreten könnte, um mehr Last aufzunehmen und ich habe hin und wieder im Trab das Gefühl, daß die Hinterhand eben aktiver sein könnte. Da kann sie allerdings in Schritt und Trab heute nichts feststellen. Im Schritt tritt er ohnehin schon sehr gut über und auch im Trab sieht das gut aus. Erst, als er im Laufe der Einheit etwas müde wird und die Kraft nachläßt (Achtung: junges Pferd!) schwingt er nicht mehr so gut durch. Da muß ich mir also vermutlich erst mal keine Gedanken drum machen. 

 

Ich habe Suzana außerdem instruiert, daß ich heute gerne an einer konstanteren Anlehnung arbeiten würde. Die darf ich mir dann über den inneren Schenkel und den - verbindlichen! ...ich höre Heike aus dem Gedächtnis... wie wenn die mir das nicht schon immer gepredigt hätte... - äußeren Zügel erarbeiten, innen soll ich immer schön nachgeben. Anfangs habe ich etwas Vorbehalte, daß Willi mir dann nach außen wegdriften würde, aber das fällt lange nicht so arg aus wie erwartet. So klappt das tatsächlich ganz gut. Zwecks Hinterhandtätigkeit und um das Pferd etwas mehr zu schließen, nehmen wir dann vorsichtig Tempounterschiede innerhalb des Trabes dazu, wozu ich aussitzen soll. Hui! Ich glaube, ich bin noch nie so lange ausgesessen und mußte mein Becken nie so weit mitschwingen lassen wie heute. Gerret filmt eine Sequenz und da sehe ich auch, daß ich letzten Endes doch etwas wenig durch den ganzen Körper mitschwinge (Stichwort: Unterschenkel), wodurch meine Hand dann auch eher unruhig wird. Also: viel zu tun. Zu meiner Entlastung merkt Suzana aber auch an, daß Willi wirklich viel Schwung mitbringt. Naja, macht nix. Der Schwarze und ich sind nach der Einheit jedenfalls ziemlich zufrieden mit uns. :-)

 

Das ist auch etwas, was sich in den letzten Wochen nochmals deutlich verbessert hat: Willi schaut wesentlich vertrauensvoller und zuversichtlicher in die Welt und hat nicht mehr solche Sorgenfalten um die Augen, wie noch am Anfang. 

Abends am Stall
Abends am Stall

11.11.2018

 

Nachdem es nachts 5 l/qm geregnet hat, verziehen sich die Wolken sehr schnell und es gibt den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein vom wolkenlosen Himmel. 

 

Am Nachmittag treffen wir uns mit Anne, ihrem Mann Georgi und Nachwuchs Jaron am Stall. Es gibt Kaffee, Tee und Annes selbstgemachten spanischen Apfelkuchen. Anschließend gehen wir alle mit Amor und Willi eine knappe Stunde spazieren. :-) 

 

Dann ist es auch schon wieder dunkel. Habe ich mich früher immer immens über die Winterzeit geärgert, weil vieles am Stall dann im Dunkeln erledigt werden muß, ich die Pferde unter der Woche ohne Halle und beleuchteten Reitplatz nicht bespaßen kann und das Wetter öfters allzu oll ist, nehme ich es heute viel gelassener hin. Es ist nun einmal nicht zu ändern. Über etwas, das man nicht ändern kann, braucht man sich auch nicht zu ärgern; das zieht nur unnötig Energie und bringt nichts.

 

Nimmt man z. B. das landwirtschaftliche Leben früher, so war das ganz normal: man hat vom Frühjahr bis in den Herbst hinein (Erntedank) gearbeitet und mußte dann über die Wintermonate vom Eingebrachten leben. Es gab noch keinen Strom, Kerzen waren rar - nach Sonnenuntergang war Schluß. Heute braucht uns das nicht mehr so bewußt zu sein, denn wir haben Nahrungsmittel im Überfluß und können uns die ganze Nacht problemlos mit Lampen zum Tag machen. Allerdings merke ich selbst, daß ich in der Zeit, in der es früher dunkel wird, ein ausgeprägteres Ruhebedürfnis habe, als im Sommer. Und so wird es vermutlich auch meinen Pferden gehen.

 

Deshalb mache ich mir zwischenzeitlich keinen Streß mehr, sondern versuche, die Zeit, die mir der Winter gezwungenermaßen bei den Pferden nimmt und dafür an anderer Stelle zur Verfügung stellt, anzunehmen und zu genießen. Auch bei meinen Pferde stelle ich fest, daß ihnen eine derartige Pause (weniger Reiten, mehr Knuddeln) überhaupt nicht schadet und vieles dann auch plötzlich besser klappt, weil es Zeit hatte, sich zu "setzen".

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine ruhige Winterzeit. *Kerzeauspust*

13.11.2018

 

Der erste Morgen mit wirklich usseligem Wetter: es regnet Bindfäden, als wir morgens im Dunkeln die Stallarbeit erledigen. Bäh. Es kommen gut 8 l/qm herunter. 

 

Sarah hat die meiste Stallarbeit schon erledigt, als wir dann am Nachmittag wieder zum Stall kommen. So können wir gleich die Pferde putzen und wandern mit ihnen zur Reitwiese. Wir laufen eine Runde mit dem Mörchen und Willi, ich lasse Willi noch auf beiden Händen übertreten und steige dann erst auf. Schon beim Warmreiten kaut Willi immer schön, als ich den Zügel nach einigen Runden am hingegebenen Zügel dann lang aufnehme, auf Gewichts- und Schenkelhilfen reagiert er fein - es sei denn, Amor läuft an uns vorbei und er möchte gerne hinterher. ;-)

 

Trotz des Regens bis zum Morgen ist die Wiese gut bereitbar, nur an den schon ziemlich ausgetretenen Stellen ist es im Trab zu rutschig, weshalb ich mich am Mittelzirkel versuche. Das ist gar nicht so einfach, weil Willi es ja sehr mag, an der Bande zu kleben - etwas, was bei Kurti immer ganz anders war, der von vorne herein immer ohne Bande ausgebildet wurde. Wir träbeln erst im Leichttraben vor uns hin, ich versuche, meinen Außenzügel immer gut dran zu behalten, merke aber doch, wie oft er trotzdem noch schlackert. *soifzt* Beim Aussitzen bin ich dann um ein etwas untertourigeres Tempo dankbar, weil ich mich dann doch erst mal besser auf meinen Sitz und unsere Linie (schöner runder Zirkel) konzentrieren kann. Ich höre Suzana aus dem Off, daß ich immer schön innen nachgeben muß, außen dafür dran bleibe und Willi am inneren Schenkel biege. Da mir einfällt, daß ich besser im Pferd sitze, wenn ich schön meine Ellenbogen bei mir behalte. Das klappt das ganz gut und Gerret befindet, daß ich besser aussitze als am Samstag. Nach dem Ausschnaufen am hingegebenen Zügel probieren wir noch etwas Schulterherein, wobei ich rechte Hand ins Konterschulterherein gehe, um quasi ein Schulterherein links zu reiten, weil Willi das erst einmal mit der Bande außenherum leichter fällt. 

 

Sarah träbelt mit Amor auch schön über die Wiese, und was ich immer mal wieder so kurz aus den Augenwinkeln sehe, gefällt mir ziemlich gut. :-) Wir gehen mit den Jungs anschließend noch eine kleine Runde um den Stall; es ist schon fast dunkel. Als wir über den Wiesenweg am Paddock vorbei kommen, steht Joe erwartungsvoll am Zaun. Als wir an ihm vorbei sind, hopst er plötzlich los, was Willi und Amor kurz erschreckt. Hallo: wach!?!!! Huch. So ein Schelm. 

 

Weil die Jungs alle drei gerade praktischerweise äppeln, sammle ich heute Abend schon die nächsten Kotproben, die morgen zwecks selektiver Entwurmung ans Labor gehen. 

Willi, Gerret und Amor
Willi, Gerret und Amor

14.11.2018

 

Am späten Nachmittag gehen wir mit den Jungs eine halbe Stunde spazieren und lassen sie am Waldrand etwas fressen. Die Stimmung ist herbstlich, überall liegt leichter Dunst über den Feldern. 

 

Beim Füttern fahre ich Amor mit der Hand auf der linken Rückenseite entlang der Wirbelsäule. Überrascht stelle ich fest, daß darunter lauter weißes Fell zum Vorschein kommt! Satteldruck? Kann kaum sein - Amor wurde das letzte Dreivierteljahr ja so gut wie nicht geritten. Außerdem wurde die Paßform seines Sattels durch Desmond zuletzt in 11/17 und 02/18 überprüft und für gut befunden. Trotzdem sieht es sehr seltsam aus, da es nur links entlang der Wirbelsäule zum Vorschein kommt. Ich bin gespannt, was Desmond dazu sagt, wenn er demnächst die Sättel kontrolliert. 

15.11.2018

 

Das Ergebnis der Kotproben ist da: alle drei Jungs müssen nicht entwurmt werden. Insgesamt haben wir damit eine wirklich sehr, sehr gute Bilanz: durch die doch recht strenge Stall- und Weidehygiene mit zweimaligem Abäppeln täglich mußte Amor das letzte Mal in 2015 regulär entwurmt werden, Willi wurde ja erst in 03/18 in das System der selektiven Entwurmung aufgenommen und ist seither auch wurmfrei. 

 

Sarah ist heute Abend für den Stalldienst verantwortlich und nimmt auch erstmals alleine eine Heulieferung entgegen. Das Mörchen wird mit Bodenarbeit bespaßt. 

Willi und ich bei der Reitstunde mit Suzana
Willi und ich bei der Reitstunde mit Suzana

17.11.2018

 

Am Vormittag bekommen Willi und ich nochmals eine Reitstunde von Suzana. Ich steige mit den Anzeichen einer Erkältung in den Sattel und bin nicht 100 %-ig fit. Da Laura und Joe vor uns dran sind und Willi zwei freie Tage hatte, bin ich daher etwas mißtrauisch, als Laura und Joe von dannen ziehen und Willi alleine bei mir uns Suzana bleiben soll. Der guckt zwar immer mal wieder Joe hinterher, bleibt aber ansonsten ruhig und brav und läßt sich schön auf mich konzentrieren. Gut. :-) 

 

Das Schwarztier ist heute ohnehin sowas von locker! Suzana hatte schon für Laura und Joe vier Pylonen im Viereck aufgestellt. Nachdem wir Willi nach dem Warmreiten nochmals mit 1/4-Hinterhandwendungen um diese Pylonen gelöst haben, bekomme ich die Aufgabe, das Kleeblatt zu reiten: geradeaus zwischen zwei Pylonen in das kleine Viereck einreiten, eine gleichmäßig große Volte um eine Pylone als Mittelpunkt dann wieder gerade durchs Viereck und wieder eine Volte um die nächste Pylone. Das ganze zuerst linke Hand, dann rechte Hand, zuerst im Schritt, dann im Trab, dann im Trab auch mit nach jeder Volte wechselnder Hand. Das gibt mir und Willi die Möglichkeit, nochmals das Thema von letzter Woche hinsichtlich eines verbindlich vorhandenen äußeren Zügels und eines nicht ziehenden inneren Zügels zu wiederholen und das Aussitzen zu üben. Zwischendurch darf Willi dann immer mal wieder ganze Bahn locker vor sich hintraben, damit er keinen Drehwurm bekommt. ;-) 

 

Mir fällt heute mal wieder auf, wieviel besser alle Wendungen klappen, wenn ich meine äußere Schulter gut mitdrehe (Stichwort: Menschenhüften parallel zu den Pferdehüften, Menschenschultern parallel zu den Pferdeschultern) und mir außerdem vorstelle, daß aus meinen Knien Stangen herauswachsen, durch die ich Willi wie bei einer Kutsche die Richtung eindeutig vorgeben kann. Auch von Suzana bekommen wir heute viel Lob, weil Willi nun wirklich schön taktmäßig und locker traben kann - das war vor einem halben Jahr ja noch ganz, ganz anders. :-) Da die Kleeblatt-Übung für ihn ziemlich anstrengend war, lassen wir es auch frühzeitig gut sein, obwohl meine halbe Stunde noch gar nicht vorbei ist. 

 

Danach nehme ich das Hafitier an die Doppellonge. Amor hat heute allerdings beschlossen, daß er 1. nicht wirklich Lust hat und 2. seinen Rücken lieber durchhängen lassen will. Die erste Runde an der Doppellonge geht daher erst mal in die Hose und ich habe einen motzig vor sich hinbockenden Blondschopf an den Leinen. *staun* Also gehen wir erst nochmals zurück zum Fahren vom Boden aus, ich kringle mit Amor in vielen, vielen Volten über die Wiese, bis er sich mal einigermaßen stellt und biegt und nachgibt. Zum weiteren Lockern des Rückens frage ich dann ganz kurze Sequenzen im Galopp ab, und durch die Übergänge wird das Pony dann etwas geschmeidiger. Vielleicht lag Amors Verfassung auch an den letzten beiden erstmals wirklich kalten Nächten.